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Fünf feministische Forderungen für den Aargau

(pd) Rund 150 Feminist*innen aus dem ganzen Kanton Aargau versammelten sich am Feministischen Streiktag auf dem Theaterplatz in Baden. Gemeinsam forderten sie eine sichere Finanzierung für das Frauenhaus Aargau-Solothurn, eine Fachstelle für Gleichstellung, bessere Arbeitsbedingungen für Pflegende, einen professionellen Sexualkundeunterricht und genügend Schutz für geflüchtete Frauen und queere Personen.

Die fünf Forderungen stellt das Kollektiv auch an alle Kandidierenden für die Gross- und Regierungsratswahlen. Sie fordern die Kandidierenden dazu auf bis in 2 Monaten ein feministisches Wahlversprechen abzulegen. Das Kollektiv wird danach eine Feministische Wahlempfehlung auf ihrer Webseite publizieren. Unterstützt werden diese Forderungen an die Aargauer Politik ebenfalls von der Frauenzentrale Aargau, Wen-Do und frnw / frauenrechte nordwest.
Die Veranstaltung mit dem Titel FeminisTisch eröffnete die Grüne Regierungsratskandidatin Ruth Müri: “Es braucht aber nicht irgendeine Frau im Regierungsrat, sondern eine Frau, die sich für Gleichstellung engagiert: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gute und bezahlbare
Kinderbetreuung und Erfolg in Bildung und Beruf darf nicht abgängig sein von Herkunft, vom Geschlecht oder vom Status. Ich kämpfe mit euch.”

Zu den einzelnen Forderungen sprachen verschiedene Redner*innen aus der entsprechenden Betroffenenperspektive, aus der Politik und aus dem Kollektiv. Der Beginn zum den genügenden Schutzplätzen machte die Historikerin und Kollektivmitglied Elife Biçer: “Wir werden so lange zu Streiks aufrufen, bis jede Person, egal welches Geschlecht, welche Herkunft und Alter, sich in ihren privaten Räumen geschützt fühlt. Gewalt im privaten Raum ist politisch gemacht. Und wir streiken so lange, bis alle politischen Massnahmen für
Eliminierung von Gewalt und Diskriminierung getroffen und effektiv umgesetzt sind.”
Zur Forderung für Schutz und Sicherheit für geflüchtete Frauen, intergeschlechtliche, trans, non-binäre und agender Personen ergriff SP-Grossrätin und Vorständin beim Netzwerk Asyl Aargau Lea Schmidmeister das Wort: “Wir fordern einen «Sicheren Ort»! Denn die
Betroffenen brauchen Schutz, Ruhe und Sicherheit.Nur mit genügend Ruhe können die Betroffenen wieder schlafen lernen.Nur mit genügend Schlaf kann Deutsch gelernt werden. Und wir fordern gut ausgebildetes und sensibilisiertes Personal! Eine gute Betreuung ist das Benzin, nein die Sonne die eine rasche und nachhaltige Integration unterstützt, eine gute Betreuung wirkt Wunder.”

Die Pflegefachfrau Eva Marti, die ebenfalls Teil des Streikkollektivs ist, teilte zu den fehlenden Ausbildungsplätzen und schlechten Arbeitsbedingungen der Pflegefachkräfte folgendes der jubelnden Menge mit: “In meinem Betrieb hatten wir in den letzten sieben Jahren noch nie so wenig Personal wie jetzt. «Wir finden niemanden», heisst es. Und so brennen diejenigen aus, welche weiterhin im Beruf arbeiten, und die Qualität sinkt. Dabei hat das Stimmvolk Bund und Kantonen einen klaren Auftrag gegeben. Aber alle schieben sich gegenseitig die Problemlösung zu. So geht es einfach nicht weiter!”
Weiter teilte die Mitte- Grossrätin und Präsidentin des Vereins Gleichstellung Aargau Sabine Sutter-Suter mit, dass eine Fachstelle für Gleichstellung für Information, Beratung und Unterstützung braucht. Seit 2018 gibt es im Kanton Aargau keine solche Fachstelle mehr.
Der Verein Gleichstellung setzt sich bereits heute für dieses konkrete Anliegen ein. “Wir brauchen im Kanton Aargau Lösungen für unbezahlte Care-Arbeit und eine echte Familienpolitik.”

Den Abschluss machten die beiden Kanti-Schüler*innen, Kollektivmitglieder und Vorstandsmitglieder der JUSO Aargau Melanie (Meli) Del Fabro und Paula Sommer, die mit Erfahrungsberichten aufzeigten, wie lückenhaft und damit auch gemeingefährlich mit dem
Sexualkundeunterricht im Kanton Aargau umgegangen wird: “Was wir brauchen, ist Sexualkundeunterricht, der die jungen Menschen stärkt, der sie selbstsicherer und vertrauter mit sich und ihrem Umfeld sein lässt.Damit das aber möglich wird, braucht es mehr Stutz! Wir fordern die Regierung auf, endlich mal ins Bildungswesen zu investieren, statt an allen Ecken und Enden zu sparen. Wir brauchen eine Bildungspolitik für die Menschen und ihre Interessen, wir brauchen eine feministische Bildungspolitik.”