Von Jürg Keller, Rheinfelden
(Zum Leserbrief von Maximilian Reimann «Warum schweigt Jurapark Aargau zum Windpark Burg?»)
Die Frage von Herr Reimann ist naheliegend: Warum schweigt der Jurapark Aargau zu der drohenden Landschaftsverschandelung mit dem Windpark Burg? Es betrifft schliesslich seine ureigensten Interessen: Dieses besteht im Erhalten der Juralandschaft, der Paul Haller mit seinem Gedicht «Juramareili» ein literarisches Denkmal der Sonderklasse gewidmet hat.
Es geht aber nicht nur um Landschaftsschutz: Windräder im Aargauer Jura sind von sehr beschränktem Nutzen. Für die ganze Schweiz gilt die Grundregel: «Norddeutschland hat keine Landschaft, aber steten Wind, in der Schweiz ist es genau umgekehrt». Windparks entsprechen deshalb hier einer Zwängerei von Sonderinteressen: Der erzwungene Ausstand von Gemeinderäten durch den Regierungsrat zeigt, dass es nur um Geld – und gegen die Natur geht. Dass möglicherweise hier noch das Bundesgericht eingeschaltet wird, ist ein Zeichen der Zeit: Den zurückweichenden Anstand müssen Gerichtsentscheide ersetzen.
Nun zum unverständlichen Schweigen des Juraparks: Dieser Park ist eine Mogelpackung; er kann fast keine wirtschaftliche Nutzungen verhindern. So wollte allen Ernstes ein Bauernfunktionär Hühnerfarmen in den Park stellen, weil dort die Geruchsimmissionen am wenigsten störten.
Am deutlichsten zeigt sich die Ohnmacht des Parks bei der Waldbewirtschaftung: Innerhalb des Juraparks gibt es den vorbildlichen Waldbau von Sulz und einen, der im Bözberggebiet maschinelle Waldzerstörung betreibt. Auf meine Nachfrage im Park, wie er mit diesen Gegensätzen umgehe, war die klare Antwort: Der Park dürfe sich nicht ins Forstwesen einmischen. Das ist insofern verwunderlich, als eine geschlossene Walddecke prägend zur Juralandschaft gehört. Aber auch «Pro Natura AG» war sich seinerzeit nicht zu schade, einem Kalkabbau mitten im Orchideengebiet bei Effingen zuzustimmen.
Nicht nur der Jurapark verteidigt seine Natur mit einem sehr leisen Stimmchen, das machen im Fricktal noch viele andere Naturschutzorganisationen.
Der Wald hat eigentlich keine schützende Hand, die groben Maschineneingriffe dürfen das Ökosystem Wald ungehindert zerstören. Dahinter steckt das ungehemmte Holznutzungsdenken der Ortsbürgergemeinden, das mit dem zweifelhaften Holzschnitzelverkauf einen neuen Höhenflug erreichte. Als neuestes Beispiel schreitet Rheinfelden wieder voran: Ein Stück Wald wird zweckentfremdet zu einem Seilpark. Später soll dort noch ein «Pumptrack» eingerichtet werden: Also wie beim Windpark: Richtigerweise müsste von der Juralandschaft her gedacht werden, es geht aber nur um das bisschen Windgeld, Rheinfelden anderseits sollte bei seiner reichen Bewaldung vom Wald her denken, es kommt ihm aber nur irgendeine waldfremde Vermarktung des Waldes in den Sinn. Der Wurm der hiesigen Naturmisere liegt in der Kurzsichtigkeit derer, die weitsichtig sein sollten.
Diese Zeilen sind dem kürzlich verstorbenen Heiner Keller gewidmet, der sich unermüdlich, mit scharfer Feder und einer ungeheuren Wissensfülle für die Natur des Fricktals einsetzte.