(pd) Noch wird keine der grossen Schweizer Retailbanken den internationalen Klima- und Biodiversitätszielen gerecht. Das zeigt ein aktuelles Rating des WWF. Die Aargauer Kantonalbank verbessert sich gegenüber 2021 um eine Einstufungsklasse, schneidet aber weiterhin nur mittelmässig ab und belegt Rang zwölf von 15. Gerade der Bankensektor hat einen grossen Einfluss auf den Umweltschutz.
- Der WWF Schweiz hat zum dritten Mal die 15 grössten Retailbanken unter die Lupe genommen und hinsichtlich ihrer Bemühungen für den Klima- und Biodiversitätsschutz analysiert.
- Obwohl seit dem Rating von 2021 einige Fortschritte erzielt wurden, schafft es noch immer keine Bank in die besten zwei Kategorien «Vorreiter» oder gar «Visionär»
- Die AKB landet auf Rang 12 und damit in der Kategorie «Mittelmass», gefolgt von der Graubündner Kantonalbank. Die ZKB schneidet am besten ab.
- Zwar analysiert die AKB ihre Klimarisiken und bezieht auch die Biodiversität mit ein. Vor allem im Kerngeschäft, der Kreditvergabe, besteht jedoch viel Nachholbedarf.
- Durch Kreditvergabe und Geldanlagen trägt der Bankensektor entscheidend zur Ausrichtung der Wirtschaft bei und hält somit einen wichtigen Hebel für Klima- und Naturschutz in der Hand
Zitate von Dominik Rothmund, Finanzexperte beim WWF Schweiz
«Es ist zu begrüssen, dass die Aargauer Kantonalbank ihre Klimarisiken analysiert und auch bei der Geldanlage auf einen Nachhaltigkeitsbezug achtet. Dennoch ist die AKB noch weit von einem 1.5Grad-Pfad entfernt. So fehlen zum Beispiel umweltbezogene Zielvorgaben im Kreditgeschäft.»
«Der Bankensektor ist ein entscheidender Akteur bei der Lösung der Umweltkrisen. Ohne eine konsequente Ausrichtung der privaten Finanzflüsse auf die Klima- und Biodiversitätsziele können wir diese nicht erreichen.»
«Es ist zentral, dass die Banken den nötigen ökologischen Wandel der Wirtschaft unterstützen, anstatt ihn zu bremsen. Dazu sollen sie auch mit anderen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenarbeiten, die alle die gleichen Ziele anstreben.»
Banken für Klima- und Naturschutz entscheidend
Die Finanzbranche spielt eine zentrale Rolle für den Klima- und Umweltschutz. Laut UNOUmweltprogramm fliessen weltweit etwa fünf Billionen US-Dollar an privaten Geldern jährlich in umweltschädliche Aktivitäten. Darunter die Abholzung des Regenwalds oder der Förderung von Erdöl.
Nur ein Prozent dieser Summe kommt hingegen der Regeneration der Natur zugute, während jedes Jahr mehrere Billionen fehlen, um die internationalen Klima- und Biodiversitätsziele erreichen zu können.
Eine groteske Situation, zu der auch der Schweizer Bankensektor beiträgt: Keine der 15 grössten Retailbanken ist auf Kurs mit den Zielen, im Durchschnitt landen sie im WWF-Umweltrating mit 2.2 von 5 Punkten lediglich in der Kategorie «Mittelmass». Im Kerngeschäft «Kredite und Finanzierungen» haben die Banken zwar seit dem letzten Rating den grössten Fortschritt erzielt, dennoch schneiden sie in diesem Bereich weiterhin am schlechtesten ab. Hauptgrund: Der Grossteil der Kredite wird für den Erwerb oder Bau von Immobilien aufgewendet, die eine zu hohe CO2-Belastung aufweisen. So ist der Gebäudesektor für knapp 40 Prozent des Schweizer Energieverbrauchs und für ein Viertel der Treibhausgasemissionen verantwortlich und die laufende Zersiedlung verdrängt die Natur weiter.
Auch von der Aargauer Kantonalbank werden Umweltfaktoren bei der Vergabe von Hypotheken für den Hausbau kaum berücksichtigt und im Bereich der Unternehmenskredite verfolgt die Bank keine umweltbezogenen Ziele für das Kreditportfolio.
Fortschritte nicht ausreichend
Fortschritte machte die AKB, wie die meisten Banken, beim Risikomanagement. Schliesslich bergen die Folgen der Klima- und Umweltkrise enorme finanzielle Risiken, die von den Banken zunehmend, aber noch nicht ausreichend berücksichtigt werden. Auch in der Anlageberatung hat sich etwas getan. So bieten die Banken beispielsweise Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug oder Unterstützung für eine energetische Sanierung von Gebäuden an. Allerdings reichen diese Bemühungen noch nicht aus, um die Investitionen konsequent in nachhaltige Unternehmen und Gebäude zu lenken, wie die Studie zeigt.
Generell konzentrieren sich die Nachhaltigkeitsbemühungen der Banken nach wie vor auf den Klimabereich. Auswirkungen auf die Biodiversität, die Abholzung der Wälder oder die Verschmutzung der Umwelt und Gewässer werden bislang kaum berücksichtigt. Dabei macht der Living Planet Report des WWF den Ernst der Lage deutlich.
Wie es besser geht
Dass es auch anders geht, zeigt die Alternative Bank Schweiz. Sie gehört zwar nicht zu den 15 grössten Retailbanken, wurde aufgrund ihrer Pionierrolle aber dennoch analysiert und schafft es als Einzige in die Kategorie «Vorreiter». Der grösste Unterschied besteht darin, dass die ABS ausschliesslich Unternehmen und Gebäude finanziert, die einen positiven Beitrag zur sozialen und ökologisch nachhaltigen Entwicklung leisten.
Doch auch die 15 grössten Banken verfolgen positive Ansätze, die zu begrüssen sind. Eine Auswahl:
- BLKB, UBS und ZKB bieten nachhaltige Sparkonten Dabei verpflichten sich die jeweiligen Banken, die eingelegten Spargelder nur für die Finanzierung spezifischer ökologisch nachhaltiger Aktivitäten zu verwenden.
- Die BEKB hat sich ehrgeizige Kriterien für ihre eigenen Anlagefonds Diese beinhalten, dass sich bis 2030 80 Prozent der Unternehmen in Fonds ambitionierte und von Dritten geprüfte Klimaziele gesetzt haben müssen.
- Die Raiffeisen Gruppe bietet Firmenkunden und Selbständigen Leasing-Lösungen für Photovoltaikanlagen Dadurch sollen die finanziellen Hürden für den Bau solcher Anlagen gesenkt werden.
- Die TKB hat sich bei der Kreditvergabe für grössere Unternehmen wissenschaftsbasierte Klimaziele gesetzt und orientiert sich dabei am international anerkannten Standard der Science Based Targets initiative (SBTi).
Was Bankkund:innen jetzt tun können
Einen Grossteil ihres Gewinns machen Retailbanken, indem sie das Geld, das ihnen beispielweise auf Sparkonten anvertraut wird, wieder verleihen – etwa in Form von Krediten oder Hypotheken. Dass dieses Geld dabei oft für umweltschädliche Aktivitäten eingesetzt wird, bleibt meist im Dunkeln. Das muss nicht sein. Wie Bankund:innen ihr Erspartes in umweltfreundliche Bahnen lenken können und was auch bei der Geldanlage beachtet werden kann, beschreibt der WWF in einem Leitfaden.