Der Aargauer Heimatschutz stellt sich in einer Stellungnahme gegen den geplanten Abriss des heutigen Gebäudes des Kantonspitals und bringt dies in einer Medienmitteilung zum Ausdruck:
«Das Kantonspital Baden wird neu gebaut und noch dieses Jahr in Betrieb genommen. Das heutige Gebäude von 1978 soll nach dem Willen der Trägerschaft und des Kantons Aargau abgerissen werden. Auf diesem Areal soll in 50 Jahren wiederum ein neues Spital erstellt werden. Diese Haltung (Abriss auf Vorrat) widerspiegelt einen Umgang mit Ressourcen, der nicht mehr zeitgemäß ist. Es ist für den Aargauer Heimatschutz nicht nachvollziehbar, dass bestehende Flächen- Ressourcen in erschlossenem Baugebiet aufgegeben werden sollen. Eine Machbarkeitsstudie von 2023 weist dem noch nicht 50-jährigen Gebäude eine weitere Gebrauchstauglichkeit für Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungszwecke nach und zeigt auf, dass mit geeigneten Maßnahmen und ev. mit einem Teilrückbau die Probleme der Nähe der beiden großen Volumen geklärt werden können.
Wie beim Oberstufenzentrum Burghalde ist auch beim KSB mit einem frühzeitigen Erweiterungsbedarf zu rechnen. Wird der Altbau nicht zurückgebaut, würde für nicht hochtechnisierte Nutzungen genügend Reserveflächen bereitstehen.
An der Veranstaltung des Stadtlabors zum Thema „Abbruch oder Aufbruch?“ im historischen Museum Baden im Juni 2023, wurde auch die Architektur-Masterarbeit von Marco Steinacher vorgestellt, die aufzeigt, dass mit kreativer Energie (CO2-frei) aus einem Krankenhaus auch ein Wohnhaus werden kann.
Beim Bau von 1978 handelt es sich um einen wichtigen Zeitzeugen für die Spitalbauten der 1970er Jahre. Die Typologie dieser Megastruktur zeichnet sich besonders durch ihren streng funktionalistischen Aufbau und die Anwendung der Vorfabrikation aus. Diese technoide Grundhaltung in der architektonischen und konstruktiven Gestaltung wurde durch eine sorgsame und qualitätsvolle Freiraumgestaltung und ein ebenfalls zeittypisches sehr buntes Farbkonzept ergänzt. Der Regierungsrat des Kantons Aargau lobte 1966 den Projektwettbewerb für den hochtechnisierten Komplex bestehend aus Spital-, Personal- und Infrastrukturbauten aus. Damit entstand eine baukulturell wertvolle Gesamtanlage. Mit seinen zeittypischen Attributen und seinem unverwechselbaren Charakter steht er für den (noch ungebrochenen) Fortschrittsglauben jener Zeit.
Der Bündner Heimatschutz schrieb kürzlich zum beabsichtigten Abriss der blauen Post in Chur: "Die Kontroverse um den Rückbau zeigt einmal mehr: Das baukulturelle Erbe aus dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wird bisher erst wenig beachtet – und noch weniger wertgeschätzt. Die Zeitperiode ist nahezu unerforscht. Und doch befinden sich ihre Denkmäler bereits mitten in einem Transformationsprozess und drohen zu verschwinden". Mit der eben lancierten Kampagne «Baukultur 1975–2000» nimmt der Schweizer Heimatschutz einen Anlauf, diesem Missstand entgegenzuwirken.
Der Aargauer Heimatschutz setzt sich mit seiner Einwendung gegen den Rückbau dafür ein, dass Trägerschaft und Kanton das Potenzial dieses wichtigen Zeitzeugen für die Region ausschöpfen und eine verträgliche Strategie der Um- und Weiternutzung verfolgen.»