Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Bedeckt
7.3 °C Luftfeuchtigkeit: 97%

Donnerstag
6.6 °C | 8.3 °C

Freitag
4.7 °C | 9.4 °C

Foto: Nicolas Moor
Featured

Der Möhliner Beachvolleyballer Leo Dillier erhält zweifache Auszeichnung

(rr) Der Möhliner Leo Dillier erhält für seine erfolgreiche Saison 2025 von Swiss Volley die Auszeichnung als «Most Valuable Player» (MVP) und «Most Improved Player» (MIP). Er hat durch beeindruckende Leistungen auf dem Spielfeld und im Training überzeugt.

Die Jury für den Award des MVP bilden die Athletinnen und Athleten der nationalen Tour sowie die Beachvolleyball-Nationaltrainer. Die MIP werden im Gegensatz zu den MVP nur von den Trainerinnen und Trainern gewählt. Die feierliche Award-Vergabe fand am letzten Donnerstag im Wellness- und Spa-Hotel Beatus in Merligen statt. Im folgenden Interview erzählt er, wie es zu diesen Auszeichnungen kam. Das Interview führte Regula Rügge.

RR: Sie waren bereits 2021 «youngster oft the year» und 2023 MIP. Haben Sie damit gerechnet, dass Sie MVP 2025 werden?
Dillier: Ich habe nicht damit gerechnet, aber ich wusste, dass ich eine erfolgreiche Saison spielte und mich persönlich sowie spielerisch weiterentwickelte.

RR: Der MIP wird durch den Trainerstaff vergeben. Wiegt diese Auszeichnung für Sie mehr als der MVP?
Dillier: Der Titel MVP ist mir persönlich wichtiger, denn bei diesem Auswahlverfahren zählen nebst den Voten der Trainer auch die Stimmen aller Schweizer Athletinnen und Athleten, die auf der nationalen Tour mitspielen. Ich bin glücklich, dass ich von den Trainern für die Auszeichnung «Most improved player» ausgewählt wurde. Es zeigt, dass sie der Meinung sind, dass ich die grösste Entwicklung in der Saison durchlaufen habe.

RR: Noch nie in der in der 25-jährigen Geschichte der Wahl der besten Spieler hat der gleiche Athlet den MVP und auch den MIP gewonnen. Was bedeutet das für Sie?
Dillier: Das ist natürlich eine megacoole Kombination der Auszeichnungen! Sich «bester Beachvolleyballer der Schweiz» nennen zu dürfen, ist schon unglaublich. Dann noch den zweiten Award dazuzubekommen, ist eine grosse Ehre für mich und gibt mir viel Selbstvertrauen. Diese Auszeichnungen sind wunderbar und sind für mich ein Ansporn, in Zukunft noch besser zu werden!

RR: In welchen Bereichen konnten Sie in der letzten Saison ihre Leistung steigern?
Dillier: In der Spieltaktik und dem Spielsystem kam ich mithilfe der Trainer auf eine neue Stufe. Ich lernte, immer wieder neue Lösungen zu finden. Am meisten konnte ich mich aber im mentalen Bereich weiterentwickeln. In der Vergangenheit verharrte ich mental zu lange auf gemachten Fehlern. Ich eignete mir an, mich nach einer kurzen Reflexion wieder auf den nächsten Ball zu fokussieren. Im Athletikbereich haben wir zudem sehr viel gearbeitet, um mich aufs Niveau der weltbesten Spieler zu bringen.

RR: Wer war massgeblich beteiligt an dieser Verbesserung der persönlichen Leistung?
Dillier: Mit den Mitgliedern des Trainerstaffs Philip Gabathuler, Lukasz Fialek, Jonas Riess und meiner Mentaltrainerin Evelyne Stock bilden wir ein starkes Team und haben ein professionelles Umfeld. Diese Saison spielte ich neu mit Marco Krattiger zusammen. Wir harmonierten erstaunlich schnell sehr gut zusammen auf dem Feld. Wir ergänzen uns gut, und darum ist ein Teil der Awards auch sein Verdienst, denn Beachvolleyball ist ein Teamsport, und bin dankbar, mit ihm zusammen zu spielen. Ein grosses Dankeschön gilt auch allen Sponsoren, Supportern, Gönnern und auch meiner Familie. Sie alle ermöglichen es, dass ich meinen Traum leben und mich als Vollprofi ganz auf meinen Sport konzentrieren kann.

RR: Nun sind Sie der beste Beachvolleyballer 2025 der Schweiz. Können Sie noch besser werden?
Dillier: Natürlich! (lacht) Diese Auszeichnungen sind ein Meilenstein in meiner Karriere. Es bedeutet mir viel, der beste Beachvolleyballer der Schweiz zu sein, aber mein Ziel ist es, einer der besten der Welt zu werden! Ich liebe meinen Sport und brenne für Beachvolleyball. Es ist das Schönste, auf der ganzen Welt gegen die allerbesten Spieler anzutreten zu können, Matches auf höchstem Niveau abzuliefern und mein Potential auszuschöpfen.

RR: Zusammen mit Marco Krattiger haben Sie in Polen im Mai 2025 zum ersten Mal ein Challenge Turnier der World Tour gewonnen. Mit einer sensationellen Aufholjagd im dritten Satz von 6:13 auf 16:14 gegen die Lokalmatadoren holten Sie sich die erste Goldmedaille. Wie kam es zu diesem Erfolg?
Dillier: Es war wirklich eine unglaubliche Aufholjagd, die in die Geschichte der World Tour eingegangen ist und weltweit für Aufsehen gesorgt hat. Der Sieg hatte viel mit mentaler Stärke zu tun. Wir waren 6:13 hinten, und der Gegner brauchte nur noch zwei Punkte für den Sieg. Bei dem Spielstand ist der Druck bei uns abgefallen, denn niemand erwartete, dass wir gewinnen würden. Erst als die Anzeige 12:14 zeigte, wurde es für uns mental schwieriger, da wir die Chance auf den Sieg hatten. Ich ging zur Servicelinie und dachte «Okay, das Schwierigste – die grosse Aufholjagd – haben wir geschafft, jetzt braucht es noch einen zusätzlichen Energieschub, um die Goldmedaille zu gewinnen».

RR: Auf dem Feld wirken Sie wie die Ruhe selbst, und auch wenn das Spiel eng wird, behalten Sie einen kühlen Kopf. Wie schaffen Sie das?
Dillier: Diese Ruhe kommt erst mit der langjährigen Erfahrung. Ich habe gelernt, dem Gegner nicht zu zeigen, wie es in mir drinnen aussieht. Die Kontrolle der Emotionen und der Körperhaltung ist ein wichtiges Element bei unserem Spiel. Mein Ziel ist es, innere und äussere Ruhe zu finden, denn dann kann ich meine beste Leistung abrufen. Ich muss mich im Kopf genau sortieren, muss wissen, was meine Aufgaben sind und was meine nächsten Schritte sein werden. So komme ich in den nötigen «Spiel-Flow» und kann mein bestes Beachvolleyball zeigen.

RR: Sie pendeln zwischen Ihrem Wohnort Möhlin und dem Trainingsort Bern. Wie wichtig ist Ihnen die Familie?
Dillier: Familie ist mir sehr wichtig. In den letzten Jahren hat sie an Bedeutung gewonnen. Ich trainiere im nationalen Leistungszentrum in Bern und wohne dort unter der Woche in einer WG. Ich freue mich immer wieder, heimzukommen – vor allem, wenn ich viel unterwegs war. Die Zeit mit der Familie ist wertvoll. Ich bin in einer Volleyball-Familie aufgewachsen. Natürlich reden wir kurz über die letzten Turniere, aber dann widmen wir uns auch schnell wieder anderen Themen. Es tut mir gut, den Kopf zu lüften und mich auch einmal anderen Dingen zu widmen. Ich geniesse es sehr, zuhause zu sein.

RR: 5-6 Monate im Jahr sind Sie auf der ganzen Welt unterwegs für Trainingslager und Turniere. Was vermissen Sie auf ihren Reisen?
Dillier: Am meisten fehlt mir der Kontakt zur Familie und den Freunden. Die Turniere finden an verschiedenen Orten der ganzen Welt statt. Ich kam an Orte, an die ich sonst wahrscheinlich nie hingekommen wäre. Aber wir sind natürlich nicht zum Sightseeing oder für Ferien dort, sondern müssen dafür sorgen, dass wir unsere bestmögliche Leistung abrufen können. Es ist eine Herausforderung, so zu planen, dass wir nach den Flügen und der Anreise nicht komplett kaputt ankommen. In diesen Momenten vermisse ich mein Zuhause, die Ruhe und meinen Rhythmus. Natürlich ermöglicht uns die Technik den Kontakt mit zuhause. Aber wenn wir ein wichtiges Spiel verloren haben oder einfach nicht in den Spielfluss kommen, wäre es schon schön, mit einer vertrauten Person «live» reden zu können.

RR: Bleibt bei diesen vielen Reisen genug Zeit für Regeneration?
Dillier: Regeneration ist eine Herausforderung. Ich musste erst herausfinden und Erfahrungen sammeln, wie ich mich am besten erholen kann. Ein Problem sind die langen Flüge, zum Beispiel nach Südamerika oder Australien, und die Zeitverschiebung. Ich gewöhne mich bewusst bereits zuhause an den neuen Rhythmus. Ernährung ist auch ein grosses Thema. Oft sind bestimmte Nahrungsmittel, die ich gewohnt bin, in fremden Ländern nicht verfügbar. Ab und zu nehme ich auch Esswaren mit, wenn ich weiss, dass mir die Küche vor Ort nicht bekommt oder sie nicht die Nährwerte liefert, die ich benötige. Nach China nehme ich zum Beispiel immer meine Haferflocken und Frühstückmüesli mit!

RR: Wie sieht Ihr Terminkalender für die nächsten Monate aus?
Dillier: Nächsten Sonntag fliege ich für zwei Wochen nach Teneriffa ins Trainingslager. Alle Topteams der Welt sind da und bereiten sich auf den Start der World Tour vor. Danach trainieren wir nochmals zwei Wochen in Bern. Anfang März geht es dann zuerst nach Brasilien (João Pessoa) und bereits eine Woche später weiter nach Mexiko. Anschliessend kommen wir nochmals für zwei Wochen in die Schweiz, reisen dann erneut für etwa einen Monat nach Brasilien und kämpfen dort an drei Turnieren um weitere Punkte in der Weltrangliste. Ab Mai folgen weitere Turniere im In- und Ausland.

RR: Was sind die Ziele für 2026 und für die kommenden Jahre?
Dillier: Das grosse Ziel dieses Jahr ist Mitte August die EM in Stare Jablonski (Polen). Natürlich wollen wir auch wieder Anfang Juli am Heimturnier in Gstaad vorne mitmischen. Im November startet dann schon die Qualifikation für Olympia 2028 in Los Angeles. Da wollen wir unbedingt dabei sein.

Foto: Nicolas Moor