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Dem Europäischen Braunbrustigel geht es nicht gut.

Der europäische Braunbrustigel im Überlebenskampf

(pd) Der Europäische Braunbrustigel ist die einzige Igelart, die in der Schweiz heimisch ist. Doch es geht ihm schlecht: Seit zwei Jahren steht er auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und gilt als «potenziell gefährdet». Mit dem Herbst beginnt nun die kritischste Zeit für die stacheligen Wildtiere.

Verschiedene Studien zeigen, dass die Population des Europäischen Braunbrustigels deutlich zurückgeht. Doch woran liegt das? Die grössten Probleme sind der Verlust geeigneter Lebensräume und der nachweisliche Insektenschwund. Dazu gibt es viele Gefahren für den Igel, welcher tagsüber in Nestern schläft und nachts aktiv ist: Der unvorsichtige Einsatz von Gartengeräten, ungesicherte Schächte und Pools, aber auch der Autoverkehr können für Igel zur tödlichen Gefahr werden.

Mit dem Herbst beginnt für den Igel die kritischste Zeit des Jahres, denn der Winterschlaf steht bevor. Um diese Zeit zu überleben, muss der Igel über die Nahrung ausreichend Fettreserven anlegen. Durch den Mangel an Insekten müssen sich Igel jedoch immer häufiger von Schnecken und Regenwürmern ernähren, welche wenig Nährstoffe enthalten und für den Igel krank machende Parasiten übertragen. Diese Mangel- und Fehlernährung führt zu mageren Tieren mit übermässigem Parasitenbefall, welche das für den Winterschlaf notwendige Mindestgewicht nicht erreichen können.

Soll man den Igel durch Fütterung unterstützen?

Grundsätzlich gilt im Natur- und Artenschutz, dass Wildtiere möglichst selbstständig leben und sich ernähren sollen. Menschliche Eingriffe sollten nur erfolgen, wenn sie dem Wohl des einzelnen Tieres dienen, ohne die Art als Ganzes zu schädigen. Die Fütterung birgt das Risiko, natürliche Verhaltensweisen zu beeinflussen, Abhängigkeiten zu schaffen oder Krankheiten zu fördern. Aktuell erreichen viele Igel aus den oben genannten Gründen das überlebensnotwendige Mindestgewicht zum Winterschlaf nicht. Aus diesem Grund ist es aus Tierschutzsicht richtig, den heimischen Braunbrustigel mit geeignetem Futter zeitlich begrenzt zu unterstützen. Allerdings sollten nur Einzeltiere gefüttert und Gruppenfütterungen vermieden werden. Die Fütterung sollte abends erfolgen, möglichst in einem geeigneten Futterhaus, wo zwei Labyrintheingänge dafür sorgen, dass sich zwei Igel gegebenenfalls ausweichen können. Die sonst einzelgängerisch lebenden Tiere neigen zu Streitereien am Futternapf, was wiederum Verletzungen nach sich ziehen kann. Als vorübergehende Ersatznahrung eignet sich getreidefreies Kittennassfutter ohne Gelee oder Kittentrockenfutter. Frisches Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Keine Milch anbieten, denn Igel sind laktoseintolerant. Gerade im Herbst gibt es viele Fälle von verwaisten, kranken, geschwächten oder verletzten Tieren, bei diesen wäre eine alleinige Zufütterung nicht zielführend. Diese Igel müssen fachgerecht in einer Igelpflegestation oder durch einen Tierarzt untersucht und behandelt werden.

Woran erkennt man, dass ein Igel Hilfe braucht?

Konkret braucht ein Igel Hilfe, wenn er:

– Unterernährt aussieht (längliche Form statt Birnenform, Hungerknick hinter dem Kopf)
– von Fegen umschwirrt wird,
– mit Fliegeneiern oder Maden befallen ist,
­ torkelt oder im Kreis läuft,
– verletzt ist, humpelt oder stark hustet,
– Massenbefall mit Zecken und Flöhen aufweist,
– im Spätherbst/Winter als Jungtier untergewichtig ist (mindestens 600 g),
– im Spätherbst/Winter als Alttier untergewichtig ist (mindestens 1000 g),
– tagaktiv ist.

Wie gehe ich bei einem hilfsbedürftigen Igel vor?

Hilfsbedürftige Igel gehören immer in die Hände von Fachleuten. Sichern Sie das Tier vorsichtig mit einem Tuch oder Handschuhen in einer Kiste mit mindestens 30 cm Wandhöhe und holen Sie sich Hilfe bei folgenden Igelexperten, welche telefonisch erreichbar sind und gerne Auskunft geben:

Das Tierheim an der Birs erreichen Sie unter der Nummer 061 378 78 78 von Montag und Samstag zwischen 8 bis 12 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr. Allgemeine Fragen zu Igeln, die keinen Notfall betreffen, werden auch gerne per Mail beantwortet: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..
Die Notfallnummer von Pro Igel ist unter 0800 070 080 von 16 bis 20 Uhr erreichbar. Unter www.igelzentrum.ch oder www.pro-igel.ch ist zusätzlich eine Liste bewilligter Pflegestationen mit entsprechenden Telefonnummern zu finden. Hier besprechen Sie bitte den Anrufbeantworter, sie werden zurückgerufen. Ist der Igel offensichtlich schwer verletzt, bringen Sie ihn bitte direkt zu einem Tierarzt. Der Faktor Zeit spielt bei der Rettung hilfsbedürftiger Igel eine entscheidende Rolle.

Was wir Menschen zur Unterstützung tun können

Dem Igel fehlen natürliche Rückzugsmöglichkeiten und natürliche Nahrung. Um dies zu fördern, sollte im Garten möglichst auf botanischen Artenreichtum und heimische Pflanzen geachtet und auf Gifte verzichtet werden. Heruntergefallene Blätter und Äste lassen sich zu einem Ast-Laubhaufen zusammentragen, der dem Igel Baumaterial und ein ideales Versteck bietet. Wenn nur wenig natürliches Baumaterial anfällt, kann dem Igel auch ein mit Stroh gefülltes Schlafhaus in eine geschütze Ecke des Gartens gestellt werden. Auf der Suche nach Nahrung legen Igel jede Nacht mehrere Kilometer zurück. Dazu müssen die Grundstücke durchgängig sein. Schlupflöcher von 12x12 cm reichen aus. Bodenareale sollte man vor dem Aufräumen mit einem groben Rechen vorsichtig absuchen. Aufräum- und Schneidearbeiten bitte mit Bedacht durchführen. Mähroboter, wenn überhaupt, bitte nur tagsüber fahren lassen.

Bild: Dem Europäischen Braunbrustigel geht es nicht gut.
Foto: zVg