Von Jürg Keller, Rheinfelden
Holzverbrennung ist – wie andere Verbrennungen – nie CO2-neutral.
Vorgeschichte: Die IWB behauptet in fricktal.info vom 14.12. zum wiederholten Mal, die Holzverbrennung in ihrer Wärmezentrale sei CO2-neutral. Heiner Keller hat dazu nicht nur einen berichtigenden Leserbrief (fricktal.info vom 21.12.) geschrieben, sondern die IWB noch persönlich auf diesen physikalischen Unsinn aufmerksam gemacht. Ihre Antwort zeugte von derart hartnäckiger Uneinsicht, dass Heiner Keller jetzt resigniert. Der Schreibende war Lehrer und muss folglich mehr Geduld aufbringen. Deshalb wird hier nochmals versucht, die IWB an die nicht verhandelbare Physik zu erinnern.
Die IWB schrieb Heiner Keller einiges, hier sei nur der erste Satz als Kern der immer gleichen IWB-Antworten zitiert (die Redaktion kennt den ganzen Antwortbrief):
Die Verbrennung von Holz in einer Holzschnitzelanlage setzt so viel CO2 frei, wie ein Baum im Laufe seines Wachstums der Atmosphäre entzogen hat und wie er auch als verrottendes Totholz im Wald wieder freisetzen würde. Daher gilt der Einsatz von Holz für die Energieproduktion als CO2-neutral.
Im herausgehobenen Schlussatz stehen gleich zwei Fehler, die einem Ingenieurunternehmen nicht unterlaufen sollten: Die IWB müsste wissen, dass «Energieproduktion» dem lieben Gott vorbehalten ist, hier geht es aber nur um eine Form der Energie, nämlich Wärme. Zum Zweiten: Was soll hier das Verb «gelten»? CO2-neutral ist ein klar definierter Begriff, und der trifft bei der Holzverbrennung exakt nicht zu. Die IWB scheint eine eigene Physik zu propagieren – sei es aus Unwissen oder aus Geschäftsinteresse.
Hier sei der IWB noch ein letztes Mal erklärt, was sie offenbar nicht begreifen will: Alle Brennstoffe, ob Kohle, Erdöl, Gas oder Holz sind durch den Prozess der Photosynthese entstanden. Bei der Verbrennung all dieser Stoffe läuft dieser Vorgang retour: Sauerstoff wird gebraucht, Wärme-Energie und das Klimagas CO2 werden freigesetzt. Dabei ist es dem Klima egal, aus welcher Verbrennung CO2 freigesetzt wird: CO2 aus Erdgas ist das gleiche Molekül wie aus der Holzverbrennung. Es gibt also keinen prinzipiellen CO2-Unterschied zwischen der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Gas) und der Holzverbrennung.
Wer Holz zur Wärmegewinnung verbrennt, schont die Vorräte der fossilen Lagerstätten. Wer umgekehrt Gas verbrennt, schont die Vorräte von Kohle, Erdöl und auch Holz. Man muss dieses nicht mit Moderholz vergleichen, sondern mit Bauholz (weil wir Wirtschaftswälder und nicht Urwälder haben). Bauholz ist ebenso ein CO2-Speicher wie die fossilen Brennstoffe. Bäume wachsen bei uns wieder nach, dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass Holzverbrennung in jedem Fall gleich funktioniert wie z.B. Gasverbrennung: Man setzt zur Wärmegewinnung gespeichertes CO2 frei. Und von dieser Freisetzung muss man jetzt wegen der Klimaerwärmung wegkommen: Wir müssen die direkt eingestrahlte Sonnenenergie – ohne Umweg über irgendeine Brennstoffbildung – nutzen. Diese und nur diese Direktnutzung ist CO2-neutral. Das Gebot unserer Zeit heisst also: Wärme nur mit Wasserkraftwerken, Solarzellen, Windrädern produzieren und die vorhandenen CO2-Speicher nicht mehr verbrennen (=«Dekarbonisierung»). Und zuallerletzt nochmals: Wer die nachwachsenden Bäume wieder verschnitzelt und verbrennt, handelt nicht besser, als wenn er die nachwachsenden Bäume als Bauholz rettet und dafür Gas verbrennt: Holzverbrennung setzt pro Wärmeeinheit zudem viel mehr CO2 frei als die Gasverbrennung. Wärmegewinnung aus Holz ist physikalisch nichts anderes als Wärmegewinnung aus fossilen Brennstoffen, und aus Holz lässt sich bekanntlich Gescheiteres machen als Wärme (Bafu).
So schwierig scheint dieser Sachverhalt eigentlich nicht zu sein. Warum die IWB trotz Mahnungen, ihre Holzverbrennung immer wieder als CO2-neutral anpreist, ist schwer zu verstehen Es beruhigt aber die Gewissen und füllt die Kassen der Waldeigentümer.