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Aargauer Gemeindefinanzstatistik 2025 – robuste Finanzlage trotz wachsender Ausgaben

(pd) Die Finanzlage der Aargauer Gemeinden ist weiterhin solide: Zwei Drittel schlossen 2025 mit einem Ertragsüberschuss ab, die Verschuldung bleibt gut tragbar, und die Fiskalerträge lagen deutlich über dem Budget. Gleichzeitig wird der Spielraum enger: Der Nettoaufwand nahm spürbar zu, die Investitionen steigen weiter, und der Selbstfinanzierungsgrad fiel erstmals seit 2017 wieder unter 100 Prozent.

Im Jahr 2025 erzielten die 197 Aargauer Gemeinden ohne Spezialfinanzierungen einen Ertragsüberschuss von rund 63 Millionen Franken, mit Spezialfinanzierungen rund 74 Millionen Franken. Das Ergebnis liegt leicht unter dem Vorjahr, bleibt aber klar positiv.
Ohne Spezialfinanzierungen schlossen 111 Gemeinden mit einem Ertragsüberschuss ab, 66 mit einem Aufwandüberschuss und 20 ausgeglichen. Viele der ausgeglichenen Abschlüsse beruhen faktisch ebenfalls auf positiven operativen Ergebnissen, die durch Einlagen in Vorfinanzierungen ausgeglichen wurden.
Die Gesamtbetrachtung zeigt damit nur geringe Verschiebungen gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis hingegen sank von 154 Millionen Franken im Jahr 2024 auf 66 Millionen Franken im Jahr 2025 und liegt damit wieder etwa auf dem Niveau von 2023.

Steuererträge entwickeln sich stärker als erwartet
Die Fiskalerträge der Aargauer Gemeinden beliefen sich 2025 auf rund 2,35 Milliarden Franken und lagen damit 35 Millionen Franken beziehungsweise 1,5 Prozent über dem Vorjahr. Das ist bemerkenswert, da die Steuererträge bereits 2024 durch Sondereffekte aussergewöhnlich hoch waren.
Das Wachstum wurde vor allem von Einkommens-, Vermögens-, Quellen- und übrigen Steuern getragen. Die Einkommenssteuern bleiben mit fast 74 Prozent die wichtigste Steuerart, gefolgt von den Steuern juristischer Personen mit rund 9 Prozent, den Vermögenssteuern mit 8 Prozent, den Quellensteuern mit 5 Prozent und den übrigen Steuern mit 4 Prozent.
Auffällig ist der Rückgang bei den Erträgen juristischer Personen um über 57 Millionen Franken, der aufgrund der Sonderfälle im Vorjahr aber erwartet worden war. Dass die Fiskalerträge insgesamt dennoch stiegen, zeigt die breite und robuste Ertragsbasis. Zudem lagen die Steuererträge rund 148 Millionen Franken beziehungsweise 7 Prozent über Budget; sämtliche Steuerarten wurden zu vorsichtig eingeschätzt.

Nettoaufwand wächst deutlich stärker
Die zentrale Herausforderung zeigt sich auf der Aufwandseite. Der Nettoaufwand aller Gemeinden ohne Spezialfinanzierungen betrug 2025 rund 2,4 Milliarden Franken. Unbereinigt stieg er gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent. Wird jedoch ein Sondereffekt aus dem Vorjahr berücksichtigt, ergibt sich ein korrigiertes Wachstum von 5,7 Prozent. Pro Kopf beträgt der korrigierte Anstieg 4,5 Prozent.
Dieser Zuwachs ist deutlich und gibt Anlass zur Sorge. Besonders stark wuchs der Aufwand im Bereich Gesundheit mit einer Zunahme von gut 17 Prozent. Auch die Bereiche Bildung (+6 %) und Soziale Sicherheit (+5 %) legten kräftig zu. Der Bildungsbereich bleibt mit Abstand der grösste Aufgabenbereich der Gemeinden. Zusammen mit der Sozialen Sicherheit und der Allgemeinen Verwaltung verursacht er rund 71 Prozent des gesamten Nettoaufwands.
Gerade diese Entwicklung ist finanzpolitisch entscheidend. Wenn der Nettoaufwand über mehrere Jahre deutlich stärker steigt als die Fiskalerträge, geraten auch Gemeinden mit heute solider Ausgangslage rasch unter Druck. Das gilt besonders für Gemeinden, die bereits heute Defizite schreiben oder grössere Investitionen vor sich haben.

Investitionen nehmen weiter zu
Die Investitionstätigkeit der Gemeinden nimmt seit 2022 kontinuierlich zu. 2025 investierten sie ohne Spezialfinanzierungen netto rund 411 Millionen Franken, 21 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Mit Spezialfinanzierungen lagen die Nettoinvestitionen bei knapp 482 Millionen Franken. Der Anstieg zeigt den hohen Bedarf in der kommunalen Infrastruktur, die vielerorts erneuert werden muss. Die Finanzpläne deuten darauf hin, dass der Bedarf hoch bleibt.
Erstmals seit 2017 lag die Selbstfinanzierung wieder unter den Nettoinvestitionen. Der Selbstfinanzierungsgrad ohne Spezialfinanzierungen sank auf 90 Prozent. Damit konnten die Gemeinden ihre Investitionen nicht vollständig aus eigenen Mitteln decken. Im Fünfjahresschnitt bleibt der Wert mit 115 Prozent solide, doch die finanziellen Reserven werden kleiner.

Verschuldung bleibt meist gut tragbar
Trotz tieferer Selbstfinanzierung bleibt die Vermögens- und Verschuldungssituation der Aargauer Gemeinden insgesamt komfortabel. Ohne Spezialfinanzierungen verfügen sie zusammen über ein Nettovermögen von knapp 85 Millionen Franken, 47 Millionen Franken weniger als im Vorjahr.
Mit Spezialfinanzierungen beträgt das Nettovermögen 903 Millionen Franken, ist aber ebenfalls gesunken. Die Vermögensanteile der Spezialfinanzierungen sind zweckgebunden und stehen nicht für allgemeine Gemeindeaufgaben zur Verfügung.
90 Gemeinden weisen weiterhin ein Nettovermögen aus. Bei den 107 Gemeinden mit Nettoschuld bleibt diese meist gut tragbar. 17 Gemeinden liegen über 2'500 Franken Nettoschuld pro Kopf, drei davon über 5000 Franken. Für die Beurteilung der Finanzlage zählen neben der Verschuldung auch Finanzkraft, Bevölkerungsstruktur, Infrastrukturqualität und anstehende Investitionen.

Gute Ausgangslage, aber wachsender Handlungsbedarf
Die Gemeindefinanzstatistik 2025 zeigt: Die Aargauer Gemeinden sind finanziell gesund. Es zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Gemeinden, und die Belastungen nehmen zu. Solide Vermögenswerte, meist tiefe Verschuldung und hohe Steuererträge geben Stabilität und schaffen Spielraum. Gleichzeitig ist das Wachstum des Nettoaufwands ernst zu nehmen. Steigende Kosten in Pflegefinanzierung, Sozialbereich und Bildung dürften anhalten. Wächst der Aufwand stärker als die Erträge, belastet dies die Rechnungsergebnisse, schwächt die Selbstfinanzierung und erhöht bei hohen Investitionen den Druck auf die Nettoschuld.