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Die Sparte Spitex-Organisationen der vaka will aufzeigen, dass ein Wechsel der Versorgungs- und Finanzierungsverantwortung von den Gemeinden hin zum Kanton Sinn macht. Foto: vaka

Spitex-Leistungen im Aargau: Gemeinden entlasten − Verantwortung des Kantons stärken

(vaka) Die Gemeinden im Kanton Aargau geraten aufgrund der stark wachsenden Nachfrage nach ambulanten und stationären Pflegeleistungen zunehmend an ihre finanziellen Grenzen. Obwohl der Kanton den Leistungsumfang und die Qualitätsvorgaben definiert, tragen die Gemeinden die Kosten. Die vaka, Verband von über 154 Aargauer Spitälern, Kliniken, Pflegeinstitutionen und Spitex-Organisationen, unterstützt verschiedene Bestrebungen, die Finanzierung der Pflege beim Kanton anzusiedeln. So werde die Steuerung der Versorgung gestärkt, Fehlanreize würden beseitigt und die integrierte Versorgung könne nachhaltig weiterentwickelt werden, schreibt die vaka in einer Medienmitteilung.

Die Nachfrage nach ambulanten Spitex-Dienstleistungen sowie stationären Pflegeleistungen nimmt seit Jahren kontinuierlich zu und stellt die Aargauer Gemeinden vor grosse finanzielle Herausforderungen. Derzeit sind sie verpflichtet, die Versorgung der Bevölkerung mit Pflegeleistungen sicherzustellen, während der Kanton über Versorgungsplanung, Qualitätsvorgaben und Betriebsbewilligungen den Umfang und die Art der Leistungen festlegt. Die Gemeinden tragen somit die Kosten, haben aber formal kaum Einfluss auf Leistungsmengen oder Tarifgestaltung. Die vaka unterstützt deshalb Vorstösse im Grossen Rat, welche die die Finanzierung der ambulanten wie auch der stationären Pflege künftig beim Kanton ansiedeln wollen – dort, wo der Leistungsumfang bestimmt wird. Dies wird die Gesamtsteuerung verbessern und für zusätzliche Effizienz den Weg frei machen. Einheitliche Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und eine koordinierte Steuerung über Gemeindegrenzen hinweg werden eine echte integrierte Versorgung ermöglichen. Dies ist dringend notwendig, da die Nachfrage nach Pflegeleistungen aus den nachfolgend geschilderten Gründen auch in Zukunft stark steigen wird.

Ambulantisierung führt zu komplexeren Pflegefällen
Die Spitäler führen immer mehr Eingriffe ambulant durch. Dadurch können die Gesamtkosten im Gesundheitssystem tief gehalten werden. Die politisch gewollte Förderung der ambulanten Pflege macht daher Sinn. Gleichzeitig führen die Ambulantisierung und die immer kürzeren stationären Aufenthalte aber zu deutlich mehr Spitex-Zuweisungen, zu komplexeren Pflegesituationen zu Hause und in Pflegeheimen. Diese zusätzlichen und wachsenden Leistungen werden heute durch die Gemeinden finanziert.

Demografischer Wandel erhöht die Nachfrage nach Pflegeleistungen
Die Bevölkerung altert stark und nimmt in absoluten Zahlen weiter zu. Im Kanton Aargau wird sich der Anteil der über 80-Jährigen bis 2055 mehr als verdoppeln, während die Gesamtbevölke-rung insgesamt auf rund 900 000 Personen wächst. Immer mehr Menschen benötigen professionelle Unterstützung im Alltag. Die Nachfrage nach Pflegeleistungen wird daher weiter steigen.

Fachkräftemangel und steigende Personalkosten
Die zunehmende Komplexität der Pflegesituationen erfordert höhere, neue Qualifikationen und führt zu steigenden Personalkosten. Der Fachkräftemangel verschärft die Lage zusätzlich, ebenso der Lohndruck durch finanzstarke Nachbarkantone. Spitex-Organisationen mit Leistungsauf-trag sichern zudem über die Ausbildung von Lernenden einen Grossteil des Nachwuchses, tragen aber auch die damit verbundenen finanziellen Lasten.

Digitalisierung bringt Vorteile – und hohe Investitionen
Zwar entlastet die Digitalisierung die Pflegenden durch Effizienzsteigerungen und führt zu einer besseren Datenqualität, löst durch die Anschaffung von Hard- und Software sowie den Schulungsbedarf jedoch Investitions- und Betriebskosten aus.

Spitex-Organisationen mit Leistungsauftrag verursachen tiefere Fallkosten
Aktuelle Zahlen des Bundes zeigen, dass Spitex-Organisationen mit Leistungsauftrag niedrigere Fallkosten pro Klientin und Klient verrechnen als andere Leistungsanbieter. Besonders dynamisch wächst der Bereich der angestellten pflegenden Angehörigen bei privaten Anbietern. Auch hier entstehen hohe Kosten, die von den Gemeinden getragen werden müssen, aber nicht von Organisationen mit Leistungsauftrag verursacht werden.

Finanzielle Fehlanreize beseitigen
Mit der Einheitlichen Finanzierung der Gesundheitsleistungen (EFAS) auf Bundesebene und der Gesundheitspolitischen Gesamtplanung 2030 des Kantons Aargau bestehen politische Bestrebungen, Fehlanreize zu beseitigen und die Finanzierung systematisch zu verbessern. Die vaka unterstützt diese Vorhaben sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Herausfordernd bleibt jedoch die Übergangsphase bis zur voraussichtlichen Umsetzung ab 2032. Entscheidend ist hier eine frühzeitige Koordination durch die Politik, damit die Versorgung über die gesamte Behandlungskette stabil bleibt.

Spitex-Organisationen: Unverzichtbar für die Grundversorgung
Spitex-Organisationen mit Leistungsauftrag erfüllen einen öffentlichen Auftrag: Sie stellen die flächendeckende ambulante Grundversorgung sicher und übernehmen alle Pflegeaufträge – auch aufwändige und unrentable. Damit tragen sie wesentlich zur Kostenstabilisierung und zur Versorgungssicherheit im Kanton Aargau bei. Dafür benötigen sie stabile Rahmenbedingungen sowie eine enge Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand. Ohne diese Zusammenarbeit droht das pflegerische gut aufgestellte Versorgungsystem Schaden zu nehmen. Die vaka unterstützt daher Bestrebungen, die ganze Verantwortung für die Versorgung und die Finanzierung von den Gemeinden zum Kanton zu verlagern und sieht darin einen richtigen und wichtigen Schritt.

Bild: Die Sparte Spitex-Organisationen der vaka will aufzeigen, dass ein Wechsel der Versorgungs- und Finanzierungsverantwortung von den Gemeinden hin zum Kanton Sinn macht. Foto: vaka