(pd) Am 11. Juni wird europaweit der Tag des Luchses begangen. Der Luchs ist die grösste wildlebende Katze der Schweiz und ein Symbol erfolgreicher Naturschutzarbeit. Nachdem er im Jura vor rund 200 Jahren ausgerottet worden war, konnte er dank Wiederansiedlungsprojekten in den 1970er-Jahren zurückkehren. Sein langfristiger Erhalt bleibt jedoch eine Herausforderung.
Der Luchs gehört wieder zu unseren Wäldern. Er lebt meist verborgen, verursacht vergleichsweise wenige Konflikte und übernimmt als Beutegreifer eine wichtige Rolle im Ökosystem. Damit diese Erfolgsgeschichte weitergeschrieben werden kann, braucht es ausreichend grosse und vernetzte Lebensräume, genügend Beutetiere, gesellschaftliche Akzeptanz und genetisch gesunde Populationen.
Die Population steht unter Druck: Im Aargau wurde 2025 ein Luchs illegal getötet, im Kanton Solothurn wurde ein Luchsweibchen bei Grenchen überfahren. Hinzu kommen natürliche Verluste sowie Entnahmen für Umsiedlungsprojekte. Solche Umsiedlungen können aus Sicht des Artenschutzes sinnvoll sein und werden von den drei Pro-Natura-Sektionen im Jura grundsätzlich unterstützt. Gleichzeitig braucht es eine langfristige Perspektive für eine ausreichend grosse, genetisch vielfältige und stabile Jurapopulation.
«Damit der Luchs langfristig Teil unserer Landschaft bleibt, braucht es ausreichend grosse und vernetzte Lebensräume sowie eine genetisch gesunde Population im Jura. Der Jura ist das Rückgrat der Schweizer Luchspopulation. Wenn Luchse entnommen werden, braucht es gleichzeitig eine Perspektive, wie diese Population langfristig gestärkt und gesichert wird», sagt Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau.
«Die Jurapopulation trägt heute eine wichtige Verantwortung für die Zukunft des Luchses in der Schweiz und darüber hinaus. Wer Tiere aus dem Jura entnimmt, muss auch Verantwortung für die langfristige Stabilität dieser Population übernehmen», sagt Silvia Fröhlicher, Co-Präsidentin Pro Natura Solothurn.
«Für die Ausbreitung des Luchses im Nordwestschweizer Jura sind vernetzte und stabile Populationen entscheidend. Entnahmen dürfen deshalb nicht dazu führen, dass wichtige Aus-breitungsachsen und Randpopulationen geschwächt werden», sagt Thomas Zumbrunn, Pro Natura Baselland.
Für die drei Pro-Natura-Sektionen ist klar: Der Jura-Luchs braucht eine gemeinsame Zukunftsstrategie – für den Luchs, seinen Lebensraum und die kommenden Generationen.
Fotos: © Maurice Voyame