(agv) Im Jahr 2023 blieb der Kanton Aargau von grossen Unwettern weitestgehend verschont. Das Hagelereignis, welches den Kanton Aargau im Juli des vergangenen Jahres getroffen hat, war mit rund dreitausend gemeldeten Schäden und einer Schadensumme von 17.6 Millionen Franken das grösste Ereignis im Geschäftsjahr 2023.
Die obligatorische Gebäudeversicherung weist für 2023 ein positives Jahresergebnis von 41.8 Millionen Franken aus. Davon profitieren auch Kundinnen und Kunden: Der Verwaltungsrat beschloss einen Prämienrabatt von 50 Prozent auf die Prämienrechnung 2024 zu gewähren. Für die Sparte der Gebäudewasserversicherung weist die AGV für 2023 ebenfalls ein positives Jahresergebnis von 7.5 Millionen Franken aus.
Feuer- und Elementarschadenversicherung
In der Sparte der obligatorischen Gebäudeversicherung resultierte im vergangenen Jahr ein Überschuss von 41.8 Millionen Franken. Der Verwaltungsrat lässt die Hauseigentümerinnen und ‑eigentümer an diesem erfreulichen Resultat partizipieren und hat beschlossen, für die Feuer- und Elementarschadenversicherung auf der Jahresrechnung 2024 einen Prämienrabatt von 50 Prozent zu gewähren. «Als nicht gewinnorientiertes Unternehmen lassen wir unsere Kundinnen und Kunden am Erfolg der AGV teilhaben. Es freut uns, dass dadurch 48 Millionen Franken an unsere Kundinnen und Kunden zurückfliessen», sagt der Verwaltungsratspräsident David Winteler.
Im Jahr 2023 wurden der AGV insgesamt 6'759 Feuer- und Elementarschäden (2022: 3'539) mit einer Schadensumme von 45.3 Millionen Franken gemeldet. Die Zunahme gegenüber dem letzten Jahr ist auf eine höhere Zahl von Elementarschäden zurückzuführen. Verzeichnete die AGV im Jahr 2022 2'715 Elementarschäden, so waren es im Jahr 2023 5'904. Im Juli wurde der Kanton Aargau durch ein mittleres Hagelereignis getroffen, das mit rund dreitausend gemeldeten Schäden und einer Schadensumme von
17.6 Millionen Franken das grösste Ereignis im Geschäftsjahr 2023 darstellt. Insgesamt beliefen sich die Elementarschäden 2023 auf 27.0 Millionen Franken. Im Berichtsjahr wurden der AGV 854 Feuerschäden gemeldet, leicht mehr als im Vorjahr (2022: 824). Das grösste Brandereignis mit einer Schadensumme von 1.3 Millionen Franken ereignete sich in einem leerstehenden Geschäftshaus mit Lager in Seon. Insgesamt beliefen sich die Feuerschäden 2023 auf 18.3 Millionen Franken und lagen damit deutlich unter dem Vorjahr.
Im Jahr 2023 versicherte die AGV 235’924 Gebäude gegen Feuer- und Elementarschäden, das sind 0.4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Versicherungswert aller bei der AGV versicherten Gebäude stieg um
8.2 Prozent auf 253.3 Milliarden Franken.
Kennzahlen Feuer- und Elementarschadenversicherung
2023 in Mio. CHF 2022 in Mio. CHF
Anzahl versicherte Gebäude 235’924 235’099
Versicherungswert 253’309 234’021
Prämien 92.0 85.4
Kapitalertrag 72.8 -111.9
Gesamtschaden 45.3 40.3
davon Feuerschäden 18.3 32.2
davon Elementarschäden 27.0 8.1
Ergebnis 41.8 -81.5
Gebäudewasserversicherung
Im Jahr 2023 sank die Anzahl der bei der AGV versicherten Gebäude leicht auf 113'485 (2022: 114'206). Der Versicherungswert hingegen stieg um 7.1 % von 103,2 Milliarden Franken auf 110.5 Milliarden Franken. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Prämieneinnahmen auf 30.1 Millionen Franken (2022: 28.7 Mio.). Die AGV verzeichnete für das Jahr 2023 6'763 Gebäudewasserschäden (2022: 6'272) mit einer Schadensumme von 33.0 Millionen Franken (2022: 30.9 Millionen Franken). Bei der freiwilligen Gebäudewasserversicherung weist die AGV für 2023 ein positives Jahresergebnis von 7.5 Millionen Franken aus (2022: -19.3 Mio.).
AGV – «Dreifacher Schutz»
Neben den Versicherungssparten hat die AGV noch zwei weitere Geschäftsbereiche. So setzt sich die AGV in der Prävention für den Brandschutz und den Schutz vor Naturgefahren ein. Mit präventiven Massnahmen können Schäden vermindert oder gar verhindert werden. Im Bereich der Intervention investiert die AGV ins Feuerwehrwesen und sorgt dafür, dass die Gesetze zum Feuerwehrwesen umgesetzt und eingehalten werden. Weiter sorgt die AGV für sehr gut ausgebildete Führungspersonen in der Feuerwehr. «Die drei Schutzaufgaben der AGV – Prävention, Intervention und Versicherung – wirken positiv aufeinander. Sie sorgen für einen optimierten Personen- und Sachwertschutz und führen zu günstigen Versicherungsprämien. Der Dreifachschutz ist das Erfolgsrezept der Kantonalen Gebäudeversicherungen», erklärt André Meier, Vorsitzender der Geschäftsleitung.
Die Spezialistinnen und Spezialisten der Elementarschadenprävention beurteilten 2023 bei 2'257 Gebäuden das Elementarschadenrisiko. Wo nötig, empfahlen sie geeignete Objektschutzmassnahmen. In 115 Fällen gewährte die AGV finanzielle Beiträge für Massnahmen des Objektschutzes, insgesamt 0.6 Millionen Franken.
Die AGV beteiligt sich gemäss § 11 der Präventionsfondsverordnung seit 2016 finanziell an den Kosten von Wasserbauprojekten im Rahmen des übergeordneten Hochwasserschutzes. Die AGV bezahlt 5 Prozent der Investitionskosten von Wasserbauprojekten, die den koordinierten Objektschutz in der Bauzone bezwecken. Die AGV hat seit 2016 für 53 Projekte Zusicherungen in der Höhe von insgesamt 5.2 Millionen Franken erteilt. Für das Berichtsjahr 2023 sind es 0.4 Millionen Franken.
Die Spezialistinnen und Spezialisten für Brandschutz haben 2023 717 Brandschutzbewilligungen bearbeitet sowie 530 Abnahmekontrollen von Brandschutzbewilligungen und 148 periodische Kontrollen durchgeführt.
Die Angehörigen der Aargauer Feuerwehren bekämpfen nicht nur Brände, sondern sind auch bei Elementarereignissen wie beispielsweise Überschwemmungen im Einsatz und tragen so wesentlich zur Schadenminderung bei. Im Berichtsjahr wurden die aargauischen Feuerwehren zu 5’835 Einsätzen aufgeboten. Insgesamt richtete die AGV im Jahr 2023 Beiträge an die Gemeinden im Umfang von 7.44 Millionen Franken aus, unter anderem für Wasserversorgungs- und Hydrantenanlagen, Feuerwehrlokale und -einrichtungen, Motorfahrzeuge und Pauschalbeiträge für Feuerwehren. In die Ausbildung der Aargauer Feuerwehren investierte die AGV im Jahr 2023 1.9 Millionen Franken.
Der Grosse Rat hat am 8. Dezember 2020 die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung des Mietmodells «Brandschutzbekleidung» geschaffen. Das Submissionsverfahren konnte im Herbst 2023 nach einem Entscheid des Bundesgerichts abgeschlossen und die Werkverträge für das innovative Mietmodell der Brandschutzausrüstung abgeschlossen werden. Während einer «Warm-up Phase», die bis Ende 2024 dauert, werden die Abläufe – von der Bestellung über die individuelle Anmessung der Ausrüstung bis hin zur Auslieferung – mit einigen Feuerwehren getestet. Ab dem 1. Januar 2025 können alle Feuerwehren die neue Ausrüstung im Mietmodell bei der AGV beziehen.
Aargauische Gebäudeversicherung AGV
Die AGV ist ein öffentlich-rechtliches, finanziell selbständiges Unternehmen des Kantons Aargau. Alle Gebäude im Kanton Aargau sind obligatorisch bei der Gebäudeversicherung gegen Feuer- und Elementarschäden versichert. Die AGV bietet zudem auf freiwilliger Basis die Gebäudewasserversicherung an (Gebäudeschäden aus defekten Wasserleitungen und Kanalisationsrückstau, Grundwasserschäden etc.). Handlungen und Leistungen der AGV basieren auf einer gesetzlichen Grundlage. Die AGV richtet sich am Grundsatz «dreifacher Schutz» aus. Schadenverhütung, Schadenbekämpfung und Versicherung sind untrennbar unter ihrem Dach verbunden. Können die Schäden tief gehalten werden, bleiben auch die Prämien günstig. Die AGV wurde 1805 gegründet und ist mit ihren 219 Jahren die älteste Gebäudeversicherung in der Schweiz. Gemessen am Versicherungskapital ist sie schweizweit die viertgrösste und aufgrund der Anzahl versicherter Gebäude die drittgrösste Gebäudeversicherung. Die AGV beschäftigt 110 fest angestellte Mitarbeitende.