(pd) Der Gasverbund Mittelland (GVM) blickt auf ein herausforderndes Geschäftsjahr 2022/2023 zurück. Mit insgesamt 7442 GWh war der Erdgasabsatz um 24,6 Prozent tiefer als in der Vorjahresperiode. Gründe dafür waren die milden Temperaturen sowie Verhaltensänderungen der Kunden auf dem Hintergrund der aktuellen welt- und energiepolitischen Situation. Der GVM sieht die Energiewende 2050 sowohl als Herausforderung als auch als Chance und hat sich zum Ziel gesetzt, die Transformation in Richtung nachhaltige Gase weiter voranzutreiben.
Der Gasmarkt ist in Bewegung: Dekarbonisierung, Digitalisierung und das Sicherstellen der Versorgungssicherheit fordern die Branche. Kurzfristige, kaum vorhersehbare Entwicklungen erfordern immer öfter ein schnelles und entschlossenes Handeln. Der GVM hat sich auf diese Situation eingestellt und etablierte im Berichtsjahr eine professionellere Governance.
«Wir sind gut gestartet, die neue Struktur ermöglicht uns mehr Flexibilität und schnellere Entscheide», betonte Thomas Ernst, Verwaltungsratspräsident des GVM, an der Generalversammlung. Es gelte nun, die neuen Führungsstrukturen innerhalb des Verwaltungsrates zu etablieren und einzuspielen. Grosse Wichtigkeit messe er überdies der Zusammenarbeit mit dem Comité Client, dem Gremium der Aktionäre und Kunden bei. «Mein Ziel ist es, dass wir einen offenen und aktiven Dialog mit unseren Aktionären, Partnern und wichtigen Stakeholder führen.»
Wie kürzlich kommuniziert, wird Dr. sc. ETH Arthur Janssen die Position des CEOs spätestens zum 1. Oktober 2024 übernehmen. Er folgt damit auf Dr. André Kuntz, der die Funktion aktuell interimistisch ausübt. In seiner aktuellen Funktion als Leiter für Strategie und Innovation bei den Industriellen Werken Basel (IWB) ist Arthur Janssen für die strategische Geschäftsentwicklung der IWB verantwortlich. Thomas Ernst kommentierte den Entscheid wie folgt: «Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm und bin überzeugt, dass er mit seiner breiten und fundierten Erfahrung in der Energiebranche und seinem Engagement für Innovation und Nachhaltigkeit die ideale Führungspersönlichkeit ist, um die strategische Weiterentwicklung unseres Unternehmens in Richtung nachhaltiger Energieformen voranzubringen.»
Energiewende 2050 als Herausforderung und Chance
Verstärkt wird sich der GVM mit der Energiewende und der damit verbundenen Dekarbonisierung der Energieträger beschäftigen. «Dies ist für uns Herausforderung wie Chance zugleich», führte Ernst aus und betonte: «Ohne Erdgas wird die Energiewende 2050 nicht gelingen.» Gas und zunehmend auch erneuerbare Gase seien Teil der Lösung, wenn es darum gehe, sowohl die Energieversorgung sicherzustellen und gleichzeitig auch die Dekarbonisierung voranzubringen.
Die Zukunft liegt laut Ernst in einer nächsten Generation von grünen Gasen: Biogas, synthetische Gase oder Wasserstoff. Und weiter: «Die Infrastruktur des GVM ist ein Asset, das in diesem Zusammenhang eine grosse Bedeutung hat. Diesen Trumpf gilt es zu spielen, insbesondere in der politischen Diskussion.» Der GVM wolle seine Rolle als Plattform zwischen dem Markt und den Kunden auch für diese nächste Generation von Gasen wahrnehmen: hochprofessionell und im aktiven Dialog mit seinen Aktionären und Partnern.
Absatz im Geschäftsjahr 2022/2023 rückläufig
André Kuntz, CEO a. i., präsentierte die Zahlen des Geschäftsjahrs 2022/2023. Insgesamt setzte der GVM deutlich weniger Gas ab, was auf die wärmere Witterung und auf Verhaltensänderungen zurückzuführen ist. Mit insgesamt 7442 GWh war der Erdgasabsatz um 24.6 Prozent tiefer als in der Vorjahresperiode.
Im Berichtsjahr hatte der GVM ein neues Beschaffungsmodell ausgearbeitet und per 1. Oktober 2023 implementiert. Dieses erlaubt allen Kunden eine individuelle Strukturierung ihrer Portfolios. Damit möchte der GVM eine hohe Versorgungssicherheit bei höchstmöglicher Preisstabilität anbieten.
Über den Gasverbund Mittelland (GVM)
Der Gasverbund Mittelland (GVM) beschafft und transportiert Gas im Sinne einer Bündelung zu bestmöglichen Konditionen im Auftrag der angeschlossenen 15 Lokalversorger im Mittelland sowie in der Nordwestschweiz. Dazu betreibt der GVM ein eigenes Hochdrucknetz mit Übergabestationen.
Der zukünftige Fokus des GVM liegt auf grünen Gasen – für eine langfristige und nachhaltige Versorgungssicherheit. Damit leistet der GVM einen Beitrag zur Energiestrategie und zum Netto-Null-Ziel der Schweiz im Jahr 2050.