Von Markus Thüer, Rheinfelden
Wenn ein Kleinkind zu zehnten Mal versucht, mit demselben ungeeigneten Stein eine Nuss aufzuschlagen, lächeln wir: Es versteht es nicht besser. Wenn ein Manager zum dritten Mal genau dieselbe Methode, die schon zweimal fallierte, zur Problemlösung vorschlägt, wird er wegen Unfähigkeit entlassen. Und wie ist das beim Verkehr? Seit bald hundert Jahren bauen wir ununterbrochen Autobahnen und der Stau wird immer grösser. In meiner Jugendzeit gab es den Walensee-Stau – damals der einzige Stau in der Schweiz. Nun schlagen Verkehrspolitiker zum x-ten Mal wieder dieselbe, untaugliche Methode zur Staubekämpfung vor: Ein Stau wird reduziert, zwei neue entstehen! Die eine Hälfte des Volkes steht dahinter, und dieses kann man ja nicht entlassen. Natürlich gibt es die andere Hälfte, die schon längst gegen den Ausbau der Strassen votiert, aber die Sache leider auch nicht ganz zu Ende denkt. Wenn man einfach den Verkehr von der Strasse auf die Schiene, bzw. in den öffentlichen Verkehr verschiebt, wird das Problem nicht gelöst, trotz unendlich viel Geld-, Energie- und Flächenverschleiss. Und wenn man das Ganze etwas weiterdenkt, d.h. zukünftig immer noch grössere Flächen für Strasse und Schiene, so werden unsere Nachfahren wohl gegen Ende des Jahrhunderts gezwungen sein, ganze Städte abzubrechen, um Platz zu schaffen für den Moloch Verkehr?
Sicher ist die individuelle Mobilität ein Menschenrecht – aber nicht eine unbeschänkte. Aus der Verkehrsstatistik wissen wir, dass weniger als die Hälfte des Verkehrs (Arbeit, Versorgung) unvermeidlich ist. Der grössere Teil (Freizeitverkehr, Sport, Shoping etc.) ist fakultativ. Hier muss eine nachhaltige Lösung ansetzen. Die Gesamtverkehrsmenge darf nicht im bisherigen Masse unkontrolliert weiterwachsen, und das geht nur über einen Preis, der die wahren Kosten reflektiert. «Geht nicht», sagen natürlich die Politiker. Ich habe miterlebt: Bis vor etwa 50 Jahren galten Luft und Wasser als freie Güter, die unbeschränkt und praktisch gratis zur Verfügung stehen müssen. Nachdem man die – damals viel zu tiefen – Preise für Trinkwasser im Lauf von etwa 20 Jahren überall an die realen Kosten angeglichen hat (z.T. um den Faktor 10) ist der zuvor laufend steigende Wasserverbrauch kontinuierlich zurückgegangen.
Es gibt Lösungen, allerdings keine einfachen. Ein Moratorium täte not. Denken, bevor man mit noch mehr Milliarden unser Land weiter zerstört.