(pd) Hoffnung ist das Stichwort für den Jahresbericht 2023, der das Wirken der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau aufzeigt. Zeichen des Umbruchs, aber auch die Übernahme von Verantwortung mit der Aufarbeitung vergangener, unentschuldbarer Fehler lassen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Die Jahresrechnung schliesst erfreulich mit einem geringeren Aufwandüberschuss ab, als budgetiert, schreibt die Landeskirche in ihrer Medienmitteilung.
Wenn dieser Jahresbericht mit «Hoffnung» überschrieben wird, dann steht dies auch im Zusammenhang mit der grössten Vertrauenskrise der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz. Die Präsentation der ersten Ergebnisse der von der Kirche in Auftrag gegebenen Studie zur Aufarbeitung sexueller Übergriffe hat die Kirche in ihren Fundamenten erschüttert und zeigt ein Versagen, das nicht zu verstehen und nicht zu entschuldigen ist. Hoffnung wird aus den Zeichen des Umbruchs geschöpft, wie der Bischofssynode in Rom im letzten Herbst, wo endlich Frauen stimm- und gleichberechtigt partizipierten und ungeschönt und in klarer Sprache den Handlungsbedarf aufzeigten. Und Hoffnung will die römisch-katholische Kirche im Aargau auch spenden mit ihrem vielfältigen Wirken zugunsten der Aargauer Bevölkerung, insbesondere der weniger Privilegierten und Menschen in Not. Dazu gehört auch die ökumenisch verantwortete Spitalseelsorge, an der sich der Kanton Aargau im letzten Jahr erstmals finanziell beteiligt. Dies wird immer aktueller, weil eine Vielzahl von Personen, welche die seelsorgerischen Dienste in den Spitälern in Anspruch nehmen, nicht Mitglied der Aargauer Landeskirchen sind. Die Einzelheiten sind im Jahresbericht 2024 festgehalten kathaargau.ch/publikationen
Jahresrechnung 2023
Die Jahresrechnung 2023 schliesst mit einem geringen Aufwandüberschuss von rund 7000 Franken ab. Budgetiert war ein Aufwandüberschuss von 262'450 Franken. Das gegenüber Budget bessere Ergebnis ergibt sich hauptsächlich aus den Wertschriften, welche mit einem nicht realisierten Kursgewinn von 471'756 Franken abschliessen. Ebenso verbrauchten die Fachstellen nicht alle budgetierten Mittel und generierten 328'000 Franken weniger Kosten als geplant.
Die Synode verweigerte im Herbst 2023 dem Kirchenrat eine Erhöhung des Zentralkassenbeitrags (Abgabe eines Teils der Kirchensteuern an die kantonale Landeskirche). Damit obliegt dem Kirchenrat die Aufgabe, fast eine Million Franken einzusparen, um das strukturelle Defizit zu beheben, das unter anderem durch neue Aufgaben, wie der Begleitung von Praktikanten in den Pastoralräumen oder ein stärkeres Engagement in der Diakonie entsteht. Das Augenmerk des Kirchenrats gilt somit einer strategischen Prioritätensetzung, welche die Glaubwürdigkeit nicht schwächt und zusätzlich (oder trotzdem) Raum für Innovation ermöglicht. Gekürzt werden diverse Beiträge an Organisationen, gleichzeitig werden verwaltungsinterne Kosten um rund zwei Prozent gekürzt.
Kantonale Beiträge
Der erwähnte Betrag des Kantons Aargau für die Spezialseelsorge fliesst in die ökumenisch verantwortete «Palliative Care» und die Seelsorge in Spitälern und Heimen, in den Gefängnissen und den Aargauer Polizeikorps sowie in den Fachbereich «Pastoral bei Menschen mit Behinderung» und in die Gehörlosenseelsorge Nordwestschweiz.
Höhepunkte 2023
Am Freitag, 2. Juni 2023 war es wieder so weit: In 11 Kantonen der Schweiz öffneten über 1100 Kirchen ihre Türen, Tore und Kirchtürme zur vierten «Lange Nacht der Kirchen». Der Einladung, Kirche einmal anders zu erleben, sind weit über 50’000 Besucherinnen und Besucher gefolgt. Allein im Kanton Aargau wurden 200 Veranstaltungen organisiert, die rund 8’000 Menschen anlockten. Das vielfältige und überraschende Programm mit viel Musik, Licht, Kulinarik, Besinnlichem und der Gelegenheit, über Gott und die Welt zu diskutieren, kam bei allen Altersgruppen gut an. Die 5. Lange Nacht der Kirchen wird im Zweijahresrhythmus wieder am Freitag, 23. Mai 2025, im Aargau und weiteren Kantonen ökumenisch stattfinden.
Höhepunkt des Jahres 2023 war sicherlich die Vereidigung der Schweizer Garde in Rom. Dieses besondere Erlebnis war noch schöner, weil neben Delegationen des Kirchenrats und der Aargauer Regierung auch fast hundert Gläubige wie auch Vertreter der Schwesterkirchen mit dabei waren.
Kirchenratspräsident Luc Humbel meint zum Treffen mit dem Papst: «Es war mir ein persönliches Verlangen, dem Papst für seinen Weg der Er-neuerung Zuspruch geben und Kraft wünschen zu können. Dass ich bei ihm auf ein offenes Ohr gestossen bin, ermutigt mich.»
Das vielfältige Wirken der Kirche für die Gesellschaft
Die Landeskirche und ihre Fachstellen wirken bis tief in die Gesellschaft hinein. Unter ande-rem die Fachstelle Bildung und Propstei, die Pilgerreisen, Ferienwochen für Alleinerziehen-de, Impulse in der Fastenzeit sowie zahlreiche Kurse anbietet. Die Propstei Wislikofen er-hielt Anerkennung durch den «Swiss Location Award» als eines der schönsten Tagungshotels in der Deutschschweiz. Sie bietet als Durchführungsort für Seminare, Familienfeste und Hochzeiten das unvergleichliche Ambiente eines ehemaligen Klosters.
Die Fachstelle Diakonie engagiert sich sozialdiakonisch für die Schwächsten in unserer Gesellschaft unter anderem mit Unterstützung an die Notschlafstelle Aargau oder das Frauenhaus AG/SO. Die Kirche engagiert sich auch besonders für junge Menschen. Die Fachstelle Jugend und junge Erwachsene organisierte im 2023 erstmals eine kantonale Jugendkonferenz. Sie engagiert sich an den Kantonsschulen und der Fachhochschule Nordwestschweiz und leis-tet mit Jungwacht Blauring (Jubla) Aargau einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft und einem gelebten sozialen Zusammenhalt.
Die Kampagne «Kirchensteuer sei Dank» auf der gleichnamigen Webseite kirchensteuer-sei-dank.ch zeigt ganz konkret, wieviel Gutes die Kirchensteuern für die Menschen hier vor Ort bewirken. Auf der interaktiven Karte werden die Angebote der Kirchen beleuchtet und der Mitteleinsatz der Kirchensteuern thematisiert, von denen 86 % in das vielfältige Wirken in den Kirchgemeinden und Pfarreien im Aargau fliessen – und nichts davon nach Rom.