Von Gaby Scharf, Zeiningen – zum Leserbrief von Thomas Börlin vom 13. Dezember
Dass Herr Börlin Unterschriften für ein Referendum sammelt, ist sein gutes Recht, aber seinen Aufruf dazu mit dem marktschreierischen Titel kann ich so nicht stehen lassen.
Dass die Zustimmung von 8 Prozent der Stimmberechtigten für die vorläufige Genehmigung des Kredi-tantrags reichte, lag daran, dass bedenklicherweise trotz Vorlage des gewichtigen und teuren Geschäftes nur wenig über 10 Prozent der Eingeladenen an der Versammlung teilnahmen.
Es gab keine längeren Diskussionen, weil vor allem Menschen, die sich in und für Zeiningen engagieren, anwesend waren, und diese wie er und ich über ihre Vereine in die Bedürfnisabklärung für das MZG eingebunden waren, der aus diesem Prozess gebildeten Planungskommission vertrauten und festgestellt hatten, dass wegen des Kostenanstiegs alle möglichen Einsparungen geprüft wurden, auch durch Abklärung, auf welche Investitionen verzichtet werden könnte, wenn möglichst viele Vereine weiterhin die bestehenden und die bei Auszug des Kindergartens frei werdenden Räume im alten Schulhaus nutzen. Ausserdem hatte man sich an der Orientierungsversammlung informieren und eine Meinung bilden können.
Nun beklagt Börlin die schmale Abstützung des Entscheids, macht jene dafür verantwortlich, welche sich Zeit für die Gemeindeversammlung nahmen und bezichtigt sie der Verschwendung. Er hätte besser daran getan, alle, denen er nun zu ihrem Recht verhelfen will, zur Teilnahme zu motivieren. Dann wäre die Versammlung definitiv beschlussfähig gewesen, der Antrag auf geheime Abstimmung, der für den Entscheid über sein Kostendach von 9 Mio. gestellt wurde, wäre vielleicht angenommen worden, und er und seine Mitstreiter hätten, ohne sich outen zu müssen, das Kostendach durchsetzen können. Wenn nicht, hätte er gleich zur Akzeptanz des demokratischen Entscheids übergehen können. Auf jeden Fall aber hätte er die beträchtlichen Kosten und die Zeitverzögerung, welche eine allfällige Referendumsabstimmung mit sich bringt, vermeiden können.
Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass bei Rückweisung des beantragten Kredites, nötiger Neuplanung und Zeitverzögerung am Schluss für weniger Geld (die Rede ist von einer Reduktion um 25 Prozent!) ein vernünftiges, zweckdienliches, zukunftsgerichtetes MZG, das viele Jahrzehnte nicht nur 8 Prozent sondern allen Einwohnern dient, gebaut werden kann. Deshalb habe ich dem Kreditantrag zugestimmt, überlasse aber das Zahlen nicht den andern, sondern entrichte seit meinem 19. Lebensjahr in Zeiningen Steuern und beabsichtige, dies auch weiterhin zu tun. Als Ortsbürgerin habe ich auch der Finanzierung der Fotovoltaikanlage und der Kücheneinrichtung durch die Ortsbürger mit Überzeugung zugestimmt und falls man bei der an der Gemeindeversammlung in Auftrag gegebenen Abklärung betr. Regenwassertank zum Schluss kommen sollte, dass diese sehr sinnvolle Investition über die Einwohnergemeinde nicht finanzierbar ist, wäre ich auch bereit, zu prüfen, ob die Ortsbürgergemeinde ihren Beitrag um diese Position erweitern könnte.
Das erwähnte Mehrzweckgebäude in Hemmiken, das offenbar gleichzeitig mit unserer Turnhalle Brugg—lismatt gebaut wurde und nur halb so viel kostete, kenne ich nicht, aber Hemmiken hat Stand 31.12.2022 264 Einwohner, Zeiningen 2516. Dass da Bedürfnisse und die daraus resultierenden Investitionen unterschiedlich sind und hier nicht Äpfel mit Birnen, sondern eher Erbsli mit Kürbis (oder Durlips) verglichen werden, liegt wohl auf der Hand.
Unsere Vorfahren hatten 1936/37 Mut und Weitsicht, mitten in den Kriesenjahren zwischen den beiden Weltkriegen das für damalige Verhältnisse und das noch kleine Dorf riesige Projekt der Turnhalle (heute MZH Mitteldorf) zu realisieren, das nun rund 90 Jahre seinen Dienst getan hat. Sie haben damit eine der ersten Turnhallen im Bezirk realisiert. Seien wir ebenso mutig und bauen das neue Mehrzweckgebäude, welches den heutigen Bedürfnissen entspricht, aber kein Kulturtempel ist.