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Foto: zVg

Sportschützen Frick am historischen Überfallschiessen in Ennetmoos

(am) Die Sportschützen Frick, Abteilung Pistole, besuchten am Samstag, 24. August, das historische Überfallschiessen in Ennetmoos. Paul Sutter aus Frick erreichte mit 94 von 100 möglichen Punkten das beste Resultat aller Pistolenschützen und gewann eine Bundesgabe (Pistole P49).

Die drei Besten (Pistole) kamen in diesem Jahr aus dem Kanton Aargau. Die helvetische Regierung, mit Sitz in Aarau, war vor 226 Jahren der politische Gegner der Nidwaldner. Die Fricker Schützen danken dem Überfallschützenverband Nidwalden für die perfekte Organisation und den freundlichen Empfang im schönen Ennetmoos.

Foto: zVgDie historische Bedeutung des Überfallschiessens in Ennetmoos
Napoleon bezog das Territorium der 13 alten Orten der Schweiz in seine Grossmachtpläne ein. Die Eidgenossen, die seit Jahrhunderten mit dem westlichen Nachbarn verbunden waren, schlossen sich gehorchend zu einem zentralistisch organisierten Staat zusammen. Zur Bekräftigung seines Wunsches und zur Unterstützung der neuen Regierung liess Napoleon französische Truppen einmarschieren. In Nidwalden fürchteten aber vor allem die geistlichen Herren um ihren Einfluss und ihre Macht. Die Geistlichen verkündeten an zahlreichen Landsgemeinden im Jahre 1798, dass sich die neue Verfassung gegen Gott und die Religion richte. Deshalb folgte die Mehrheit von Nidwalden den Argumenten der Geistlichkeit, da sie bei einem zentralistisch organisierten Einheitsstaat den Verlust der Selbstbestimmung über das Vaterland befürchteten. In der Überzeugung, Gott, Religion und Vaterland seien in Gefahr, verweigerten die Nidwaldner schliesslich als Einzige der alten Stände den Bürgereid auf die neue Verfassung. Die helvetische Regierung in Aarau drohte mit Sanktionen und als Ende August 1798 die Frist des letzten Ultimatums verstrichen war, kam es am 9. September 1798 zum Überfall. Die Nidwaldner stellten sich dem Kampf in der Meinung, dass die Truppen des Kaisers von Österreich nahe seien und ihnen zu Hilfe kämen. Tatsächlich planten die Österreicher und die Engländer die Unterstützung der aufständischen Nidwaldner, doch die Hilfe war noch weit weg. Somit stürzten sich die Nidwaldner in einen «Heiligen Krieg», der bei realistischen Einschätzungen im vornherein zum Scheitern verurteilt war. Gerade deshalb wurden die Nidwaldner in ganz Europa als Helden gefeiert.

Foto: zVgAm 9. September 1798 riss der französischen Herrschaft der Geduldsfaden. Die Franzosen, unter der Leitung von Balthasar Alexis Henri Antoine von Schauenburg, mit übelgesinnten Schweizern aus dem Waadtland, Zürich- und Luzernergebiet, rund 10 000 Mann, rückten gegen die Unterwaldner an. Diese waren mitsamt Hilfstruppen aus Uri und Schwyz kaum 2000 Mann. Die Nidwaldner verteilten sich auf 10 Posten, sie hatten 6 Kanonen in Richtung Luzern und 2 in Richtung Obwalden. So klein diese christliche Armee auch war, war sie doch voller Mut und mit dem Vorhaben belebt, zu siegen oder zu sterben.

Bilanz des 9. Septembers 1798
An diesem Tag verloren in Nidwalden 464 Menschen das Leben. Darunter 119 Frauen und 26 Kinder. Während die Männer vor allem im Kampf den Tod fanden, kamen viele ältere Menschen, Frauen und Kinder bei der anschliessenden Plünderung und Zerstörung um. Die Verluste der französischen Angreifer waren sehr hoch, doch liess sich eine genaue Zahl nie ermitteln. Die Angaben schwanken zwischen 1200 und mehreren Tausend. In Nidwalden sollen 547 Häuser abgebrannt sein. Ennetmoos verlor mit 62 Häusern und 67 Ställen fast alle Gebäude und damit auch alle Dokumente aus früheren Zeiten. Auch drei Kapellen brannten nieder: St. Jakob (erbaut 1616), St. Leonhard (erbaut 1717) und St. Magnus (erbaut 1672). Alle drei wurden anfangs des 19 Jahrhundert wieder aufgebaut.
Der tragische Überfall von 1798 war den Nidwaldnern eine Lehre. Freie Leute befreit man nicht! Das Überfallschiessen wird ohne Probeschüsse, im Freien und bei jeder Witterung absolviert. Es gilt als historisches Erbe der alten Eidgenossenschaft. Der Anlass wird vom Verband der Nidwaldner Überfallschützen gepflegt, hochgehalten und organisiert.