(sv) Am 18. Januar finden in der Schweiz und ganz Europa zum 60. Mal die Internationalen Wasservogelzählungen statt. Sie sind weltweit das umfassendste Monitoringprogramm von Wildtieren. Dank dem Engagement Hunderter Freiwilliger weiss die Vogelwarte, wie viele Wasservögel in der Schweiz überwintern und wie sich diese Zahl langfristig verändert.
Die Schweizer Seen und Flüsse sind meist die ersten eisfreien Gewässer, die nordische Wasservögel auf der Flucht vor der grimmigen Winterkälte ihrer Brutgebiete antreffen. Die Schweiz ist daher ein sehr wichtiges Gebiet für überwinternde Wasservögel. Dank den Internationalen Wasservogelzählungen wissen wir, dass bei neun Wasservogelarten so viele Individuen bei uns überwintern, dass die Schweiz für diese sogar eine internationale Bedeutung hat. Beispiele dafür sind Reiherente und Kolbenente.
Jedes Jahr beteiligen sich schweizweit bis zu 500 Freiwillige. Manche von ihnen sind seit mehr als 30 Jahren dabei! Die langjährigen Zählungen seit 1967 ermöglichen es auch, langfristige Entwicklungen aufzuzeigen. Bis in die 1990er Jahre stieg die Anzahl überwinternder Wasservögel stark an. Dies dürfte wesentlich durch die starke Zunahme der Wandermuschel bedingt gewesen sein, die einigen Enten als Nahrung dient. Nach einer Phase der Stabilisierung gehen die Bestände seit der Jahrtausendwende wieder zurück. Hauptgrund ist wohl der Klimawandel: Gewässer im Norden bleiben mittlerweile ganzjährig eisfrei, so dass es für die Wasservögel nicht mehr nötig ist, so weit südwärts zu fliegen. Dank der Wasservogelzählungen konnten auch die besonders bedeutsamen Winterquartiere identifiziert werden. Sie wurden 1991 schliesslich mit der Wasser- und Zugvogelverordnung (WZVV) unter Schutz gestellt. Zurzeit profitieren 30-40 % unserer Wintergäste von der Ruhe und Sicherheit, die diese Schutzgebiete auszeichnen. Dennoch: Rund ein Drittel dieser wichtigen Gewässerabschnitte steht leider nach wie vor nicht unter Schutz, und selbst Schutzgebiete sind durch die zunehmenden Freizeitaktivitäten der Menschen an und auf den Gewässern unter Druck. Umso wichtiger ist es, für die bestehenden Schutzgebieten Sorge zu tragen und die dort geltenden Regeln zu respektieren. So kann die Schweiz auch in Zukunft ihrer internationalen Bedeutung für überwinternde Wasservögel gerecht werden.