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Kindergarten-Neubau Zeiningen nicht ohne Regenwassernutzung (Leserbrief)

Von Ernst Deiss, Zeiningen

Am 6. Juli habe ich an der Informationsveranstaltung «Vorstellung Bauprojekt Dreifach-Kindergarten» teilgenommen. Im Verlauf der Präsentation wurde mir bewusst, dass bei diesem Kindergarten-Neubau keine Regenwassernutzungsanlage vorgesehen ist. Regenwassernutzung ist für mich persönlich und im Hinblick auf unser Grundwasser für die Zukunft aller ein unglaublich wichtiges Thema.
Erlauben Sie mir, dass ich mich kurz vorstelle: Mein Name ist Ernst Deiss, wohnhaft in Zeiningen und Geschäftsführer und Inhaber der Aquatum AG, einem in Zeiningen ansässigen Unternehmen, das auf Regenwasseraufbereitung spezialisiert ist. Regenwasser komfortabel und sinnvoll nutzbar zu machen, ist für uns nicht nur Überzeugungssache, sondern eine echte Herzensangelegenheit.
Beim Bauprojekt Dreifach-Kindergarten wurden bereits einige ökologisch sinnvolle Aspekte wie das Gründach oder der Einsatz des nachwachsenden Baustoffs Holz in der Planung berücksichtigt. Regenwassernutzung ist jedoch (derzeit) nicht vorgesehen. Die Argumentation, die während der Informationsveranstaltung vorgebracht wurde, basierte auf den vermeintlich hohen Kosten für eine Regenwasseraufbereitungsanlage. Bitte lassen Sie mich erklären, warum diese Argumentation in meinen Augen nicht überzeugt.
Die Schweiz ist zwar ein sehr wasserreiches Land, doch auch bei uns sind sinkende Grundwasserspiegel bereits ein reales Problem und selbst in der Gemeinde Zeiningen wurden wiederholt Bewässerungsverbote im Sommer ausgesprochen, um einer drohenden Trinkwasserknappheit entgegenzuwirken.
Genau an dieser Stelle möchte ich mit meinem Rechenbeispiel ansetzen: Wenn ich richtig informiert bin, wird der neue Kindergarten für 75 Kinder geplant, die von 6 bis 8 Personen betreut werden. Wir sprechen also von 81 bis 83 Personen, die jeden Tag im Kindergarten die Toiletten benutzen werden.
Ich weiss leider nicht, welche Toilettenspülungen im Kindergarten zum Einsatz kommen werden. Deshalb gehe ich von einer durchschnittlichen, modernen Toilettenspülung aus, die pro Spülgang zirka 6 Liter Wasser verbraucht.
Unter der Annahme, dass jede Person einmal am Tag im Kindergarten die Toilette benutzt und dort auf den Spülknopf drückt, ergibt sich folgende Rechnung: 82 Personen × 6 Liter = 492 Liter pro Tag. Bei durchschnittlichen 190 Schultagen im Jahr kommt so die gigantische Menge von 93 480 Litern zusammen. Und dies, wenn jede Person im Tag nur einmal die Toilette benutzt und dabei nur 1× den Spülknopf drückt.
Fast 94 000 Liter Trinkwasser, die im zukünftigen Kindergarten jährlich einfach die Toilette hinuntergespült werden!
Fast 94 000 Liter Trinkwasser, die mit einer Regenwasseraufbereitungsanlage eingespart werden könnten! (Wie Sie vielleicht wissen, wird Abwasser nach der Filterung im Klärwerk ohne weitere Nutzung in einen unserer Flüsse geleitet und steht somit nicht mehr als Trinkwasser zur Verfügung.)
Mein Beispiel ist übrigens sehr, sehr vorsichtig gerechnet. Laut Statistiken verbraucht eine Person allein für die WC-Spülung zwischen 13 500 und 17 500 Liter Wasser pro Jahr – in der Regel kostbares Trinkwasser. Und wir alle wissen, dass Kinder gerne mehrfach «aufs Knöpfchen» drücken und je nach Aufenthaltsdauer im Kindergarten auch zwei- bis dreimal pro Tag oder sogar noch öfter zur Toilette gehen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass weit mehr als 94 000 Liter Trinkwasser im Jahr eingespart werden können!
Gerade deshalb ist es bei einem Neubau des Kindergartens wichtig, auf die Nutzung von Regenwasser für die Toilettenspülung zu setzen. In der Informationsveranstaltung wurde die mögliche zukünftige Nutzung von Regenwasser im Zusammenhang mit einem neuen oder sanierten Mehrzweckgebäude angesprochen. Da vermutlich die Toiletten im Kindergarten deutlich häufiger genutzt werden als in einem Mehrzweckgebäude liegt das Einsparpotenzial beim Kindergarten auch deutlich höher.
Natürlich ist die Installation einer solche Regenwasseraufbereitungsanlage mit Kosten verbunden, allerdings handelt es sich bei modernen Anlagen, wie den unseren, um eine einmalige Anschaffung, die keine laufenden Kosten nach sich zieht und sich in den meisten Fällen, abhängig von den lokalen Wasserkosten, nach 5 bis 10 Jahren amortisiert hat. Auch eine Kombination mit einem Gründach ist möglich. Unsere Aquatum Swiss Filter sind für genau solche Aufgaben konzipiert und können das meist gelbliche Gründachwasser kristallklar filtern, wodurch in der weiteren Nutzung keine Rückstände in den Toiletten zu befürchten sind. Hinzu kommt eine gewisse Autonomie beim Wasserbezug.
Es ist mir ein grosses Anliegen, das Bewusstsein dafür für die Regenwassernutzung zu wecken und Regenwassernutzung selbstverständlich zu machen. Es wäre toll, wenn die Gemeinde Zeiningen ihre Vorbildfunktion wahrnimmt und auch in der Thematik des Wassers nachhaltig plant und handelt, damit künftige Generationen von unserer heutigen Weitsicht profitieren können. An technischen Möglichkeiten mangelt es jedenfalls nicht.
Ich freue mich über eine Rückantwort und stehe Ihnen für Rückfragen oder weiterführende Informationen zum Thema Regenwassernutzung selbstverständlich sehr gerne zur Verfügung.