Dr. Monika Mayer Apothekerin
Vinzenz Apotheke, Rössliweg 13, 5074 Eiken
Schwangerschaft: Übelkeit und Erbrechen
Oft leiden die Frauen unter einer morgendlichen Übelkeit, besonders zu Beginn einer Schwangerschaft. Das kann die Vorfreude empfindlich trüben! In der Regel beschränkt sich diese unangenehme Situation auf das erste Drittel der Schwangerschaft. Manchmal erkennt *frau* auch die Schwangerschaft erst durch das morgendliche Erbrechen.
Gemäss dem deutschen Ärzteblatt 2007 werden Übelkeit und Erbrechen von bis zu 90 Prozent aller Frauen beschrieben. Sie treten hauptsächlich zwischen der fünften und zwölften Schwangerschaftswoche auf und verlaufen in der Regel gutartig (ohne gesundheitliche Auswirkungen auf Mutter und Kind). Ein Höhepunkt der Beschwerden wird in der neunten Woche beschrieben und ein Abklingen nach 12 bis 14 Wochen. Sie können aber auch bis zur 20. Woche und in seltenen Fällen länger andauern (bis zum Ende der Schwangerschaft). Auch der Partner ist betroffen, er leidet mit, ohne wirklich helfen zu können. Verständnis für die unangenehme Situation ist oft das Einzige, was *man* zeigen kann. (Ausser vielleicht: nasse Tücher parat machen, das Bad reinigen, unangenehm riechende Tätigkeiten übernehmen, ein erstes kleines Frühstück ans Bett bringen etc.) Eine schwere Form der Symptome ist die Hyperemesis gravidarum. Sie betrifft rund 1,5 Prozent der Schwangeren. Sie werden im Spital betreut, um weitere Ursachen abzuklären, auszuschliessen und wieder «aufgepäppelt» zu werden. Sie werden oft mit Infusionen behandelt. Ihnen werden auf diesem Weg Flüssigkeit, Mineral- und/oder Nährstoffe und Medikamente verabreicht.
Ursache: Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Es werden eine psychische Komponente, eine evolutionäre Anpassung, eine Helicobacter pylori-Infektion und hormonelle Auslöser diskutiert. Für die hormonelle Komponente spricht, dass die Produktion des Schwangerschaftshormons hCG rund 24 Stunden nach der Befruchtung im Eierstock beginnt. In den ersten Wochen der Schwangerschaft steigt die hCG-Konzentration im Blut ständig an und erreicht ein Maximum zwischen der achtten und zwölften Schwangerschaftswoche. Danach sinkt die Konzentration wieder, da der Mutterkuchen die Hormonproduktion aus dem Eierstock nicht mehr benötigt und selbst die schwangerschaftserhaltenden Hormone produzieren kann.
Abhilfe: Als erste Wahl werden nicht-medikamentöse Massnahmen empfohlen: – häufig kleinere Mengen trinken, um einen Flüssigkeitsverlust zu vermeiden. Als Empfehlung gilt: kohlensäurehaltige Getränke und Kaffee meiden; dafür leichten Pfefferminz-, Kamillen- oder Ingwertee: diese werden eher lauwarm und warm vertragen als zu kalt; – appetitanregende Nahrungsmittel bevorzugen; – häufige, aber leichte Mahlzeiten; – ein erstes Frühstück im Bett geniessen, mit z.B. etwas trockenem Brot, Knäckebrot oder einem Stückchen Zartbitterschokolade; – lieber proteinreich oder kohlenhydratreich essen und besser fettarm, z.B. Cracker, Biskuits, Salzkartoffeln. Scheinbar wird salziges Essen besser vertragen; – eher «kalte» Getränke und Speisen geniessen; – gelegentlich eine Pause einlegen: die meisten Schwangeren haben ein gesteigertes Ruhebedürfnis. Sie brauchen auch mehr Schlaf. In der kalten Jahreszeit sind warme Füsse zum Einschlafen wichtig. Allgemein gilt, dass die Arbeitszeit dem Wohlbefinden anzupassen ist; – MEIDEN: intensiv gewürzte und stark riechende Kost; – Akupressur/Akupunktur: am Akupunkt P 6 (auf der Innenseite des Handgelenkes) kann man Druck ausüben, der die Leiden mildern kann (mindestens während 5 Minuten so alle 4 Stunden. Es gibt ein Armband = Sea-Band, das genau auf diesen Punkt mit einer Art Knopf Druck ausübt. Das darf auch länger getragen werden und hilft ebenfalls gegen Reiseübelkeit); – medikamentöse Therapie: Während einer bekannten oder vermuteten Schwangerschaft sollten alle Medikamente ausschliesslich nach einer vorgängigen Frauenarzt/ärztin-Konsultation eingenommen werden! – Vitamine: Vitamin B6 – Monotherapie: es werden 10 bis 25 mg alle 8 Stunden empfohlen. (Es gibt wenige Monopräparate in der Schweiz.) In den meisten Multivitaminpräparaten für die Schwangerschaft ist diese Menge enthalten. Manchmal ist eine morgendliche Einnahme dieser Präparate unangenehm und sie werden mittags oder abends besser vertragen; – Phytopharmaka: Ingwer als Gewürz und pflanzliches Antiemetikum kann es gut helfen. Das einzige in der Schweiz zugelassene Ingwer-Präparat ist gemäss der Packungsbeilage für dieses Problem nicht zugelassen. In anderen Ländern wurde diese Einschränkung gestrichen. Es sind bis heute nie negative Auswirkungen auf das werdende Kind beobachtet worden! Pfefferminz-Öl: einen Tropfen in der Hand verreiben und dann vorsichtig einatmen. Dies kann ebenfalls lindernd wirken.
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