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Caritas Aargau: Verzicht auf notwendige Gesundheitsleistungen – es braucht dringend Entlastung

(pd) Immer mehr Menschen kommen aufgrund der Krankenkassenprämien in finanzielle Schwierigkeiten. In den Sozialberatungen von Caritas Aargau häufen sich die Anfragen um Unterstützung bei der Erhöhung der Franchisen zur Prämienreduktion. Ein Trend, der dann gefährlich wird, wenn auf den Arztbesuch verzichtet wird, um die Kosten für die Franchise einzusparen. Abhilfe schaffen könnte die Prämien-Entlastungs-Intiative.

Gemäss Bundesamt für Statistik hat sich die durchschnittliche Krankenkassenprämie seit ihrer Einführung im Jahr 1996 mehr als verdoppelt. Die Löhne hingegegen sind im selben Zeitraum weniger angstiegen. Dies führt dazu, dass die Krankenkassenprämien das Portemonnaie der Schweizer Bevölkerung immer stärker belasten. Besonders betroffen sind Haushalte mit geringerem Einkommen. Da die Krankenkassenprämie eine einkom-mensunabhängige Pro-Kopf-Prämie ist, werden Haushalte im untersten Einkommensfünftel besonders belastet. Die Krankenkassenprämien sind nach Wohnen und Energie der zweitgrösste Budgetposten für ärmere Haushal-te – knapp vor den Ausgaben für Lebensmittel.

Betroffen sind jedoch nicht mehr nur die 1,34 Millionen armutsbetroffenen- oder gefährdeten Menschen in der Schweiz. Gemäss einer Befragung aus dem Jahr 2022 verzichtete fast ein Fünftel der Bevölkerung, also rund 1,7 Mio Menschen, in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal aus Kostengründen auf einen Arztbesuch. Diese Zahl deckt sich mit den neusten Armutszahlen, wonach fast ein Fünftel der Menschen hierzulande für eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken nicht aufkommen kann.

Die Auswirkungen der steigenden Prämienbelastung sind schwerwiegend: Viele Menschen mit schmalem Budget erhöhen ihre Franchise, um Prämien zu sparen. Da die Franchise dann jedoch oftmals ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigt, verzichten sie auf notwendige Gesundheitsleistungen. Mit zum Teil verheerenden Folgen, wie ein Beispiel aus den Sozialberatungen der Kirchlichen Regionalen Sozialdienste (KRSD) von Caritas Aargau zeigt. Ein Familienvater suchte trotz anhaltender starker Schmerzen in der Lunge keinen Arzt auf. Als er notfallmässig ins Spital eingeliefert wird, stellt sich heraus, dass er Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium hat. Ein frühzeitiger Untersuch hätte seine Überlebenschancen erhöht.

Die Vermeidung von Arztbesuchen oder die Schuldenfalle bei unvorhergesehenen medizinischen Eingriffen sind nur zwei mögliche Folgen der hohen Krankenkassenprämien. «Wir beobachten in unseren Sozialberatungen, dass die Menschen zum Beispiel auch auf Versicherungen wie Rechtsschutz oder Hausrat verzichten, nicht mehr zum Zahnarzt gehen oder sich die Psychotherapie nicht mehr leisten können, auch wenn diese dringend nötig wäre», stellt Annick Grand, Co-Bereichsleiterin der Kirchlichen Regionalen Sozialdienste, fest. Auch andere Organisationen des «Netzwerks Sozialer Aargau» stellen diese Problematik bei ihrem Klientel fest.

Die Prämien-Entlastungs-Initiative könnte Abhilfe schaffen. Diese verlangt eine Deckelung der Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) bei 10 Prozent des verfügbaren Einkommens. Das bedeutet, dass keine Person mehr als 10 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Krankenkassenprämien der Grundversicherung aufwenden müsste. Nach Abzug der Individuellen Prämienverbilligung beträgt die restliche Prämienbelastung für Haushalte in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen derzeit im Schnitt 14 Prozent des verfügbaren Einkommens. Die prozentuale Belastung variiert allerdings sehr stark zwischen den Kantonen und ist je nach Haushaltszusammensetzung zum Teil sogar höher als 14 %. Für die Betroffenen braucht es dringend eine Entlastung. Caritas Aargau und das Netzwerk Sozialer Aargau sehen grossen Handlungsbedarf und unterstützen die Prämien-Entlastungs-Initiative.