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Holzverbrennung und Klimaneutralität (Leserbrief)

Von Ferdi Kaiser, Wittnau
Ergänzung zu den Leserbriefen der Herren Rager aus Herznach sowie Keller aus Zeihen und Rheinfelden

Unsere Atmosphäre macht tatsächlich keinen Unterschied zwischen CO2 aus Kohle-, Erdöl-, Erdgas- oder Holzverbrennung – ob Stückholz oder Schnitzelholz.
Was alle drei Herren aber weglassen, ist die Zeitachse. In die Atmosphäre entlassenes Kohlensäuregas (CO2) braucht 120 bis 150 Jahre, bis es wieder durch natürlichen Abbau (Photosynthese der Pflanzen) daraus entfernt ist. Im Wald werden zumeist 80- bis 150-jährige Bäume geerntet, deren mindere Teile zu Schnitzel- oder Energieholz werden. Sobald freier Raum auf dem Waldboden entsteht, setzt die Naturverjüngung ein. Jungpflanzen absorbieren sofort CO2 in bescheidenen Mengen, 30- bis 40-jährige Pflanzen brauchen davon mehr. Bei Kohle, Erdöl und Erdgas dauern diese Umtriebs-Prozesse teils Millionen Jahre!
Das Klima ist jetzt in Gefahr. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten sollten wir den CO2-Ausstoss massiv reduzieren resp. dieses Gas aus der Lufthülle herausholen. Das ist nur über die Pflanzen sinnvoll. All die vorgeschlagenen technischen Einrichtungen (z.B. CCS Technologie Carbon Capture and Storage) sind wenig effizient, brauchen massiv Energie für die Ventilatoren, Rohstoffe für die Pipelines bis nach Norwegen, wo sie in ausgebeutete Erdöl-Lagerstätten verpresst werden sollen. Bleiben sie auch da drin?
Die Industriellen Werke Basel, IWB, wollen in Maisprach BL eine bestehende Holzschnitzel-Heizung mit einem Pyrolyse-Ofen ergänzen. Darin entsteht Pflanzenkohle (Biochar). Nur die «Abwärme» dieses Ofens wird in die Fernheizung eingespeist, wie bereits in Basel praktiziert. Die Pflanzenkohle – das ist beinahe reiner Kohlenstoff aus dem CO2 – kann als Futterzusatz und Stall-Einstreu in den Kuhställen eingesetzt werden und vermindert die Methan-Produktion (ein starkes Klimagas!) unserer Wiederkäuer (Milch- und Fleisch-Rinder). Die mit der Jauche und dem Mist auf die Felder ausgetragene Pflanzenkohle verbessert den Humusgehalt vieler Böden und verbleibt Jahrhunderte lang im Boden gespeichert, verrottet sehr langsam. Somit wird ein grosser Teil des Schnitzelholzes tatsächlich für unser aktuelles Klimaproblem während der nächsten Jahrzehnte/ Jahrhunderte unschädlich, unwirksam. Man kann also folglich mit gutem Gewissen in diesem Fall von «negativem» CO2-Ausstoss reden.
Zu Herrn Ragers Bemerkungen betr. Solarstrom-Anlagen: Grundsätzlich gilt: Jedes Lebewesen auf dieser Erde entzieht der Umwelt Nährstoffe/Rohstoffe und belastet sie mit seinen Abfallstoffen, auch und ganz besonders der Mensch. Die Frage ist selbstverständlich: Wie gross ist unser Anspruch und wie schädlich der zurückbleibende Abfall?
Seit 25 Jahren produziert eine PV-Anlage Solarstrom auf unserem Hausdach. Das erste Rekordergebnis erzielte sie im sonnenreichen Jahr 2003, das Spitzenergebnis jedoch – wen wunderts? - im vergangenen Jahr 2022. Die Anlage müsste nach Ansicht gewisser unqualifizierter Fachleute schon seit Jahren als Sondermüll entsorgt sein. Aber: Sie läuft und läuft.... Wie lange, weiss ich noch nicht. An ihrem Ende werden ungefähr 95 Prozent der wertvollen Bestandteile wie Glas, Aluminium, Silber, Kupfer usw. recycliert und zu neuen Modulen verarbeitet werden.