(pd) Die Rettungsgrabung der Kantonsarchäologie an der Zürcherstrasse in Windisch ist fristgerecht Mitte Juli abgeschlossen worden. Die Resultate der Ausgrabung haben die Kenntnisse zum ersten römischen Truppenlager in Vindonissa entscheidend erweitert. Die Vielzahl an Funden gibt Einblicke in die vielfältige Nutzung des Areals vom 1. bis zum 4. Jahrhundert nach Christus.
Die durch einen Sonderkredit finanzierte Rettungsgrabung der Kantonsarchäologie an der Zürcherstrasse in Windisch ist Mitte Juli fristgerecht abgeschlossen worden. Auf dem rund 4000 Quadratmeter grossen Bauareal, auf dem künftig eine Wohnüberbauung errichtet wird, hat das Grabungsteam in den vergangenen elf Monaten die archäologischen Hinterlassenschaften vor ihrer Zerstörung durch das Bauvorhaben ausgegraben und wissenschaftlich dokumentiert.
Verlauf der Lagermauer geklärt
Vor über neunzig Jahren haben die Pioniere der Vindonissaforschung im Park von Königsfelden einen Spitzgraben des ersten Truppenlagers dokumentiert. Nun konnte mit der Ausgrabung an der Zürcherstrasse endlich auch der Verlauf der südlichen Holz-Erde-Mauer dieses Lagers und der zugehörige Spitzgraben belegt werden. Sie verlief etwa 70 Meter südlich der Lagermauer des späteren Legionslagers und bog direkt ausserhalb des Grabungsareals nach Nordwesten ab. Damit besteht nun eine bessere Vorstellung von der Fläche des ersten Truppenlagers und klare Indizien für den weiteren Verlauf der zugehörigen Lagermauer. Leider lässt sich der Zeitpunkt des Baus dieser ersten Lagermauer, der vermutlich in der frühen Herrschaftszeit des Kaisers Tiberius stattfand, anhand des bisher gesichteten Fundmaterials nicht genauer eingrenzen. Zeigen liess sich jedoch anhand des Nachweises von Pioniervegetation in der Verfüllung des Grabens, dass die Wehranlage wahrscheinlich längere Zeit nicht gepflegt und danach neu instandgesetzt wurde.
Leben im Lager
Nebst der Lagermauer des ersten Truppenlagers fanden sich verschiedene Hinweise auf das Leben der Legionäre in der Frühzeit von Vindonissa: Unterhalb der späteren römischen Strasse, im Westen des Areals, wurde ein 9 Meter breites und mindestens 30 Meter langes Gebäude mit regelmässig angeordneten Stuben und Vorräumen dokumentiert. Es handelt sich dabei wohl um eine Mannschaftsbaracke für Legionäre, die ersten Berufssoldaten der Geschichte.
Im Osten, direkt innerhalb der ersten Lagermauer, fanden sich die Überreste eines möglichen Backofens. Dabei könnte es sich um die Überreste der Handwerkszone des älteren Lagers handeln. Direkt daneben, im Innenraum eines noch älteren und damit wohl aus der Pionierzeit von Vindonissa stammenden Gebäudes, fand sich die Esse einer sorgfältig gebauten Feldschmiede.
Brot und Gold
Die grossflächigen Grabungsarbeiten – die, wo nötig, mit dem Bagger ausgeführt wurden – tangierten weitläufige Schuttschichten vor dem Legionslager: diese enthielten eine Fülle an Münzen aus der Zeit der römischen Republik bis in die Spätantike. Ebenso wurde verschiedenes Werkzeug der Legionäre und der ausserhalb des Lagers lebenden Zivilbevölkerung gefunden. Dazu gehören Schmiedeutensilien, Lederwerkzeug, aber auch der Bodenstein einer römischen Handmühle. Einzelne Highlights waren nebst dem bereits bekannten Brot, das sich noch in Untersuchung befindet, eine Goldmünze, ein «aureus» geprägt unter Kaiser Tiberius. Im Weiteren fanden sich aussergewöhnliche Funde wie eine 1 cm grosse Gemme aus Karneol, auf der die Siegesgöttin Victoria mit Stab und Kranz zu erkennen ist, sowie zwei mögliche Griffe von römischen Skalpellen.
Fristgerechte Baufreigabe
Das rund zwanzigköpfige Grabungsteam hat während elf Monaten 2225 Quadratmeter im Bauperimeter freigelegt und dokumentiert, in den letzten beiden Wochen zum Abschluss noch den ehemaligen Standplatz der Grabungscontainer. Um Zeit zu gewinnen, gab es keine Winterpause, sodass die Grabungsequipe bei bitterkalten Temperaturen und Schnee genauso auf Platz war wie in den letzten heissen Tagen. Dank guter Planung, einer pragmatischen Vorgehensweise und guter Koordination mit der Bauherrschaft konnte das Areal fristgerecht am 17. Juli 2026 für den Bau freigegeben werden. Das mit dem Namen «via romana» bezeichnete Bauprojekt wird künftig neuen Wohnraum an geschichtsträchtigem Standort bieten.
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