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Tierausbeutung in der Umweltarena Spreitenbach: Missstände an der grössten Schweizer Reptilienbörse aufgedeckt (Leserbrief)

Von Olivier Bieli («Basel Animal Save»), F-Munchhouse

Foto: Olivier Bieli / Basel Animal SaveGestern Sonntag kontrollierte ein Team von Basel Animal Save die Terra Expo. Einen Giftpfeilfrosch, einen Skorpion oder einen Waran für das Kinderzimmer gefällig? Kein Problem. Herr und Frau Schweizer konnten sich an der Terra Expo im aargauischen Spreitenbach mit allerlei toten und lebendigen Tieren eindecken. Das Wohl der Tiere schien dabei sekundär. In engen Plastikboxen und Glasbehältern, oft ohne jenste Rückzugsmöglichkeiten, mussten tausende Reptilien, Amphibien, Fische, Spinnen und Insekten über Stunden ausharren - darunter auch zahlreiche hochgiftige und bewilligungspflichtige Schlangen. Die meisten Tiere wurden wohl bereits gestern verpackt und für die Verkaufsmesse bereitgestellt. Das bedeutet, dass Schlangen, Echsen, Agamen, Geckos, Frösche und Schildkröten – manche davon mit Schutzstatus – bereits seit über 24 Stunden in den tierquälerischen Kleinstboxen eingepfercht sind. Um das Kaufverhalten anzukurbeln wurden von diversen Verkäufern Versteckmöglichkeiten wie Äste und Blätter so klein gehalten, dass die Tiere sich gar nicht erst darunter verstecken konnten. In machen Boxen fehlten Rückzugsmöglichkeiten gleich gänzlich oder wurden für Fotos oder Verkaufsgespräche zum Leidwesen der Tiere kurzerhand entfernt. Mehrfach festgestellt haben wir zudem, dass Tiere für Fotos oder zum Streicheln extra aus ihrem Versteck geholt wurden. Dies fördert die Verbreitung von Krankheiten und stresst die ohnehin bereits verängstigten Tiere zusätzlich. An unzähligen Ständen fehlten die Angaben, woher die Tiere ursprünglich stammen, ob es sich um Nachzuchten oder um Wildfänge aus der freien Wildbahn handelt. Eine Händlerin gab an, dass die Elterntiere ihrer verkäuflichen Tiere Wildfänge seinen, sie nun aber keine mehr kriege.

Foto: Olivier Bieli / Basel Animal SaveWeshalb Nachzuchten von Fröschen und anderen Wildtieren, die in Südamerika wild gefangen, also ihrem natürlichen Habitat entrissen wurden, in einer Umweltarena zum Verkauf angeboten werden, ist mehr als fraglich. Auch weshalb ein energieintensive, tierquälerische und unethische Handelsplattform mit exotischen Wildtieren in der Umweltarena durchgeführt werden darf, wirft Fragen auf. Der Handel und die Haltung von Exoten ist alles andere als nachhaltig und schon gar nicht umweltfreundlich. Weitere festgestellte Kritikpunkte sind fehlende Vor- und Nachkontrollen bei den Käufern der Exoten. Jedermann konnte sich heute teilweise zu Spottpreisen mit neuen Haustieren eindecken. Wer dabei über wieviel Ahnung und Fachwissen verfügt, wie die erworbenen Tiere anschliessend gehalten werden und wie lange sie bei einem Laien leiden und anschliessend sterben werden, kontrolliert niemand. Es zählen in erster Linie die Gewinne, die durch die Verkäufe der Tiere generiert werden. Foto: Olivier Bieli / Basel Animal SaveGegen Ende der Messe werden Tiere sogar runtergesetzt und mit bis 50 Prozent Rabatt belegt. Was weg ist, ist weg. Auch der durchgängig hohe Lärmpegel der gut besuchten Messe sowie das grelle Licht, stellt für die ausgestellten und zum Verkauf angeboten Tiere einen hohen Stressfaktor da. Gerade Schlangen, aber auch Echsen, Schildkröten und Fische können auf Licht- und Lärmeinwirkungen sehr sensibel reagieren. Nicht alle Tiere wurden lebend an der Messe angeboten. Extra für die Kunden lebendig mit Nadeln präparierte und schliesslich getötete Schmetterlinge und andere Insekten wurden präsentiert. Hunderte als Futtermittel gehandelte Mäuse, Ratten und Wachteln lagen tot in Tiefkühlschränken für die Hobby-Terraristen bereit. Die Tiere wurden wohl zuvor lebendig vergast und in 20er, 50er und 100er Einheiten abgepackt.

Tiere sind keine Waren. Wir fordern ein schweizweites Verbot von Tierbörsen und die sofortige Einstellung der Zusamnenarbeit zwischen der Umweltarena und der umweltschädlichen und unethischen Terra Expo.