(pd) Nach vielen Jahren als Spitzensportler teilt der aus Möhlin stammende Beachvolleyballprofi Leo Dillier in einem persönlichen Video seine Geschichte – und will anderen Athletinnen und Athleten Mut machen, zu sich zu stehen.
Der Schweizer Beachvolleyball-Profi Leo Dillier hat sich heute in einem persönlichen Video als schwul geoutet. Der 25-jährige Spitzensportler, der zu den besten Beachvolleyball-Spielern der Schweiz gehört, spricht darin offen über einen langen inneren Weg zur Selbstakzeptanz – und über die Herausforderungen, als homosexueller Mann im Spitzensport bestehen zu können.
In seinem Video schildert Leo Dillier, wie er sich über Jahre im «Konstrukt Spitzensport» nicht wiedererkannte: Ein Umfeld, in dem ein bestimmtes Bild davon existiere, wie ein Athlet zu sein habe – Vorbilder, denen er sich nicht zugehörig fühlte. Das Thema habe er deshalb lange verborgen.
«Es gibt in diesem Konstrukt Spitzensport weder links noch rechts – so muss ein Athlet sein, damit er performen kann. Das hat mir sehr zu arbeiten gemacht, weil ich nicht ganz reinpasste, weil ich ein bisschen anders war.» Er beschreibt zudem, wie im Spitzensport – insbesondere in männlich geprägten Trainings- und Wettkampfumgebungen – nach wie vor abwertend über Homosexualität gesprochen werde und «Schwulsein» oft mit Schwäche gleichgesetzt werde. Diese Dynamik habe ihn über Jahre verunsichert und den Schritt an die Öffentlichkeit zusätzlich erschwert.
Als international reisender Profisportler sieht sich Leo Dillier ausserdem mit der Realität konfrontiert, dass Homosexualität in etlichen Ländern der World Tour nicht nur gesellschaftlich tabuisiert, sondern strafrechtlich verfolgt wird – in einigen Fällen bis hin zur Todesstrafe. Auch im Austausch mit Trainerinnen und Trainern aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten sei es wiederholt zu Reibungspunkten gekommen. Trotz dieser Widerstände hat sich Leo Dillier nun bewusst für diesen Zeitpunkt entschieden, sich zu outen.
«Ich fühle mich sicher, und ich sehe die Dynamik im Spitzensport und möchte etwas dagegen tun. Wenn ich an meine Zeit vor rund zehn Jahren zurückdenke – ich war 15 und habe extrem damit gekämpft – hätte ich mir so gewünscht, ein Vorbild im Spitzensport zu haben, mit dem ich mich identifizieren kann. Das gab es damals nicht. Ich hoffe, dass ich heute andere Menschen inspirieren kann.»
Leo Dillier betont, heute stolz auf den zurückgelegten Weg zu sein und sich dem Urteil anderer nicht mehr unterordnen zu wollen. Mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit möchte er insbesondere jungen Athletinnen und Athleten zeigen, dass sie im Spitzensport so sein dürfen, wie sie sind.
Zur Person
Leo Dillier (*29. April 2001) gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Beachvolleyballspielern seiner Generation. Der gebürtige Aargauer begann bereits im Kindesalter mit Volleyball und Beachvolleyball und gewann früh mehrere nationale Nachwuchstitel. Seit seinem Wechsel in den Spitzensport etablierte er sich im Schweizer Nationalkader und feierte unter anderem den Gewinn der Schweizer Meisterschaft 2022 sowie mehrere Podestplätze auf der internationalen Beach Pro Tour. Seit 2025 bildet er gemeinsam mit Marco Krattiger eines der stärksten Schweizer Teams, zählt zur erweiterten Weltspitze und strebt die Qualifikation für die
Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles an. Mit seinem öffentlichen Outing setzt Leo Dillier nun auch abseits des Spielfelds ein Zeichen für mehr Offenheit, Respekt und Vielfalt im Spitzensport.
Website: https://www.krattiger-dillier.ch/
Bilder: Beachvolleyball-Profi Leo Dillier macht sein Coming-out öffentlich. Fotos: Moor media