Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Überwiegend bewölkt
24.1 °C Luftfeuchtigkeit: 39%

Sonntag
7.2 °C | 16.4 °C

Montag
4.6 °C | 15.6 °C

AIHK Wirtschaftsumfrage 2023: Aargauer Unternehmen trotzen widrigen Umständen

(pd) Die nicht enden wollende Serie von Krisen und Schocks trifft die einzelnen Branchen zwar unterschiedlich, grundsätzlich melden die Aargauer Unternehmen aber eine robuste Wirtschaftslage. Die konjunkturelle Stimmung ist nach wie vor gut. Dies ist das Fazit der im Auftrag der Aargauischen Industrie- und Handelskammer AIHK von Fahrländer Partner Raumentwicklung durchgeführten Wirtschaftsumfrage 2023.

Die AIHK hat ihre Mitglieder im Januar 2023 befragt. 461 von 1319 angeschriebenen Unternehmen haben an der Umfrage teilgenommen. Das entspricht einer Rücklaufquote von rund 35 Prozent. Die Wirtschaftsumfrage repräsentiert somit gut 17 Prozent der Vollzeitstellen im Kanton Aargau.

Aargauer Unternehmen sehen 2023 verhalten optimistisch entgegen
Mit dem Ukraine-Krieg, der Energiekrise, der Inflation, dem Fachkräftemangel sowie den gestörten Lieferketten bestehen vielfältige Herausforderungen. Trotzdem wird das Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr sowohl im Rück- als auch im Ausblick in beinahe allen Branchen positiv beurteilt, wobei der Dienstleistungssektor deutlich zufriedener auf das vergangene Jahr zurückblickt als der Industriesektor. «Über den Optimismus freuen wir uns. Er zeigt, wie krisenresistent die Aargauer Unternehmen sind», sagt AIHK Direktor Beat Bechtold.
Die Einschätzungen zum aktuellen Jahr sind etwas weniger optimistisch als nach vor Jahresfrist. Dennoch wird im Schnitt mit einer nach wie vor guten Entwicklung des laufenden Geschäftsjahres gerechnet. Zu den zentralen Faktoren, welche die Wirtschaftslage eintrüben, zählt allen voran die Inflation, die in vielen Ländern deutlich über den Zielwerten der Zentralbanken liegt.
Dabei ist die exportorientierte Schweizer Wirtschaft stark von der konjunkturellen Erholung im Ausland abhängig. Und auch wenn sich die Teuerung in den letzten Monaten des Jahres 2022 rückläufig entwickelt hat, liegt eine Normalisierung in weiter Ferne. Die globale Wachstumsdynamik hat sich sogar weiter verlangsamt. Zu Jahresbeginn ist die Inflation in der Schweiz entsprechend gestiegen.
Als weitere bremsende Faktoren erschweren die Verknappung des Arbeitskräfteangebots die wirtschaftliche Erholung, die Lieferkettenproblematik ist nach wie vor Thema und die Energiekrise – wenn aktuell auch am Abflachen – wird spätestens im kommenden Herbst wieder an Relevanz gewinnen.

Divergierende Einschätzung der Ertragslage
Abgesehen von der Einschätzung des allgemeinen Geschäftsjahres fallen die Rückmeldungen zu weiteren Indikatoren uneinheitlich aus. Allen voran deutet die Ertragslage darauf hin, dass sich das vergangene wie auch das laufende Jahr über die verschiedenen Branchen hinweg äusserst unterschiedlich entwickelt hat und entwickeln wird. Neben Energieversorgern berichten vorwiegend IT-Unternehmen und Hersteller von sonstigen Waren von einer sehr positiven Ertragslage 2022, im Ausblick rechnet neben den Energieversorgern primär die Pharmaindustrie mit einer guten Entwicklung.
Zu den zentralen Themen zählt der Anstieg der Einkaufspreise im In- wie im Ausland, der branchenübergreifend weiterhin eine grosse Herausforderung darstellt und den Druck auf die Ertragslage auch im laufenden Jahr aufrechterhalten dürfte. Zudem verringert der starke Schweizer Franken den Umsatz aus Exporten, da Unternehmen ihre Preise im Ausland senken müssen. Die im Vergleich zum Ausland milde Inflation gleicht die durch den aufgewerteten Franken verteuerten Exporte teilweise aus.

Energiekrise birgt weiterhin Gefahren
Die Energiekrise mit den stark gestiegenen Gas- und Strompreisen ist noch nicht vom Tisch, auch wenn die Wirtschaft den Winter 2022/23 bisher ohne drastische Einschränkungen überstanden hat. Rund drei Viertel der teilnehmenden Unternehmen der Wirtschaftsumfrage 2023 schätzen die Energiepreissteigerung als nicht existenzbedrohend ein, Mehrkosten sind für die meisten aber unumgänglich.
«Glücklicherweise droht Überschuldung wegen der Energiepreise nur in Einzelfällen. Dennoch berichten einige befragte Unternehmen über drohende Liquiditätsengpässe», erläutert Dominik Matter, Volkswirt und Partner bei Fahrländer Partner Raumentwicklung. «Am verbreitetsten ist dies in der Branche Gummi- und Kunststoffwaren, gefolgt von der Textil- und der Metallindustrie», so der Experte.
«Möchte der Wirtschaftsstandort Schweiz auch in Zukunft für energieintensive Industrieunternehmen attraktiv bleiben, brauchen wir einen raschen Ausbau der inländischen Stromerzeugung», ist Bechtold überzeugt und ergänzt: «Die Energieversorgung ist eine typische Rahmenbedingung. Es darf nicht zur Normalität werden, dass Unternehmen enorme Beträge investieren müssen, um die mangelnde Versorgungssicherheit auszugleichen.»

Standortwettbewerb gewinnt an Bedeutung
Gemäss den Rückmeldungen der diesjährigen Wirtschaftsumfrage wird der Kanton Aargau nach wie vor geschätzt: Mehr als drei Viertel der teilnehmenden Unternehmen bewerten den Wirtschaftsstandort als «gut» bis «sehr gut». Die Verantwortlichen der Unternehmen erachten die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal insgesamt jedoch nur noch als «befriedigend». Damit hat sich die Zufriedenheit in dieser Hinsicht im Vergleich zu den Resultaten aus dem Vorjahr markant verschlechtert und deutet auf eine akute Verknappung des Arbeitskräfteangebots hin.
Auch bei der Steuerbelastung wird der Kanton Aargau mehrheitlich als «befriedigend» beurteilt. «Mit der Einführung der OECD-Mindeststeuer wird der Steuerwettbewerb eher an Relevanz verlieren. Umso wichtiger werden Standortvorteile wie die verkehrstechnische Erreichbarkeit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal», ist AIHK Direktor Beat Bechtold überzeugt.