Von Swen Stehle, Architekt & Liegenschaftsverwalter, Zeiningen
Hat Zeiningen ein Tiefbauproblem? Wohl nicht, eher ein tiefer liegendes Planungs- und Bauproblem! Ein Projekt, das eigentlich für die Gemeinschaft angedacht ist, spaltet unser Dorf.
Zurückkommend auf meinen Titel: Hat Zeiningen ein Tiefbauproblem? Nicht zwingend! Ich erlaube mir dazu einige fachliche Gedanken einzubringen: Selbstverständlich weist das Gelände ein natürliches Gefälle von rund 2m auf. Ein grosser Teil dieses Gefälles befindet sich jedoch auf den ersten Metern da, wo das Gebäude noch nicht einmal steht. Würde man das MZG näher zum Sportplatz verschieben, wären die effektiven Terraindifferenzen im Rahmen von +/-1.00m. Ein zweigeschossiger Bau ist realisierbar. Mit dieser Massnahme wäre unter anderem die Option zu prüfen, den Sportplatz als Festplatz zu nutzen, anstelle des Parkplatzes. Konzeptionell ist es fragwürdig, einem Festanlass gleichzeitig Parkplätze zu entziehen.
Das grösste Einsparungspotenzial bezieht sich auf die Dachkonstruktion. Welchen Zweck und Nutzen hat diese Konstruktion für das Gebäude tatsächlich? Diese Dachkonstruktion mit seinen hunderten Laufmetern Blechanschlüssen, beheizten Dachrinnen durch die Shedkonstruktion ist nicht nur im Bau ein wesentlicher Kostentreiber, sie generiert auch im betrieblichen Unterhalt unnötig hohe Kosten, die dem Zweck des Gebäudes nicht dienen. Zudem schränkt diese Konstruktion die Belegung der PV-Anlage ein, die auf einem Flachdach weiter ausgebaut werden könnte.
Die Gemeinde Zeiningen hat in den Abstimmungsunterlagen fett markiert, alle Berechnungen und Kosten basieren auf Annahme Stand heute, das Gebäude ist noch nicht gebaut!
Von vielen Vorrednern in der letzten Woche wurde gefordert, dass man der bestehenden Projektverantwortung vertrauen solle, da diese wisse, was sie tut. Bei allem Respekt vor der bisher geleisteten Arbeit, wenn ein Planungskredit rund 600 000 Franken überzogen wird und das sich daraus entstehende Bauprojekt von den vorausgesagten 8 Mio. auf 12 Mio. entwickelt bzw. verteuert, ist es ein legitimes Recht, dieses Tun zu hinterfragen.
Die paternalistische Haltung der Gemeinde in diesem Prozess ist ebenso nicht förderlich. Man kann nicht 1 Mio. Franken Planungshonorar für Fachberichte und Analysen ausgeben und dann dies als wertlos in Bezug auf eine Umplanung darstellen. Man muss auf jeden Fall nicht bei null beginnen. Wieso dieser Umgestaltungsprozess 5 bis 6 Jahre dauern soll, ist mir rätselhaft. Es gibt Beispiele von Gemeinden, die öffentliche Gebäude innert Jahresfrist optimiert und zum Bau freigegeben haben.
Es geht darum, etwas Verbindendes, Langlebiges und kostenmässig Verkraftbares zu schaffen. Gemeinsame pragmatische, sachliche Lösungen und Kompromisse zu finden.
Daher ein «Nein am 03.03.2024», um im Anschluss in einer gemeinsamen Extrameile ein Projekt für die Gesamtbevölkerung zu schaffen, auf dass wir alle 2026 an der Eröffnungsfeier mit Stolz und Einigkeit verkünden können: Jawohl, das ist unser Mehrzweckgebäude.