(pd) 12 000 Dinge aus Europa wurden im Museum der Kulturen Basel (MKB) zwischen 1900 und 1936 gesammelt. Fein säuberlich festgehalten in einem sogenannten Einlaufbuch. In einer Kopie davon können die Besucher*innen zu Beginn der Ausstellung «Zwölftausend Dinge» blättern und sich als Forscher*innen betätigen. Sie entdecken, was gekauft, getauscht oder geschenkt worden war. Woher die Dinge kamen, zu welchem Preis und von wem.
Einigen Personen begegnen die Besucher*innen in der Ausstellung danach wieder. Zum Beispiel dem Museumsabwart, dem nahegelegt worden war, in seinen Ferien im Jura nach volkskundlichen Dingen zu suchen und welche mitzubringen. Oder Jakobina Thenisch aus dem Walliser Binntal, die sich mit der Basler Lehrerin und Sammlerin Annemarie Weis anfreundete und ihr Alltagsgegenstände inklusive Informationen zum Gebrauch zuhielt. Sowie Engelbert Wittich, eine exklusive Quelle für Dinge von Jenischen und Sinti aus Deutschland.
Eduard Hoffmann-Krayer, der damalige Vorsteher der Abteilung Europa, hat ebenfalls einen Auftritt, in Form eines mehrteiligen Herrenanzugs. Dieser kam 1924 ins MKB. 100 Jahre später fand Europa-Kuratorin Tabea Buri bei den Recherchen zu ihrer Dissertation – auf der übrigens die Idee zur Ausstellung beruht – heraus, dass er Hoffmann-Krayer gehörte, was dieser verschwiegen hatte.
Was damals Mode war, punkto Sammeln, zeigt auch eine Reihe von Ankern. Ethnologen hielten sie damals für ideale Vergleichsobjekte, um verschiedene Entwicklungsstufen von Kulturen aufzuzeigen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde zudem nach dem Ursprünglichen gesucht. Das MKB erwarb deshalb Teile von Tschäggättä, Fasnachtsgestalten aus dem Lötschental. So ganz unberührt und weltfremd aber war das Walliser Tal nicht: An einer Maske hängt ein Mehlsack aus den USA.
66 andere Dinge aus dem Wallis tauschte das MKB in jener Zeit gegen 28 Dinge aus der Arktis mit dem Völkerkundemuseum Hamburg (heute MARKK). Auch dafür wurde also gesammelt. Für Tauschgeschäfte legte das Museum sogar extra eine Sammlung Doubletten an. Darunter Medizinbehälter aus Kamerun, die gegen Kopfschmuck aus Europa aus dem Völkerkundemuseum Zürich eingetauscht wurden.
Der Erste Weltkrieg
Die rund 370 Dinge in der Ausstellung vermitteln ein Bild vom Alltag in Europa in jenen Jahren, aber auch vom religiösen Leben. Rund 130 Amulette zeigen, wovor die Menschen sich fürchteten, was sie sich zur Abwehr des Bösen, zum Schutz ihrer Gesundheit oder als Glücksbringer umhängten.
Der Erste Weltkrieg war prägend für jene Zeit und fürs MKB. Knappe Finanzen und geschlossene Grenzen erschwerten die Sammeltätigkeit. Doch Menschen brauchten Geld und verkauften eher Dinge. Interessant auch, dass Sammler in Kriegsgebiete geschickt wurden, zum Beispiel das Ehepaar Julius und Anna Konietzko auf den Balkan. Sie brachten viele Dinge von dort mit. Und dank von Soldaten angefertigten Sachen eröffneten sich gar neue Sammelbereiche.
Ein paar der Dinge erhalten übrigens ganz spezielle Aufmerksamkeit: Sie wurden zu Comics verarbeitet, erzählen in Monologen von sich selbst oder finden sich in Geschichten wieder, die extra für Kinder aufbereitet wurden. Und die Besucher*innen können sogar mit fünf Dingen chatten.
Die Ausstellung dauert vom 26. April 2024 bis zum 27. April 2025. Die Dissertation «Wie die Dinge zusammenkamen» von Tabea Buri ist im Museumsshop erhältlich.