(glp) Beim Frauennetzwerktreffen der GLP Aargau in der Barracuda Bar in Lenzburg stand am Mittwochabend ein zentrales Zukunftsthema im Fokus: Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Wirtschaften. Rund um ein Inputreferat von Monika Saleh, Technologie- und Innovationsexpertin beim Hightech Zentrum Aargau, diskutierten die anwesenden Frauen konkrete Lösungsansätze für eine ressourcenschonende Schweiz.
Die Schweiz lebt über ihre Verhältnisse
Die Ausgangslage ist klar: Der Ressourcenbedarf der Schweiz ist zu hoch. Bereits am 11. Mai erreicht die Schweiz dieses Jahr ihren nationalen Overshoot Day. Würden alle Menschen so leben wie wir, bräuchte es drei Erden, um den Ressourcenverbrauch zu decken. Gleichzeitig weist die Schweiz eines der höchsten Abfallaufkommen pro Kopf in Europa auf.
Zwar wird viel über Recycling gesprochen – doch die Realität zeigt Handlungsbedarf: Recycelte Materialien decken in der Schweiz derzeit lediglich 14,5 Prozent der Rohstoffnachfrage (Circular Material Use Rate). Selbst wenn sämtliche Abfälle wiederverwertet würden, könnten gemäss BAFU lediglich rund ein Fünftel des aktuellen Materialbedarfs gedeckt werden. Recycling allein genügt also nicht.
Kreislaufwirtschaft bedeutet mehr als Recycling
Monika Saleh zeigte in ihrem Referat auf, dass Kreislaufwirtschaft weit über Recycling hinausgeht. Es geht um einen grundlegenden Wandel vom linearen „Take–Make–Waste“-Modell hin zu zirkulären Systemen, in denen Produkte länger genutzt, repariert, wiederverwendet, aufbereitet und intelligent weiterentwickelt werden.
Politisch sind wichtige Schritte eingeleitet: Die UNO-Agenda 2030 mit den Nachhaltigkeitszielen (SDG 9 und 12), der EU-Circular-Economy-Action-Plan sowie die Teilrevision des Schweizer Umweltschutzgesetzes verankern Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft zunehmend verbindlich. Doch zwischen Anspruch und Realität klafft noch eine Lücke.
Grosser Hebel liegt in der Wirtschaft
Besonders eindrücklich: In der Schweizer Privatwirtschaft beschäftigen sich derzeit lediglich rund 10 Prozent der Unternehmen aktiv mit einer Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet auch: Der grösste Hebel für echte Veränderung liegt in der Wirtschaft. Innovation, neue Geschäftsmodelle und ressourcenschonende Produktgestaltung sind entscheidend, um den Materialverbrauch effektiv zu senken.
Das Hightech Zentrum Aargau unterstützt Unternehmen dabei konkret – etwa durch Innovationsberatung, Förderanträge und Vernetzung mit Forschungspartnern. Beispiele wie die Entwicklung hochwertiger Recyclingplatten aus Mischkunststoffen oder das Matratzen-Pilotprojekt im Kanton Aargau zeigen, dass zirkuläre Lösungen wirtschaftlich tragfähig sein können.
Handeln statt nur diskutieren
Die Teilnehmerinnen des Frauennetzwerktreffens setzten auch selbst ein Zeichen: Bei einem Kleidertausch wurden gut erhaltene Stücke weitergegeben und so ein kleiner, aber konkreter Beitrag zur Abfallvermeidung geleistet.
Die Botschaft des Abends war klar: Kreislaufwirtschaft ist kein Nischenthema, sondern eine zentrale Zukunftsfrage für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Das Thema ist noch immer unterrepräsentiert – doch angesichts der Fakten ist entschlossenes Handeln angesagt.
Oder wie es Friedrich Dürrenmatt treffend formulierte: „Was alle angeht, können nur alle lösen.“
Die GLP Aargau setzt sich weiterhin dafür ein, Innovation, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Verantwortung zusammenzudenken – für einen ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Aargau.