(ms) Der französische Junioren-Radquerweltmeister Léo Bisiaux gewann den diesjährigen GP Rüebliland überlegen. Er zeigte an der abschliessenden Königsetappe vom Sonntag in Altishofen seine Kletterkünste und erreichte das Ziel solo. Wie erwartet wurde die bei hitzigen Temperaturen ausgetragene Tour so am letzten Tag entschieden. Zuvor hatte es drei Sprintankünfte gegeben.
Die sehr harte Schlussetappe führte viermal über den berüchtigten Bodenberg. Was zu erwarten war, traf ein: Das Fahrerfeld kam nur einmal geschlossen über diesen Berg. Danach folgten die ersten Attacken durch den Italiener Davide Donati sowie dem Dänen Theodor Clemmensen. Zu ihnen schloss dann der spätere Sieger nicht nur auf, sondern er deponierte sie und kam mit einem feudalen Vorsprung von einer Minuten und fünf Sekunden solo ins Ziel in Altishofen. Somit sicherte sich der Franzose aus dem Nachwuchsteam des Profiteams AG2R souverän den Gesamtsieg.
Begonnen hat der GP Rüebliland durch eine eher ruhige Etappe in Vordemwald, die über 86,6 Kilometer führte. Obschon die gestarteten 162 Fahrer eine recht coupierte Strecke mit rund 1000 Höhenmeter vorfanden, erstickten schliesslich alle Angriffe im Keime. Auf der langen Zielgeraden kam es letztlich zum Massensprint eines 94 Fahrer umfassenden Feldes. Die Nase deutlich vorne hatte schliesslich der Brite Jed Smithson aus dem von Giles Bitcock geführten englischen Team Fensham Howes-Mas Design.
Umgekehrtes Spitzenduo
Die erste Halbetappe von Möhlin verlief ähnlich wie die diejenige in Vordemwald. Angriffe gab es zwar in Hülle und Fülle, aber man liess niemanden länger gewähren. Am Aussichtsreichsten sah es für jene 5er Gruppe aus, die nach rund 20 Kilometern bis 25 Sekunden Vorsprung herausfuhr. Danach reagierte man im Feld vehement und letztlich kam es zum Zusammenschluss und zum Schlussspurt. Dabei kam es zu einem Rollentausch. Der Auftaktsieger Jed Smithson, Grossbritannien wurde Zweiter, während der damalige Zweite Krystof Kral diesmal obenaus schwang.
Auf der kurzen Halbetappe vom Samstagnachmittag versuchten die ersten Fahrer schon nach zwei Minuten auszureissen. Einen recht grossen Vorsprung von über 30 Sekunden fuhr der Holländer Max Bergsma heraus. Danach reagierte das Feld aber erneut vehement und es kam innert kürzester Zeit wieder zum Zusammenschluss. Einzelne Fahrer konzentrierten sich dann auf die Sprint- oder Bergpreiswertungen, da bei diesen wertvolle Bonussekunden zu holen waren. Der Spurtsieg des Dänen Theodor Storm war letztlich hoch überlegen.
Schweizer den Erwartungen entsprechend, Aargauer glänzten
Ein Wort noch zu den Schweizern. Sie starteten mit wenig Vorschusslorbeeren, denn schon die WM ging «in die Hosen». Sie schlugen sich letztlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten und die waren eben begrenzt. Ein Lob verdient das Team Aargau. Dieses schlug sich mit Rang 7 sensationell und nur einen Rang hinter der Schweizer Nationalmannschaft. Hervorzuheben ist da der Schweizer Bergmeister Nicola Zumsteg (Gansingen), der mit dem 38. Gesamtrang sehr gut abschnitt und auf der Königsetappe im ersten Feld im Ziel eintraf.
Resultate GP Rüebliland
1. Etappe, Vordemwald – Vordemwald (86,6 km): 1. Etappe, Vordemwald – Vordemwald (86,6 km): 1. Jed Smithson, Grossbritannien. 2. Krystof Kral, Tschechien. 3. Steffen De Schuyteneer, Belgien. 4. Joeri Schaper, Niederlande. 5. Victor Benareu, Schweiz. Alle gleiche Zeit.
2. Etappe, Möhlin – Möhlin (66,7 km): 1. Krystof Kral, Tschechien. 2. Jed Smithson, Grossbritannien. 3. Davide Donati, Italien.
3. Etappe Möhlin – Möhlin (42,3 km): 1. Theodor Storm, Dänemark. 2. Jed Smithson, Grossbritannien. 3. Cedric Keppens, Belgien. 4. Julian Vergouw, Niederlande. 5. Krystof Kral, Tschechien.
4. Etappe Altishofen – Altishofen (107,8 km) 1. Léo Bisiaux, Frankreich 108 km in 2:51:43 (37,74 km/h). 2. Theodor Clemmensen, Dänemark 1:05 zurück. 3. Theodor Storm, Dänemark 1:05. 4. Ko Molenaar, Niederlande 1:05. 5. Davide Donati, Italien 1:49. 121 Fahrer starteten zur letzten Etappe, 87 Fahrer konnten sich letztlich klassieren (rund die Hälfte der am Freitag in die Rundfahrt Gestarteten.
Gesamtklassement nach 4 Etappen: 1. Léo Bisiaux, Frankreich. 2. Theodor Storm, Dänemark, 1:06 zurück. 3. Ko Molenaar, Niederlande, 1:18. 4. Davide Donati, Italien, 1:54. 5. Hugo Tapiz, Frankreich, 2:29. 6. Krystof Kral, Tschechien, 3:00. 7. Matthew Brennann, Grossbritanien, 3:05. 8. Cedric Keppens, Belgien 3:09. 9. Aubin Sparfel, Frankreich, 3:09. 10. Patrick Boje Frydkjaer, Dänemark, 3:10. Ferner die Schweizer: 21. Nicolas Halter 3:12. 24. Nicolas Ginter, 3:12. 38. Nicola Zumsteg 5:45. 39. Leon Fischer, 6:33. 40. Sven Sommer 7:44. 43. Nicolas Bialon, 8:39. 50. Florian Hochuli, 10:53. 87 Fahrer von 162 gestarteten Fahrern sind klassiert.
Spezialwertungen
Leaderpreis (Allianz): 1. Léo Bisiaux, Frankreich (Team AG2R)
Punkteleader (Swiss Cycling Aargau): 1. Jed Smithson, Grossbritannien
Bergpreis (Volg): 1. Léo Bisiaux, Frankreich
Sprint (Swisslos): 1. Leon Arenz, Deutschland
Bester Jungfahrer (Club maillon d`or): 1. Ko Molenaar (Niederlande)
Aktivster Fahrer: Davide Donati, Italien
Mannschaft: 1. AG2R Citroen U19. 2. Team Auto Eder (Nachwuchsteam von Bora hansgrohe). 3. Van Mossel Heist Cycling Team, Belgien.
Ferner: 6. Schweiz. 7. Team Aargau.
Rüebliländerli
Am GP Rüebliland sind erfreulicherweise immer wieder Ehemalige am Werk. Diesmal organisierte die ehemalige Schweizer Meisterin Diana Rast in Vordemwald die Auftaktetappe mustergültig. Zahlreiche ehemalige Fahrer helfen beim GPR zudem heute aktiv mit und zu den Mannschaftsleitern gehören bekannte Gesichter wie Roman Kreuzige r(CZE), Giles Pidcock (GBR), Luca Damato (I), oder der Schweizer Jocelyn Jolidon.
Ohne Motorradfahrer gäbe es heute auch keinen GP Rüebliland mehr. Über 60 von ihnen sicherten die Strecke mustergültig ab. Gleich drei Motorradclubs sind da involviert. Politiker und ehemalige Politiker interessierten sich aktiv für diese Rundfahrt. Alle Jahre dabei ist jeweils der Aargauer Ex-Regierungsrat Ernst Hasler, der selbst viel Rad fährt und in diesem Jahr zum xten Mal das Stilfserjoch meisterte. Aber auch der aktuelle Aargauer Regierungsrat Alex Hürzeler war Gast in Möhlin. In Altishofen zählte der Luzerner alt Regierungsrat Max Fischer zu den Gästen.
Nicht nur Freude, sondern auch Trauer herrschte am diesjährigen GP Rüebliland. Zum Start gabs eine Trauerminute für den verstorbenen Radfahrer Gino Mäder. Seine Eltern waren hier ebenfalls anwesend. Vater Andreas Mäder ist zudem Hauptsponsor des GPR. Noch nie war`s an einem «Rüebliland» drei Tage dermassen heiss. Die Fahrer machten das Beste daraus. Sie sorgten mit viel Tempo dafür, dass sie vom Fahrtwind eine Abkühlung erfuhren. Gebummelt wurde in keiner Phase des Rennens.