(vpod) Über 100 Menschen aus Menziken und der Region haben am Dienstagabend ein starkes Zeichen gesetzt. Beschäftigte, ehemalige Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten sowie Menschen aus der Bevölkerung fordern Antworten zur Schliessung des Akutspitals, zur Zukunft der Notfallversorgung und zum Umgang mit den 149 Beschäftigten.
Die Wut und das Unverständnis sind gross. Gleichzeitig beginnt sich die Bevölkerung zu organisieren und will sich gemeinsam für die Gesundheitsversorgung der Region und für die Forderungen des Personals einsetzen, wie die Gewerkschaft VPOD Aargau/Solothurn in ihrer Medienmitteilung schreibt.
Die Bevölkerung will Antworten
Die Halle 5737 war am gestrigen Abend voll. Viele Menschen meldeten sich zu Wort. Sie schilderten ihre Sorge um die Gesundheitsversorgung, ihr Unverständnis über die Schliessung und ihre Wut über den Umgang mit dem Personal. Immer wieder fiel dieselbe Frage: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? «Die Menschen wollen keine Beschwichtigungen mehr. Sie wollen Antworten», sagt Dariyusch Pour Mohsen, Regionalleiter des VPOD Aargau/Solothurn. «Sie wollen wissen, wer Verantwortung übernimmt und wie die Versorgung dieser Region künftig sichergestellt wird. Und die Beschäftigten wollen wissen, weshalb ausgerechnet sie jetzt die Folgen von Entscheiden tragen sollen, die sie nicht getroffen haben.»
Umso unverständlicher bleibt die Haltung der Gemeinde Menziken. Der angefragte Gemeindesaal wäre verfügbar gewesen, trotzdem stellte ihn der Gemeinderat für die Volksversammlung nicht zur Verfügung. Begründet wurde dies mit politischer Neutralität. Die Bevölkerung kam trotzdem. «Wenn über 100 Menschen über ihr Spital und ihre Gesundheitsversorgung sprechen wollen und der Gemeindesaal trotzdem geschlossen bleibt, wirkt das schlicht befremdlich. Diese Diskussion gehört mitten in die Öffentlichkeit.»
Der Abend zeigte zugleich, dass es nicht bei Worten bleiben dürfte. Aus der Bevölkerung hat sich eine Gruppe gebildet, die sich weiter für die Gesundheitsversorgung der Region und für die Forderungen des Personals einsetzen will. Im Raum stehen weitere öffentliche Versammlungen in anderen Gemein-den, Aktionen und auch eine Demonstration. Der VPOD wird diese Vorschläge der nächsten Personal-versammlung vorlegen. Dort entscheiden die Beschäftigten gemeinsam über das weitere Vorgehen.
Mit einem klaren Auftrag der Belegschaft an den Tisch
Noch vor der Volksversammlung sass am Dienstagnachmittag eine Delegation der Beschäftigten und des VPOD mit Teilen des Verwaltungsrates am Tisch. Der Auftrag war eindeutig: Mehr als 100 Beschäftigte hatten die Forderungen mitgetragen und der Delegation das Mandat gegeben, über die Massenentlassung und einen besseren Sozialplan zu verhandeln.
«Die Beschäftigten haben uns nicht zum Kaffeetrinken geschickt. Mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen haben uns einen klaren Auftrag gegeben: über die Massenentlassung und einen besseren Sozialplan zu verhandeln», sagt Dariyusch Pour Mohsen, Regionalleiter des VPOD Aargau/Solothurn. Der Verwaltungsrat hatte bereits im Vorfeld erklärt, das Treffen nicht als Verhandlung zu betrachten. Das ändert nichts daran, mit welchem Auftrag die Delegation am Tisch sass. Umso befremdlicher war, was während des Gesprächs geschah: Während die Forderungen der Beschäftigten mit Teilen des Verwaltungsrates diskutiert wurden, verschickte die Asana Spital Menziken AG gleichzeitig eine Medienmitteilung, in der sie die Forderungen des Personals bereits öffentlich als «unrealistisch und nicht verkraftbar» bezeichnete. Im gleichen Schreiben sprach der Verwaltungsrat von Respekt und einem «respektvollen Austausch».
«Wer mit uns am Tisch sitzt und gleichzeitig nach draussen bereits erklärt, unsere Forderungen seien unrealistisch, muss sich fragen lassen, wie offen dieses Gespräch tatsächlich geführt wurde. Respekt schreibt man nicht in eine Medienmitteilung. Respekt zeigt man am Tisch», so der Regionalleiter des VPOD Aargau/Solothurn.
Offene Fragen zum Konsultationsverfahren
Bei einer Massenentlassung gelten klare rechtliche Regeln. Die Beschäftigten dürfen nicht einfach in-formiert und danach abgefertigt werden. Sie müssen rechtzeitig einbezogen werden, Vorschläge ma-chen können und die nötigen Informationen erhalten, damit ihre Mitsprache überhaupt etwas wert ist.
Im Gespräch mit Teilen des Verwaltungsrates wurde uns gesagt, mit den Mitarbeitenden sei über den Sozialplan verhandelt worden. Wenn damit gemeint sein soll, dass am 24. Juni 2026 die Massenentlassung angekündigt wurde und die Beschäftigten danach knapp zwei Wochen Zeit hatten, unmittelbar vor den Sommerferien ihre Stellungnahmen einzureichen, dann reden wir offenbar über zwei völlig verschiedene Dinge.
149 Menschen erfahren, dass ihre Stelle wegfallen soll. Viele wissen von einem Moment auf den an-deren nicht, wie es beruflich und finanziell weitergeht. Und genau diese Situation soll bereits eine Verhandlung über ihre soziale Absicherung gewesen sein? Das ist schwer vermittelbar. Eine Verhandlung ist mehr als eine Frist zur Stellungnahme. Wer von Verhandlungen über einen Sozialplan spricht, muss nachvollziehbar machen können, wann und mit wem über dessen Inhalt gesprochen wurde, welche Positionen ausgetauscht wurden und worüber tatsächlich noch verhandelt werden konnte.
«Wenn die Spitalführung die Verkündung einer Massenentlassung und eine knapp zweiwöchige Hauruck-Konsultation vor den Sommerferien bereits als Verhandlung mit den Mitarbeitenden verkauft, dann ist das ein bemerkenswertes Verständnis von Sozialpartnerschaft. 149 Menschen bangen um ihre Existenz, und im Nachhinein soll ihnen gesagt werden, mit ihnen sei bereits verhandelt worden. So funktioniert Verhandlung nicht. Wer von Verhandlungen spricht, muss sagen können, wann, mit wem und worüber tatsächlich verhandelt wurde.»
Für den VPOD ist deshalb klar: Die gesetzlichen Mitwirkungsrechte der Beschäftigten sind kein Feigenblatt und keine Pflichtübung. Bei einer Massenentlassung dieser Grössenordnung müssen die Betroffenen eine reale Möglichkeit haben, Einfluss zu nehmen. Genau daran wird sich messen lassen, wie ernst die Spitalführung ihre Verantwortung gegenüber dem Personal tatsächlich nimmt.