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Die Teilnehmerinnen horchen den Worten von Katharina Prelicz-Huber. Foto: zVg

«Nein» ist ein ganzer Satz: Starke Parolen für Selbstfürsorge an der frauenaargau Tagung 2024

(ns) Wie tragen wir uns selbst Sorge, während wir Care-Arbeit leisten oder ehrenamtlich und/oder politisch engagiert sind? Über 80 Frauen widmeten sich dieser grossen Frage an der diesjährigen frauenaargau Tagung im Grossratsgebäude und dabei wurden starke feministische Statements gemacht, wie der Verein frauenaargau in einer Medienmitteilung schreibt.

Die amtierende Aargauer Grossratspräsidentin Mirjam Kosch, brachte persönliche Grussworte. Ein Zwischenfazit könne sie noch nicht ziehen, denn dafür sei es noch zu früh und noch zu viel zu tun. Den Leuten mit viel Wohlwollen und Wertschätzung zu begegnen und interessiert an den Geschichten der Menschen zu sein, bringt auch Wertschätzung zurück. Das gibt ihr Kraft für weiteres Engagement.

Für die grüne Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber ist politisches Engagement Selbstfürsorge. Etwas gegen die Missstände tun zu können, sei es auf nationaler, kommunaler oder regionaler Ebene, hilft ihr, dabei nicht zu blockieren und innerlich auszubrennen. Es ist ihr wichtig, tätig zu sein und das unbedingt im Kollektiv – in Vereinen, sowie mit Gewerkschaften bei Streiks und Demos auf den Strassen. Das sei für sie Selbstfürsorge und gibt ihr neue Energie.

Psychotherapeutin Judith Bernauer ist davon überzeugt, dass wir auch in unseren eigenen Gedanken “fiiner” – also sorgfältiger mit uns selbst – umgehen dürfen. Es ist okay, auch mal einen schlechten Tag zu haben. Selbstfürsorge heisst, auch diese Tage als solche zu akzeptieren und sich dann bewusst mehr Zeit für Pausen zu nehmen oder für etwas, das einem persönlich gut tut. Was das ist, ist für alle individuell. Nicht alle entspannen bei einem Wellnesstag in der Therme. Für einige ist es ein Spaziergang in der Natur, um die eigenen Gedanken setzen zu lassen oder auch einfach mal drei tiefe Atemzüge an der frischen Luft zu nehmen.

Bei der Podiumsdiskussion tauschte sich Norina Schenker (Vorstand frauenaargau) mit Elisabeth Stern (KlimaSeniorin), Ligia Vogt (Nosotras Aargau und Femmes Sapiens), Lea Schmidmeister (Grossrätin, Sozialarbeiterin) und Nora Keller (Walk-in Closet ) über ihre Erfahrungen mit Selbstfürsorge bei Care-Arbeit oder politischer Arbeit aus. Die vier berichteten, dass es sehr anspruchsvoll ist, sich um sich selbst zu sorgen, wenn sie mit den schwierigen Situationen von Menschen in prekären Lagen konfrontiert sind oder sich stellvertretend für andere Menschen politisch engagieren. Grenzen zu setzen und Nein zu sagen ist eine grosse Herausforderung. Gerade deshalb kommt eine Aussage einer Tagungsteilnehmerin auch sehr gut an: “Nein” ist ein ganzer Satz. Das heisst, bei einem “Nein” brauche es kein schlechtes Gewissen und auch keine Erklärungen. Es ist okay, sich nicht für alle Themen zuständig zu fühlen. Wichtig scheint auch, dass alle sich auf ihre Art um sich selbst sorgen. Alle brauchen etwas anderes, um zur Ruhe zu kommen und Kraft zu schöpfen. Die individuellen Strategien gegenseitig erfragen und akzeptieren ist dabei sehr wertvoll.

Als Überraschung wurde zum Schluss Ruth Müri für ihr Fazit zum Tag ans Mikrofon gebeten. Sie nähme sehr viel mit von der Tagung. Sie merke immer wieder, wie wichtig dieser gemeinsame Austausch sei und wieviel Kraft er ihr gibt. Der Zusammenhalt bei den Aargauer Frauen sei spürbar und die Unterstützung gäbe ihr auch Rückenwind bei ihrem Wahlkampf für einen Regierungsratssitz. Ruth Müri ist eine langjährige, kompetente und gestandene Exekutivpolitikerin und kennt ihre Selbstfürsorge-Strategien sehr gut. So halte sie sich jede Woche einen Abend frei, für sich privat. Das sei enorm wichtig für einen guten Ausgleich und ihren Hund freut es auch, wenn sie dann lange Waldspaziergänge unternimmt.

Viele Frauen hielten ihre persönlichen Gedanken im kleinen TagungsNotizbüchlein fest und diskutierten auch am Netzwerk-Apéro noch angeregt über ihr Erkenntnisse und wie sie sich und anderen in Zukunft noch mehr Selbstfürsorge ermöglichen können.

Der Verein frauenaargau
Das Frauennetzwerk frauenaargau organisiert Veranstaltungen und Projekte, welche die Stärkung und das Zusammenwirken von Frauen* und die Gleichstellung fördern.

Weitere Informationen www.frauenaargau.ch

Bild: Die Teilnehmerinnen horchen den Worten von Katharina Prelicz-Huber. Foto: zVg