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AIHK: Dringend nötiger Effort in der Energieproduktion – trotz genereller Entwarnung

(aihk) Die Lage in der Energieversorgung ist nach wie vor angespannt. Für diesen Winter sei die Versorgung mit Strom und Erdgas gewährleistet, teilt der Kanton heute mit. Doch die mittelfristige Gefahr einer Mangellage sei damit längst nicht gebannt, meint die Aargauische Industrie- und Handelskammer AIHK. Auf einen milden Winter oder die französi-schen Kernkraftwerke zu hoffen, könne und dürfe kein Zukunftsrezept sein.

Trotz Entwarnung ruft der Kanton zum weiteren Energiesparen auf. Denn im kommenden Winter könnte es schon wieder knapp werden. Und je weniger Energie jetzt verbraucht wird, desto mehr kann der Winterreserve zugeführt werden.
Mit der Entwarnung für diesen Winter endet auch der regelmässige Austausch der Gruppe «Dialog Wirtschaft», in welcher sich der Kanton mit Vertretern von Arbeitgeber- (u. a. AIHK) und Arbeitnehmerseite zum Thema Versorgungssicherheit ausgetauscht hat. Der «Dialog Wirtschaft» habe sich bewährt, führt AIHK Direktor Beat Bechtold aus: «Der Einbezug der Wirtschaft bei den Konsultationen zuhanden des Bundes war ein Learning, das der Kanton aus der Coronavirus-Pandemie gezogen hat.»
Zwei wichtige Anliegen der Wirtschaft werden nun umgesetzt: Unternehmen, die über stationäre Notstromgruppen verfügen, können diese bei einer Kontingentierung und bei Netzabschaltungen ohne zeitliche Beschränkung einsetzen. «Die Aufhebung der 50-Stunden-Obergrenze war eine zwingende Voraussetzung», führt Bechtold aus und ergänzt: «Alles andere wäre in einer solchen Notsituation unrealistisch.» Ebenso wird ab kommendem Winter die verteilnetzübergreifende Kontingentierung möglich sein. Dies ermöglicht Grossunternehmen mit mehreren Standorten, einen Standort vollständig herunterzufahren und an den anderen zu 100 Prozent zu produzieren.
Trotz der Umsetzung dieser erfreulichen Massnahmen ist die grösste Herausforderung noch nicht überwunden: Die Versorgungssicherheit mit Strom ist auf mittlere Sicht nach wie vor nicht gewährleistet. Dazu kommt, dass sich die Schweiz bis 2050 von den fossilen Energieträgern verabschieden möchte. Die Nachfrage nach Strom wird also entsprechend stark steigen. Beat Bechtold kommentiert: «Im Jahr 2022 stammte 37 Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms aus der Kernkraft. Wie dieser Strom ersetzt werden soll, ist nach wie vor offen.» Dies bedeutet konkret: Der Bedarf an Strom wird massiv steigen, gleichzeitig wird die nach der Wasserkraft grösste Form der Stromproduktion wegfallen.
Dieser Mix ist für den Wirtschaftsstandort aus mehreren Gründen gefährlich. Der AIHK Direktor erläutert: «Die künftige Stromversorgung ist die grosse Unbekannte und wird in die Entscheidung einfliessen, ob und in welchen Standort man investieren soll.» Neben der ausreichenden Verfügbarkeit spielen auch die Energiepreise eine grosse Rolle. Die gestiegenen Kosten beeinflussen die Unternehmen be-reits heute, und einige sind dadurch sogar in ihrer Existenz bedroht. Dies veranschaulichte die kürzlich von der der AIHK publizierte Wirtschaftsumfrage.
Der Ausbau der inländischen Stromversorgung ist deshalb dringend. Dies gilt insbesondere für erneu-erbare Energieträger, die heute mit Ausnahme der Wasserkraft nur einen marginalen Beitrag leisten.
«Wir brauchen in der Schweizer Energiepolitik einen enormen Effort. Man muss den Ausbau endlich priorisieren und Schutzinteressen gegen das öffentliche Interesse abwägen», betont Beat Bechtold. «Ebenso gehört das Technologieverbot, gerade mit Blick auf die Kernkraft, abgeschafft.»