Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Überwiegend bewölkt
21 °C Luftfeuchtigkeit: 44%

Donnerstag
7.9 °C | 18.2 °C

Freitag
4.5 °C | 22.1 °C

Der wissenschaftliche Beirat. Foto: zVg

Europäische Partnerschaft für Tiergesundheit und Tierwohl – Schweiz fehlt in zentralem Netzwerk

(pd) In Tallinn trafen sich vom 20. bis 22. April über 400 Fachleute aus ganz Europa, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Tiergesundheit und im Tierwohl auszutauschen. Das Treffen ist Teil der «Europäischen Partnerschaft für Tiergesundheit und Tierwohl», in der mehr als 1000 Expertinnen und Experten zusammenarbeiten. Die Schweiz beteiligt sich derzeit nicht an diesem Netzwerk, was von Fachleuten mit Blick auf die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit kritisch eingeordnet wird.

In der estnischen Hauptstadt Tallinn trafen sich vom 20. bis 22. April über 400 Tierärztinnen, Tierärzte sowie Fachpersonen aus dem Bereich Tierwohl aus ganz Europa. Sie sind Teil eines Netzwerks mit mehr als 1000 Expertinnen und Experten, das im Rahmen der «Europäischen Partnerschaft für Tiergesundheit und Tierwohl» zusammenarbeitet. 

Ziel dieser Initiative ist es, Wissen, Diagnoseinstrumente, Entscheidungsgrundlagen sowie KI-gestützte Anwendungen für Tierärzte und landwirtschaftliche Beratende zu bündeln und die Tiergesundheit gemeinsam ganzheitlich weiterzuentwickeln. 

Tiergesundheit neu gedacht: Wohlbefinden im Fokus 
Im Zentrum der Partnerschaft steht ein erweitertes Verständnis von Tiergesundheit: Entscheidend ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten, sondern auch das Wohlbefinden der Tiere. 

Die Herausforderungen sind erheblich: Nutztiere in Europa sind zunehmend durch Infektionskrankheiten gefährdet. Dazu zählen Viruskrankheiten wie die Vogelgrippe bei Rindern und Geflügel, bakterielle Infektionen wie E. coli in der Schweine- und Geflügelhaltung sowie weiterhin bestehende Risiken durch BSE bei Rindern. 

Auch in der Aquakultur nehmen Gesundheitsprobleme bei Fischen zu, während Honigbienen gleichzeitig unter mehreren Infektionen leiden, die zu erheblichen Verlusten führen. 

Ursachen: Mehr als nur Krankheitserreger 
Zusätzlich verstärken übergreifende Faktoren wie unzureichende Biosicherheit, Stress sowie Störungen des natürlichen Mikrobioms (insbesondere im Verdauungstrakt) das Krankheitsgeschehen. 

Fachleute betonen daher den engen Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Tierwohl: Ungünstige Haltungsbedingungen schwächen das Immunsystem und erhöhen die Anfälligkeit für Krankheiten, während gesunde Tiere weniger Stress und Leiden ausgesetzt sind. 

EU setzt auf Partnerschaften 
Europäische Partnerschaften sind ein relativ neues Förderinstrument der EU. Seit rund drei Jahren vernetzen sie Wissenschaft, Praxis und Politik in zentralen Themenfeldern wie Tiergesundheit, Agrarökologie, Klimawandel, Bodenfruchtbarkeit oder ernährungsbedingten Krankheiten. 

Schweiz bleibt aussen vor 
Die Schweiz beteiligt sich derzeit nicht an diesen Partnerschaften. Angesichts der hohen wissenschaftlichen Qualität und der praktischen Relevanz der Arbeiten wird dies von Fachleuten als verpasste Chance eingeordnet. 

Internationale Zusammenarbeit ermöglicht es oft, Herausforderungen effizienter und kostengünstiger zu bewältigen als nationale Alleingänge. 

Bild: Wissenschaftliche Beirat (v.l.): Norbert Tchouaffe, University of Ebolowa, Kamerun, bringt Perspektiven aus dem globalen Süden ein, insbesondere zu Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung. Andrea Marsella, Fischtierarzt aus Italien, arbeitet an der Diagnose und Bekämpfung viraler Fischkrankheiten. Urs Niggli, Präsident des Instituts für Agrarökologie bringt die Perspektiven von Ökologie, Nachhaltigkeit und globaler Ernährung ein. Der australische Verhaltensbiologe Culum Brown zeigte in seiner Forschung, dass Fische komplexe kognitive Fähigkeiten besitzen und Schmerz empfinden können – mit weitreichenden Konsequenzen für Tierschutz und Aquakultur. Tina Widowski von der University of Guelph, Kanada ist eine international anerkannte Expertin für das Verhalten und Wohlbefinden von Schweinen und Geflügel. Christine Nicol vom Royal Veterinary College in London hat mit ihrer Arbeit entscheidend zur Verbesserung der Geflügelhaltung in Europa beigetragen. Der kanadische Wissenschaftler Daniel M. Weary zählt zu den weltweit bedeutendsten Forschern im Bereich Tierwohl, insbesondere bei Milchkühen. Foto: zVg