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Foto: Jürg Keller

Zum neuen «Waldfriedhof 2» bei der Alten Saline in Rheinfelden (Leserbrief)

Von Jürg Keller, Rheinfelden

Zur massiven «Auslichtung» des Stadtwaldes bei der Alten Saline (Oktober 2023):
Für Unkundige: Beim genannten Quartier wurden im Spätherbst massive Abholzungen vorgenommen. Diese wurden vom Forstbetrieb als «Auslichtungsarbeiten» bezeichnet, was eindeutig das Resultat verharmlost. Nicht nur die vielen im besten Wuchsalter gefällten Bäume machten misstrauisch, die dabei geschlagenen Lichtungen haben mit «Auslichtung» nichts zu tun: Sie werden sich in kurzer Zeit mit dichtem Brombeergestrüpp füllen und die Naturverjüngung verhindern. Kurz: Aus einem Wald wurde eine Waldruine, die Empörung darüber mündete im neuen Namen «Waldfriedhof 2» (Nummer 1 ist für menschliche Überreste reserviert).
Die Beschwichtigungsversuche sind immer die gleichen: Die Waldfläche ist in der Schweiz gesichert und es wird nicht mehr Holz geschlagen als nachwächst. Der Wald ist aber mehr als eine Holzfabrik, er ist ein Ökosystem mit eigenen Gleichgewichtsfaktoren. Wer sich für dieses System einsetzt, wird gerne als weltfremd belächelt. Dabei ist es einfach, den Wald als Wirtschaftswald zu nutzen, und gleichzeitig Rücksicht auf sein System zu nehmen: Ohne hier schon wieder den naturnahen Waldbau erklären zu wollen: Im Flugbild erkennt man ihn an seiner lückenfreien Kronendecke. Im Aargau gibt es genügend Beispiele dafür, und alle bringen ausgeglichene Ergebnisse in die Waldrechnung. Allen diesen Beispielen ist aber gemeinsam, dass sie kaum Nachahmung finden. Aber alle diese Beispiele finden auch keinen Widerstand in Aarau. In der «Abteilung Wald» hat vieles Platz, die Achtsamkeit beim Waldbau muss vom örtlichen Forstdienst geleistet werden, oder auch vom örtlichen Waldeigentümer. In Rheinfelden ist dies die Ortsbürgergemeinde, und diese hat in ihren Satzungen, dass sie die Einwohnergemeinde in sozialen, kulturellen und ökologischen Belangen unterstützen wolle. Würde der Forstbetrieb also seine Eingriffe waldverträglicher gestalten, würde er eher dem Willen des Eigentümers entsprechend handeln als mit seinen groben Maschinenschlägen. Man müsste also die kleine Schar der Ortsbürger (ca. 2 Prozent der Stimmberechtigten) aufrufen, mehr auf die Durchsetzung ihres Willens im Forstbetrieb zu drängen. Sie sind als Eigner die eigentliche Kontrollinstanz über das Geschehen im Wald, der jetzt zusehends zum Forst degradiert wird. Wer aber Rheinfelden kennt, weiss, dass damit die Frage Lenins ins Spiel kommt: «Wer kontrolliert wen»? Foto: Jürg Keller