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Zusammenarbeit statt Interessenkonflikte (Leserbrief)

Von Robert Weniger, Frick

Wie wichtig klare Rollen im Gesundheitswesen sind, führt uns täglich vor Augen, dass die klare Aufgabenteilung und Unabhängigkeit sowie ein Miteinander der Gesundheitsberufe auch in der Praxis gelebt werden müssen. Besonders das Vier-Augen-Prinzip verdient dabei Beachtung: Es schafft eine zusätzliche Sicherheitsebene, die in der täglichen Praxis unverzichtbar ist. Bedeutet, dass die Abgabe noch einmal niederschwellig geprüft wird.

Darüber hinaus lohnt es sich, die Auswirkungen der Selbstdispensation, des Medikamentenverkaufs durch Ärzte, auf das Gesamtsystem genauer zu betrachten: Die Gesundheitsversorgung funktioniert heute im Kanton Aargau auch deshalb gut, weil die Aufgaben sinnvoll verteilt sind. Apotheken übernehmen einen Teil der Grundversorgung, der rasch zugänglich, effizient und vergleichsweise kostengünstig ist. Fällt diese Entlastung der Hausärzte weg oder wird geschwächt, verschiebt sich der Druck unweigerlich auch auf Arztpraxen und Spitäler. Die Verfügbarkeit an Medikamenten ist permanent kritisch und dadurch ein Dauerthema in den Medien. Bei einem Systemwechsel könnte diese Verfügbarkeit dadurch weiter leiden, da Ärzte eine viel kleinere Lagerfähigkeit aufweisen und Ablaufdaten gut kontrolliert sein wollen. Die Ärzte lagern nur jene Produkte mit der häufigsten Verwendung.

Zudem stellt sich die Frage nach der Entwicklung in ländlichen Regionen. Ein starkes, flächendeckendes Apothekennetz ist keine Selbstverständlichkeit. Wird mit dem Medikamentenverkauf durch Ärzte dessen wirtschaftliche Grundlage untergraben, könnte genau dort ein Rückbau stattfinden, wo die Versorgung ohnehin schon schwach ist. 

Die Diskussion um die Selbstdispensation sollte deshalb nicht allein betrachtet und isoliert geführt werden. Es geht nicht nur um eine einzelne Massnahme, sondern um die Balance eines ganzen Systems. Diese Balance lebt von Zusammenarbeit – nicht von neuen Interessenkonflikten. Wir wollen darum keinen Systemwechsel bei der Abgabe von Medikamenten im Kanton Aargau riskieren.