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Moderatorin Monika Schärer im Gespräch mit Regierungsrat Alex Hürzeler. Foto: Jean-Marc Felix

«Kultur ist das Schmiermittel der Gesellschaft»

Bei einer Forumsveranstaltung zur Wertschöpfung der Kultur setzten sich am 9. November im Trafo Baden Persönlichkeiten der Aargauer Wirtschaft, Politik und Kultur mit der Systemrelevanz der Kultur auseinander. Eingeladen hatten der Aargauer Kulturverband AGKV und die Kulturstiftung Pro Argovia.

REGULA LAUX

Moderiert von Monika Schärer und angereichert durch Intermezzi des Spoken Word Artists Simon Libsig, wechselten sich Impulsreferate und Podiumsdiskussionen ab. Anbei einige Kernaussagen des Abends:
«Für den Zusammenhalt einer Gesellschaft ist die Kultur mindestens so entscheidend wie der Sport», so Regierungsrat Alex Hürzeler, Vorsteher des Departementes Bildung, Kultur und Sport zum Einstieg des Abends. «Kultur ist alles was uns Menschen besser macht», definierte die politische Philosophin Katja Gentinetta im ersten Impulsreferat. Kultur sei nicht weniger relevant als die Landwirtschaft, die Medizin, das Gebet und gute Gespräche. Christoph Weckerle, Direktor Zurich Centre for Creative Economies der ZHdK, bemängelte als zweiter Redner eine fehlende Kulturstrategie in der Schweiz und wies darauf hin, dass es eher um den Wert als um die (monetär konnotierte) Wertschöpfung der Kultur gehe. Nicola Forster, Präsident der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG, bezog sich in seinen Ausführungen in erster Linie auf die SGG-Studie zur Freiwilligenarbeit: «Der durchschnittliche Arbeitsaufwand von Freiwilligen im Kulturbereich betrug im Jahr 2000 pro Woche 2,9 Stunden», was ein jährliches Arbeitsvolumen aller in kulturellen Vereinen freiwillig Engagierten (Hochrechnung) von 48 Millionen Stunden ergebe.
Auch in den eingeschobenen Diskussionsrunden wurden viele Aussagen, Ideen und Forderungen zur Wertschöpfung der Kultur gebracht, z.B.:
• «Kultur ist das Schmiermittel der Gesellschaft, ein Bollwerk gegen die Verrohung und gegen die Verschwörungstheorien.» Maja Wanner, die in Vertretung ihres Mannes Peter Wanner, VR-Präsident CH Media, auf dem Podium sass. Und weiter: «Mein Traum ist es, einen Argovia Entrepreneurs-Topf zu schaffen, also einen Topf von Unternehmern, die bereit sind, sich im Kunst- und Kulturbereich zu engagieren.»
• Unternehmer Christian Brönnimann erklärte, dass es sehr wichtig sei, neben dem Herzblut für die Kunst auch eine gewisse Geschäftstüchtigkeit an den Tag zu legen – «man muss sich als Kunstschaffender auch verkaufen können.» Bei Unternehmen solle es zur Corporate Governance gehören, einen Teil des Gewinns für die Allgemeinheit (und die Kultur) einzusetzen.
• «Jedes Unternehmen sollte eine(n) Künstler*in einstellen für die Kultur», lautete eine Forderung der Künstlerin Antonia Businger, denn dies käme auch der Unternehmenskultur zu Gute.
• Alt-Ständerätin Christine Egerszegi merkte an, dass man in einem ersten Schritt die beiden Welten (Kultur und Wirtschaft) zusammenbringen und die Werte festlegen müsse: «Ich kann nicht auf einer Geige einen Novartis-Kleber anbringen.» Und den Gemeinden müsse klargemacht werden, dass nicht allein der Steuersatz entscheidend sei, sondern auch das kulturelle Angebot.

Bild: Moderatorin Monika Schärer im Gespräch mit Regierungsrat Alex Hürzeler. Foto: Jean-Marc Felix