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Altersdiskriminierung in der Schweiz: Eine unterschätzte Ursache von Gewalt im Alter

(pd) Gewalt gegen ältere Menschen in der Schweiz ist weit verbreitet – und dennoch oft unsichtbar. Gemäss Bundesrat (2026) sind jährlich zwischen 300'000 und 500'000 Menschen ab 60 Jahren von Gewalt oder Vernachlässigung betroffen. Ein zentraler, bisher unterschätzter Faktor ist Ageismus: Diskriminierung aufgrund des Alters.

Weit verbreitet – und oft verharmlost

Ageismus betrifft in der Schweiz einen grossen Teil der Bevölkerung. Knapp jede dritte Person gibt an, bereits Altersdiskriminierung erfahren zu haben. Besonders deutlich wird dies im Gesundheitsbereich: Rund 30 Prozent der über 70-Jährigen fühlen sich aufgrund ihres Alters nicht gleichbehandelt. Ageismus zeigt sich häufig in subtilen Formen – etwa in Bevormundung, Ausgrenzung oder durch Entscheidungen, die ohne Einbezug der Betroffenen gefällt werden. Solche Verhaltensweisen werden oft stillschweigend toleriert, haben jedoch Folgen: Sie schwächen die Autonomie sowie das Selbstwertgefühl älterer Menschen und erschweren den Zugang zu ihrem Recht.

Ein Risikofaktor für Gewalt

Der Zusammenhang zwischen Ageismus und Gewalt ist eng. Die Abwertung älterer Menschen begünstigt Grenzüberschreitungen und Misshandlungen – beispielsweise Vernachlässigung, psychischen Druck oder übermässige Kontrolle. Die meisten Fälle treten im nahen Umfeld auf, insbesondere in Familien oder Betreuungssituationen. Viele Betroffene schweigen – aus Scham, aus Angst oder aufgrund ihrer Abhängigkeit.

Nationale Anlaufstelle Alter ohne Gewalt

Das nationale Kompetenzzentrum Alter ohne Gewalt, gegründet 2022, nimmt in diesem Kontext eine zentrale Rolle ein. Es ist die spezialisierte Anlaufstelle in der Schweiz für Fragen rund um Gewalt, Misshandlung und Altersdiskriminierung.

Das Angebot umfasst:

  • Sensibilisierung der Bevölkerung und von Fachpersonen
  • Beratung und Unterstützung für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen
  • Vernetzung und Wissensaufbau auf nationaler Ebene

Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und anonym und in der ganzen Schweiz unter 0848 00 13 13 erreichbar. Im Jahr 2025 wurden 357 Fälle von Gewalt gemeldet – ein deutlicher Hinweis auf den Bedarf an niederschwelligen Unterstützungsangeboten. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Fälle insbesondere im Bereich Ageismus unerkannt bleiben.

Ein zu erschliessendes Potential

Neben der Fallbearbeitung verfügt das Kompetenzzentrum über ein Potenzial, um Ageismus gezielter zu thematisieren und zu reduzieren. Dazu gehören insbesondere:

  • eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zu Altersdiskriminierung
  • eine bessere Anerkennung von Ageismus als strukturelles Problem
  • ein Ausbau der Beratungsangebote bei entsprechenden Fragestellungen

Der Handlungsbedarf ist gross, da Altersdiskriminierung in der Schweiz bislang nur begrenzt politisch und rechtlich adressiert wird.

Politik und Zivilgesellschaft ziehen nach

Das Thema gewinnt an Dynamik. Die Petition der FARES/VASOS macht auf bestehende Lücken im Schutz vor Altersdiskriminierung aufmerksam. Gleichzeitig hat der Bund im März 2026 das Programm «Gewalt im Alter verhindern» (2026–2030) lanciert, das Prävention, Früherkennung und Sensibilisierung stärken soll. In diesem Umfeld kommt dem Kompetenzzentrum Alter ohne Gewalt eine zentrale Rolle zu.

Gesellschaftlicher Handlungsbedarf

Mit dem demografischen Wandel wird die Thematik weiter an Bedeutung gewinnen. Gewalt im Alter lässt sich nicht ohne die Bekämpfung von Ageismus reduzieren. Die Stärkung von Sensibilisierung, Beratung und Unterstützung ist entscheidend, um die Rechte, die Würde und die Selbstbestimmung älterer Menschen in der Schweiz nachhaltig zu sichern.