(pd) "Der Ukrainekrieg, aber auch die Coronavirus-Pandemie zeigen, dass wir eine leistungsfähige Armee brauchen, um uns verteidigen und in Krisensituationen bestehen zu können", betont Landammann Jean-Pierre Gallati am traditionellen Offiziersempfang des Aargauer Regierungsrats auf der Habsburg. Die Schweiz müsse rasch und konsequent die für eine wirksame Luft- und Bodenverteidigung notwendigen Rüstungsvorhaben umsetzen und wieder einen ausreichenden Armeebestand sicherstellen. Korpskommandant Hans-Peter Walser, Stellvertreter Chef der Armee und Chef Kommando Ausbildung, erklärt, dass der Armeeauftragsteil Verteidigungsfähigkeit in den letzten Jahrzehnten stark in den Hintergrund gerückt sei und der Ukrainekrieg nun zu einer Neubeurteilung der Prioritätensetzung führe.
Nach zwei Jahren Unterbruch, bedingt durch die Coronavirus-Pandemie, treffen sich Armeekader, Vertreterinnen und Vertreter des Departements Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) sowie weitere Gäste am 9. Januar 2023 auf Einladung des Aargauer Regierungsrats zum 73. Habsburgrapport im Schloss Habsburg. Mit dem traditionellen Offiziersempfang würdigt der Regierungsrat seit 1949 die guten Beziehungen zwischen dem Kanton Aargau und der Schweizer Armee.
Landammann und Militärdirektor Jean-Pierre Gallati zeigt in seiner Ansprache auf, dass das heutige Gebiet des Wasserschloss-Kantons Aargau bereits in der Römerzeit als Schlüsselgelände militärisch eine hohe strategische Bedeutung gehabt und diese über die Jahrhunderte hinweg bewahrt habe: "Diese exponierte Lage führte unter anderem dazu, dass der Aargau traditionell ein militärfreundlicher Kanton ist".
"Wenn Du den Frieden willst, bereite den Krieg vor"
Der Aargau und seine Offiziere würden auch in der heutigen Zeit und in den kommenden Jahren einen wichtigen Beitrag zur Landesverteidigung leisten, betont Gallati: "Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 müssen wir uns damit befassen, dass Frieden im heutigen Europa keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Denn die Erkenntnis, 'Wenn Du den Frieden willst, bereite den Krieg vor', gilt zeitlos. Für den Frieden und die Sicherheit in unserem Land ist also eine funktionsfähige Armee unabdingbar."
Die Schweiz tue gut daran, es anderen europäischen Ländern gleich zu tun und die Armee zu stärken, fordert der Aargauer Landammann und Militärdirektor: "Es ist unumstritten, dass die Armee neue Kampfflugzeuge benötigt, um weiterhin eine einsatzfähige Luftwaffe zu haben. Aber auch das bodengestützte Luftverteidigungssystem Patriot ist entscheidend, damit wir eine grössere Reichweite zur Fliegerabwehr erzielen können. Dabei ist der Boden aber nicht zu vernachlässigen. Es ist klar, dass der aktuelle Bestand der Armee zu tief ist. Bis im Jahr 2030 könnte ein Viertel des Bestandes fehlen. Bund und Kantone erarbeiten deshalb Massnahmen, um den Bestand zu sichern beziehungsweise zu erhöhen."
"Verteidigungsfähigkeit ist in den letzten Jahrzehnten zu stark in den Hintergrund gerückt"
Korpskommandant Hans-Peter Walser, Stellvertreter Chef der Armee und Chef Kommando Ausbildung, nimmt als ranghöchster Vertreter des Departementes Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in seiner Habsburg-Ansprache Bezug auf die Überlegungen und Folgerungen des Aargauer Militärdirektors: "Der Ukrainekrieg hat uns allen vor Augen geführt, dass Machtpolitik auch 2023 noch immer aktuell ist und es Staaten gibt, die den Krieg als valables Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen betrachten". Der Einmarsch der russischen Truppen stelle eine sicherheitspolitische "Zäsur" dar.
Der Bundesrat richte deshalb, unter Berücksichtigung von Neutralitätsaspekten, die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Schweiz konsequenter als bisher auf die internationale Zusammenarbeit aus. Gleichzeitig soll aber auch die Modernisierung der Fähigkeiten und Mittel der Armee vorangetrieben werden. Korpskommandant Walser bezeichnet dabei die Berichte "Luftverteidigung der Zukunft", "Modernisierung Bodentruppen" und "Gesamtkonzeption Cyber" als strategische Entwicklungsschwerpunkte.
Der stellvertretende Chef der Armee macht sich auch Gedanken zur Prioritätensetzung bezüglich Armeeaufträgen: "Unsere Milizarmee muss gleichzeitig subsidiäre Schutz- und Sicherungsaufgaben übernehmen, Hilfe bei Katastrophen oder Notlagen leisten sowie – im schlimmsten Fall – Land, Bevölkerung und Infrastrukturen verteidigen können. Diese Verteidigungsfähigkeit ist in den letzten Jahrzehnten zu stark in den Hintergrund gerückt." Mit einer Erhöhung der Militärausgaben könne die notwendige Stärkung und Modernisierung der Armee nun früher als vorgesehen realisiert werden.
Verabschiedung von Divisionär Stephan Christen und weiterer hochrangiger Offiziere
Am Habsburgrapport 2023 verabschiedet Landammann Jean-Pierre Gallati als Militärdirektor hochrangige Offiziere mit militärischem Bezug zum Kanton Aargau. Dazu gehört Stephan Christen, der im Oktober 2022 als Kommandant des Lehrverbands Genie, Rettung und ABC zum stellvertretenden Chef Kommando Operationen ernannt und damit vom Brigadier zum Divisionär befördert worden war. Gallati würdigt unter anderem die diversen Auslandeinsätze von Christen, unter anderem als National Contingent Commander (NCC) des Schweizer Kontingents der SWISSCOY/KFOR im Kosovo.
Weiter verabschiedet werden unter Würdigung der im und für den Aargau geleisteten Dienste: Brigadier Markus Ernst, Kommandant Stellvertreter der Territorialdivision 2; Oberst im Generalstab Galimberti, Kommandant Genieschule 74 beziehungsweise Lehrgangs- und Kader-Schule 74 Genie und Rettungstruppen in Bremgarten; Oberst im Generalstab Daniel Reimann, Kommandant des Einsatz-Kommandos Katastrophenhilfe-Bereitschaftsverband in Bremgarten; Oberst Daniel Wegrampf, Kommandant Genie Schule 73 in Brugg; Oberst Jürg Arnold, Chef des Kantonalen Territorialverbindungsstabes Aargau in der Territorialdivision 2; Oberstleutnant Patrick Koller, Kommandant der Leichten Flab-Luftwaffen-Abteilung 5.