(pd) Am Tag der Pflege dankt der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Aargau/Solothurn den Pflegefachpersonen und allen Beschäftigten im Gesundheitswesen.
Gleichzeitig warnt er davor, den Tag auf freundliche Worte zu reduzieren. «Die Pflegeinitiative darf national nicht verwässert werden. Im Aargau müssen die neuen GAV-Verhandlungen der Kantonsspitäler zu echten Verbesserungen führen. Und im Kanton Solothurn braucht es nach der GAV-Kündigung durch den Regierungsrat einen Prozess, der Vertrauen schafft und die Interessen des Personals ernst nimmt», heisst es in der Medienmitteilung.
Die Pflegeinitiative wurde von der Bevölkerung klar angenommen. Der Auftrag war einfach zu verstehen: Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen besser werden. Nicht nur in Berichten, nicht nur in Leitbildern und nicht nur in politischen Sonntagsreden. Sondern dort, wo sich entscheidet, ob Pflegepersonal im Beruf bleibt: im Dienstplan, bei der Erholung, beim Lohn, bei der Personalausstattung, bei der Vereinbarkeit und beim Schutz vor dauernder Überlastung.
Umso problematischer ist nach Ansicht des VPOD, dass die Umsetzung der Pflegeinitiative auf nationaler Ebene abgeschwächt wird. Aus einem klaren Volksentscheid droht ein Kompromiss zu werden, der zwar nach Umsetzung klingt, aber im Arbeitsalltag zu wenig verändert. «Das wäre politisch bequem, aber sachlich falsch. Die Pflegekrise ist nicht entstanden, weil es an schönen Worten fehlte. Sie ist entstanden, weil zu viele Beschäftigte zu lange zu viel auffangen mussten», so der VPOD. «Die Pflegeinitiative war kein Auftrag für eine politische Minimalübung. Sie war ein Auftrag für bessere Arbeitsbedingungen», sagt Dariyusch Pour Mohsen, Regionalleiter VPOD Aargau/Solothurn. «Wenn man diesen Auftrag so lange abschleift, bis er niemandem mehr weh tut, trifft es am Ende genau jene, die heute schon am Anschlag arbeiten.» Für den VPOD Aargau/Solothurn ist klar: Die nationale Umsetzung ist wichtig. Aber entscheidend ist auch, was in den Kantonen und Betrieben passiert. Dort zeigt sich, ob Wertschätzung ernst gemeint ist oder ob sie nur am Tag der Pflege ausgesprochen wird.
Im Aargau werden die Gesamtarbeitsverträge der Aargauer Kantonsspitäler verhandelt. Das sei keine technische Übung, sondern eine sozialpolitische Nagelprobe, so der VPOD: «Wenn alle anerkennen, dass die Belastung im Gesundheitswesen gestiegen ist, dann müssen die Verträge besser werden.» Der VPOD erwartet deshalb klare Fortschritte bei verlässlichen Dienstplänen, besseren Regelungen für belastende Arbeitszeiten, fairen Zulagen, mehr Schutz vor Überlastung, besserer Vereinbarkeit und Löhnen, die Verantwortung, Ausbildung und Belastung ernst nehmen. «Ein GAV ist nicht Dekoration. Er ist dann stark, wenn er den Alltag der Beschäftigten spürbar verbessert», sagt Pour Mohsen. «Wer gutes Personal halten will, muss gute Arbeit ermöglichen. Alles andere wird am Ende teurer: menschlich, betrieblich und finanziell.»
Auch im Kanton Solothurn stehen wichtige Weichenstellungen an. Die Kündigung des GAV durch den Regierungsrat im vergangenen Jahr hat bei vielen Beschäftigten Fragen ausgelöst. Umso wichtiger ist jetzt ein Prozess, der Vertrauen schafft statt Unsicherheit vergrössert. Für den VPOD ist klar: «Eine Neuordnung des Personalrechts muss Schutz, Verlässlichkeit und Mitsprache sichern. Gerade im Gesundheitswesen darf ‹Modernisierung› nicht heissen, dass das Personal am Schluss mehr Flexibilität liefern muss, während seine Sicherheiten kleiner werden.»
Der VPOD wird deshalb genau hinschauen, ob die Neuordnung die Beschäftigten stärkt und die Sozialpartnerschaft ernst nimmt. Nach der GAV-Kündigung braucht es im Kanton Solothurn Signale, die zeigen: Die Anliegen des Personals werden nicht nur angehört, sondern in den künftigen Regelungen auch abgebildet.
Der VPOD Aargau/Solothurn fordert deshalb am Tag der Pflege: Die Pflegeinitiative muss national konsequent umgesetzt werden. Die GAV-Verhandlungen im Aargau müssen zu spürbaren Verbesserungen für das Personal führen. Und im Kanton Solothurn braucht es nach der GAV-Kündigung eine Neuordnung, die Rechte sichert, Vertrauen schafft und gute Arbeitsbedingungen ermöglicht. «Die Pflege hält unser Gesundheitswesen jeden Tag zusammen», sagt Pour Mohsen. «Wer heute Danke sagt, muss morgen liefern: im GAV, beim Lohn, im Dienstplan und beim Schutz vor dauernder Überlastung.»