(pd) Die Mitarbeitendenbefragung des Kantons Aargau zeigt: Das kantonale Personal steht mit grossem Einsatz hinter seiner Arbeit. Die Mitarbeitenden tragen den Service public, halten den Betrieb am Laufen und identifizieren sich stark mit ihren Aufgaben.
Gleichzeitig benennt die Umfrage klare Baustellen bei Belastung, Abläufen, Arbeitsplatzbedingungen, Führung und Lohn. Für den VPOD Aargau/Solothurn ist deshalb klar: Wer auf die Loyalität der Mitarbeitenden zählt, muss auch in ihre Arbeitsbedingungen investieren.
Die Resultate sind erfreulich, aber sie sind kein Freipass für Selbstzufriedenheit. Sie zeigen ein Personal, das viel leistet und Verantwortung übernimmt. Sie zeigen aber auch, dass der Kanton diese Leistungsbereitschaft nicht einfach voraussetzen darf. «Die Mitarbeitenden halten den Kanton am Laufen. Das ist die eigentliche Botschaft dieser Umfrage. Aber wer über hohe Motivation spricht, muss auch über Belastung, Ressourcen und faire Löhne sprechen», sagt Dariyusch Pour Mohsen, Regionalleiter VPOD Aargau/Solothurn.
Besonders ernst nimmt der VPOD die Hinweise zur Arbeitsbelastung. Viele Mitarbeitende erleben, dass die Zeit nicht immer reicht, um die Arbeit in der geforderten Qualität zu erledigen. Auch die Verteilung der Arbeitslast wird kritisch beurteilt. Das ist keine Nebensächlichkeit. Wenn die Arbeit dauerhaft nur mit zusätzlichem Druck bewältigt werden kann, trifft das zuerst die Mitarbeitenden und am Ende auch die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen.
Auch bei Abläufen und Arbeitsplatzbedingungen zeigt die Befragung Handlungsbedarf. Unklare Prozesse, belastende Schnittstellen oder ungenügende Bedingungen verschwinden nicht von selbst. Sie landen im Alltag bei den Mitarbeitenden. Der Kanton darf strukturelle Probleme nicht mit persönlichem Einsatz kompensieren lassen.
Ein klares Signal sendet auch die Beurteilung der Entlöhnung. Der Lohn gehört zu den kritischsten Punkten der Befragung. Für den VPOD ist deshalb klar: Wertschätzung darf nicht bei warmen Worten stehen bleiben. Sie muss sich im Lohn, in genügend Personal, in guten Arbeitsbedingungen und in verlässlichen Entwicklungsmöglichkeiten zeigen.
Die Umfrage erscheint zudem in einem politischen Moment, der für das Staatspersonal schwierig ist. Der Grosse Rat hat mit der sogenannten Verwaltungsbremse ein Signal in Richtung Personaldeckelung gesetzt. Die KASPV, in der auch der VPOD vertreten ist, hat diesen Entscheid bereits letzte Woche als Symbolpolitik auf dem Rücken der Mitarbeitenden kritisiert. Dazu kommen eine ungenügende Lohnpolitik und die Abschaffung des freien 1.-Mai-Halbtags.
Für den VPOD ergibt sich daraus ein klares Bild: Das Personal leistet viel, aber die politischen Signale gehen zu oft in die falsche Richtung. Wer die Verwaltung politisch bremse, verschiebe die Arbeit nicht weg. Er lege sie den Mitarbeitenden auf den Tisch. «Der Kanton hat kein Problem mit der Motivation seiner Mitarbeitenden. Er muss aber aufpassen, dass er diese Motivation nicht übernutzt. Loyalität ist keine unerschöpfliche Ressource», sagt Pour Mohsen.
Der VPOD erwartet vom Regierungsrat und vom Grossen Rat, dass die Ergebnisse der Mitarbeitendenbefragung ernst genommen werden. Es braucht konkrete Massnahmen gegen Überlastung, bessere Abläufe, faire Arbeitsverteilung, gute Arbeitsplatzbedingungen und eine glaubwürdige Lohnpolitik. Die Personalverbände müssen dabei eng einbezogen werden.