(pd) In den meisten Branchen berichten die Unternehmen über ein positives Geschäftsjahr und blicken optimistisch in die Zukunft – doch es gibt Ausnahmen. Mit Blick auf die wirtschaftlich und politisch angespannte Lage ist die positive Einschätzung keine Selbstverständlichkeit. Beim Investieren am Standort Aargau sehen die Unternehmen erheblichen Handlungsbedarf. Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, ist keine Option. Die AIHK fordert deshalb weniger Bürokratie beim Bauen, den kontinuierlichen Ausbau der Infrastruktur sowie eine Steuerfusssenkung.
Die AIHK hat ihre Mitglieder im Januar 2025 befragt. 448 Unternehmen aus verschiedenen Branchen haben an der Umfrage teilgenommen. Die Resultate wurden nach Anzahl der Beschäftigten gewichtet.
Überraschend positive Stimmung, aber…
Bereits im letzten Jahr hatte sich die Konjunktur abgekühlt. Dennoch fallen die Ergebnisse erneut positiv aus. Der Trend aus dem vergangenen Jahr setzt sich somit fort. Die wirtschaftliche Lage ist weiterhin angespannt. Auch politisch ist die Situation mit der neuen US-Administration und der Fortsetzung der verschiedenen Kriege von Unsicherheit geprägt. Umso erfreulicher sind die guten Resultate der Wirtschaftsumfrage. Insgesamt fallen die Antworten aus dem Dienstleistungssektor positiver aus jene aus dem Industriesektor. Dies ist insofern nicht überraschend, weil die Industrie stärker von der schwachen Wirtschaftsdynamik im Ausland betroffen ist.
Zu den zentralen Belastungsfaktoren – allem voran im Inland – zählen die gestiegenen Einkaufspreise. Mattia Farei-Campagna, Partner und Volkswirt bei Fahrländer Partner Raumentwicklung, sagt dazu: «Die Einkaufspreise im Ausland haben sich dank des starken Frankens etwas stabilisiert.»
Erwarteter Stellenabbau bleibt aus
Auch wenn die Rückmeldungen insgesamt positiv sind, wirkt sich die negative Wirtschaftsdynamik im Ausland zunehmend negativ auf den Arbeitsmarkt aus. Davon zeugt die Arbeitslosenquote, die gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen ist. Farei-Campagna führt aus: «Temporär gab es eine Zunahme von Kurzarbeitsanträgen und in Einzelfällen Stellenstreichungen. Die schwachen Prognosen der letzten Wirtschaftsumfrage haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Gemäss der diesjährigen Umfrage konnte 2024 sowohl der Dienstleistungs- als auch der Industriesektor das Personal aufstocken.»
Hohe Bedeutung ausländischer Arbeitskräfte
Der Aargau ist ein Grenzkanton. Vor diesem Hintergrund und durch seinen hohen Industrieanteil ist er stark exportorientiert und auf spezialisierte Arbeitskräfte angewiesen. Die Zuwanderung wird jedoch zunehmend kritisch beurteilt. Ebenso stehen mit den neuen Verträgen mit der EU sowie der Nachhaltigkeits-Initiative der SVP zwei wichtige Abstimmungen bevor, welche die Zuwanderung massgebend beeinflussen könnten.
Die AIHK hat deshalb ihre Mitglieder im ersten Teil der aktualitätsbezogenen Fragen zur Wichtigkeit der ausländischen Erwerbsbevölkerung für ihren Betrieb befragt. AIHK Direktor Beat Bechtold erläutert: «Fast alle Branchen sind auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen, um ihre Nachfrage zu decken. Besonders essenziell sind diese Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland sind die Spitäler nicht funktionsfähig.»
Investitionen in Standort: Langwierige Verfahren und komplizierte Bürokratie
Der zweite Teil der Sonderfragen widmet sich dem Bauen sowie den Bau- und Nutzungsordnungen. Bechtold sagt: «Der Boden wird immer knapper. Alle hätten am liebsten nur Firmen, die kaum Platz benötigen und keinen Lärm machen. Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit sind aber entschieden zu bekämpfen.» Die Resultate der Umfrage sprechen hier eine deutliche Sprache: Zwar konnte der Grossteil der befragten Unternehmen (90,5 Prozent) bisher alle Investitionen tätigen, mit der aktuellen Situation zufrieden sind jedoch nur 6,4 Prozent. Die grosse Mehrheit spricht sich für politische Massnahmen aus. Die populärste Massnahme ist die Vereinfachung und Beschleunigung der Bewilligungsverfahren.
Gute Standortqualität Aargau, aber kein Grund sich auszuruhen
Der Unternehmensstandort Aargau wird von den Firmen im Kanton geschätzt. Die Einschätzungen fallen leicht positiver aus als im Vorjahr. Ebenso können die Unternehmen ihre offenen Stellen leichter besetzen. Lorin Sidler, Volkswirt bei Fahrländer Partner Raumentwicklung erklärt: «Durch die anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage im Ausland wurden die Unternehmen ein wenig zurückhaltender beim Schaffen neuer Stellen. Dies mündet in einer leichten Abschwächung des Arbeitskräftemangels.
Einzig bei der Einschätzung der steuerlichen Attraktivität hat sich das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr leicht verschlechtert. Der Handelskammer-Direktor fordert: «Die Nachbarkantone schlafen nicht. Der Aargau muss dranbleiben und unter anderem seine Steuerstrategie konsequent weiterverfolgen. Der nächste Schritt ist die Annahme der Steuergesetzrevision 2025. Ab 2026 muss der Steuerfuss deutlich sinken.»