(pd) Bei einem Ereignis mit vermuteter oder tatsächlicher Freisetzung von Radioaktivität gibt es einen grossen Bedarf nach Kontrollmessungen bei Lebensmitteln und Landwirtschaftsprodukten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS hat in Zusammenarbeit mit sieben Kantonen die Messkapazität erweitert, um im Ereignisfall die beteiligten Kantonslaboratorien koordiniert für die Messung von Lebensmitteln und damit für den Schutz der Bevölkerung einzusetzen.
Die intensive Messung von Lebensmitteln soll im Ereignisfall sicherstellen, dass keine kontaminierten Lebensmittel in den Handel gelangen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS hat im Verlauf des Jahres Verträge mit den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Graubünden, Luzern, Tessin und Zürich abgeschlossen. Diese sieben Kantone stellen sicher, dass in ihren Kantonslaboratorien Kapazitäten und Know-how zur Messung von Radioaktivität in Lebensmitteln aufrechterhalten werden. In einem Ereignisfall stehen bis 50 % der Messkapazität der von der Nationalen Alarmzentrale (NAZ) gesteuerten Probenahme- und Messkampagne zur Verfügung. Diese Messkapazität kann auch zur Unterstützung anderer Kantone eingesetzt werden, die über keine Laborkapazitäten verfügen.
Im Normalfall werden die dafür notwendigen Messgeräte von den Kantonen für Kontrollmessungen verwendet. Als Vorbereitung auf mögliche Ereignisfälle nehmen die KRIL (Interkantonale Kompetenzzentren für die Radioaktivitätsmessung in Lebensmitteln) regelmässig an Übungen der NAZ, an Workshops und an Messkampagnen zur Überprüfung der Messgeräte teil.
Finanzielle Entschädigung
Für das Sicherstellen der Einsatzbereitschaft, die Ausbildung und die Wartung werden die teilnehmenden Kantonslaboratorien vom BABS finanziell mit einer jährlichen Pauschale entschädigt. Dem BABS entstehen jährliche Kosten von 140'000 Franken. Zusätzlich finanziert das BABS jedem KRIL einmalig ein neues Radioaktivitätsmessgerät zur Messung von Lebensmitteln, um die Messkapazität zu erhöhen und eine Redundanz sicherzustellen. Dank der Verträge sind die Zusammenarbeit, die Zuständigkeiten und die Prozesse in Bereich Lebensmittelmessungen zwischen Bund und Kantonen nun klar geregelt.
Erweiterung der Messorganisation
Eine Zusammenarbeit zwischen dem BABS und anderen Organisationen besteht bereits für die Messung von Radioaktivität in der Umwelt. Dafür werden im Rahmen der Messorganisation Messmittel des Bundes, der Kantone und weiterer Organisationen koordiniert zum Einsatz gebracht. Auftrag der Messorganisation ist es, eine umfassende Übersicht über die radiologische Lage herzustellen und aufzuzeigen, ob und in welchen Gebieten eine Gefährdung durch erhöhte Radioaktivität besteht. Der Einsatz der Messorganisation wird von der NAZ gesteuert.
Verschiedene Speziallaboratorien des Bundes, darunter auch das Labor Spiez des BABS, sind bereits in die Messorganisation integriert. Mit der Erweiterung der Messorganisation durch die KRIL wird nun ein wichtiges Teilgebiet der Radioaktivitätsmessung, nämlich die Messung von Lebensmitteln, gestärkt.