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Bezahlbarer Wohnraum – mit Augenmass und Verantwortung (Leserbrief)

Von Michael Derrer, Rheinfelden


Als Kandidat für den Stadtrat wurde ich vom Initiativkomitee der Volksinitiative «Mehr bezahlbarer Wohnraum in Rheinfelden» um eine Stellungnahme gebeten. Gerne nutze ich diese Gelegenheit, meine Haltung öffentlich darzulegen – denn diese Debatte verdient mehr als einfache Parolen.
Die Wohnungsnot in Rheinfelden ist real. Sie betrifft vor allem Haushalte mit mittleren und kleineren Einkommen – und verdient unsere Aufmerksamkeit. Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus anderen Städten: Wenn man zu stark in den Markt eingreift – etwa mit Mietpreisbremsen oder fixen Quoten – kann das gut Gemeinte ins Gegenteil kippen. Investitionen bleiben aus, es wird weniger gebaut, das Angebot schrumpft – und Wohnen wird am Ende nicht günstiger, sondern knapper. Deshalb braucht es einen Weg, der sowohl sozial verantwortlich wie auch wirtschaftlich tragfähig ist.
Ein wichtiger Hebel liegt in der städtischen Bodenpolitik. Rheinfelden könnte eigene Grundstücke grundsätzlich im Baurecht vergeben statt sie zu verkaufen. So bleibt der Boden im öffentlichen Eigentum, und die Stadt kann über Generationen hinweg Einfluss auf die Nutzung nehmen – etwa durch die Förderung vielfältiger Wohnformen oder standortgerechten Gewerbes wie Läden, Ateliers oder Betrieben mit lokalem Bezug in der Altstadt. Die Stadt könnte auch prüfen, ob der Erwerb von zusätzlichem Land in strategisch wichtigen Lagen sinnvoll ist, um ihre Ziele in der Stadtentwicklung und Wohnraumförderung zu erreichen.
Die Vergabe städtischer Grundstücke muss fair und transparent erfolgen – am besten über offene Verfahren mit klar definierten Kriterien. Wer städtisches Land im Baurecht erhält, soll innerhalb von drei Jahren bauen – sonst fällt es an die Stadt zurück. So lassen sich Spekulation verhindern und sinnvolle Projekte gezielt ermöglichen, ohne starre Marktregulierung.
Wohnbaugenossenschaften sind wichtige Partner. Ihre Stärken liegen in Gemeinsinn, Langfristigkeit und Bodenständigkeit. Aber auch private Investoren leisten einen zentralen Beitrag zur Wohnraumschaffung. Entscheidend ist, dass alle Bauwilligen attraktive Bedingungen vorfinden – mit klaren Regeln und schlanken Verfahren. Bürokratische Hürden wie überholte Parkplatzpflichten sollten wir abbauen, damit bezahlbares Bauen nicht an Formularen scheitert.
Langfristig könnten wir auch darüber nachdenken, wie wir öffentliche Aufgaben sinnvoll finanzieren.
Es erscheint fair, dort anzusetzen, wo Werte ohne eigene Leistung entstehen – etwa beim Bodenbesitz an attraktiver Lage. Denn der Wert eines Grundstücks entsteht nicht allein durch private Investitionen, sondern weil die Stadt investiert: in Strassen, Schulen, Grünräume und Lebensqualität. Würden wir diesen gemeinschaftlich geschaffenen Mehrwert stärker abschöpfen, könnten wir im Gegenzug belastende Steuern auf Arbeit und Unternehmertum senken. Diese Idee – stille Gewinne zu besteuern, produktive Bereiche zu entlasten – wurde von bekannten Ökonomen und Persönlichkeiten von links bis rechts befürwortet. Der sachlich überzeugende Ansatz ist jedoch politisch nicht leicht umzusetzen – eine offene Diskussion kann zu neuen, zukunftsgerichteten Lösungsansätze führen.
Fazit: Rheinfelden braucht bezahlbaren Wohnraum – mit Augenmass, Weitsicht und ohne ideologische Scheuklappen. Die Initiative, die am 18. Juni an der Gemeindeversammlung behandelt wird, wirft wichtige Fragen auf. Nachhaltige Lösungen brauchen aber Flexibilität. Nutzen wir diese Diskussion als Chance für tragfähige Konzepte, die langfristig wirken und vielen zugutekommen.