(pd) Eine überwiegende Mehrheit der an der Aargauer Volksschule tätigen Berufspersonen ist mit Freude bei der Arbeit, kann ihre Kompetenzen wirksam einsetzen und schätzt die Zusammenarbeit im Schulteam. Es gibt aber auch ernstzunehmende Hinweise auf eine hohe Belastung von Teilen der Berufspersonen.
Dies lässt sich der Auswertung zweier externer Studien entnehmen, welche das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) durchführen liess: eine Studie zur Qualitäts- und Professionalitätsentwicklung der Aargauer Schulleitungen und eine zweite zur Arbeitszufriedenheit und beruflichen Belastung von Lehrpersonen, Schulleitungen und Assistenzpersonen. Gestützt darauf entwickelt das BKS unter Einbezug der Verbände Massnahmen weiter, mit welchen die Berufspersonen an der Volksschule gestärkt und die Attraktivität des Arbeitsorts Volksschule gesteigert werden sollen.
Aufgrund eines Postulats betreffend einheitlichem und professionellem Ausbildungs- und Weiterbildungsprozess für Schulleiterinnen und Schulleiter (GR 20.258) beauftragte das Departement BKS Interface Politikstudien Forschung Beratung AG in Luzern mit einer Studie zur Analyse der kantonalen und kommunalen Anstellungsvoraussetzungen und -bedingungen, der Personalführung der Schulleitungen durch die kommunale Schulbehörde, der Aus- und Weiterbildung für Schulleitungen im Kanton Aargau sowie der Attraktivität der Schulleitungsfunktion im Kanton Aargau.
Ergänzend erfolgte ebenfalls durch Interface eine repräsentative Befragung aller Berufspersonen an der Aargauer Volksschule (Schulleitung, Klassen-/Fachlehrpersonen, Schulische Heilpädagoginnen/Heilpädagogen (SHP), Logopädinnen/Logopäden, Assistenzpersonen) zu den Themen Arbeitszufriedenheit, Belastung und Entlastung, Aus- und Weiterbildung sowie Arbeitsweise. Ziel dabei war, eine aussagekräftige Datengrundlage im Hinblick auf Massnahmen im Bereich Fachkräftemangel zu erlangen. Dazu wurde bei den Lehrpersonen eine repräsentative Stichprobe gezogen. Die anderen Berufsgruppen wurden vollständig befragt. Insgesamt beteiligten sich letzten Sommer 3'582 Personen an dieser Befragung. Schlussbericht bzw. Auswertungsbericht zu beiden Aufträgen liegen nun vor und sind auf der Webseite des Kantons Aargau publiziert. Zahlreiche Teilnehmende der Befragung haben zusätzlich ausführliche Kommentare mit weiteren Hinweisen hinterlassen. Diese sind nicht in den Bericht von Interface eingeflossen und sollen separat noch detailliert analysiert werden.
Grosse Arbeitszufriedenheit und Bereitschaft zur Weiterentwicklung
Grundsätzlich zeigen die Befragungen ein positives Bild der Situation der verschiedenen Berufspersonen an der Aargauer Volksschule. Über 90 Prozent der Befragten geben an, Freude an der Arbeit zu haben, und ein Grossteil fühlt sich vom Team wertgeschätzt. Auch wird das Verhältnis zur Schulleitung mehrheitlich positiv bewertet und die meisten Befragten sind mit ihrem Arbeitspensum zufrieden. Auch zeigen die Berufspersonen der Volksschule eine grosse Lernbereitschaft: Mehr als die Hälfte der Lehrpersonen (59 Prozent) zeigt sich grundsätzlich bereit, eine grössere Weiterbildung wie ein CAS, DAS, MAS anzugehen. Ebenfalls können sich rund 40 Prozent der Assistenzpersonen vorstellen, eine EDK-anerkannte Ausbildung als Lehrperson zu beginnen. Auch die schulischen Heilpädagoginnen und -pädagogen sehen einen Schlüssel zur Bewältigung aktueller Herausforderungen bei der Aus- und Weiterbildung: Sie wollen ihr Wissen im Bereich der Sonderpädagogik vertiefen (89 Prozent) und ihr Fachwissen breiter einbringen (40 Prozent).
Hohe Belastung und geforderte Schulleitungen
Die beiden Studien zeigen aber auch, dass die Berufspersonen an der Volksschule einer erhöhten Belastung ausgesetzt sind. Beim Umgang mit Belastungssituationen spielt die Schulleitung eine wichtige Rolle: Über 80 Prozent der unterrichtenden Berufspersonen geben an, dass eine unterstützende Schulleitung für sie einen entlastenden Effekt hat. Diese Unterstützung stellt auch bereits beim Berufseinstieg für 86 Prozent der befragten Berufspersonen einen wichtigen Faktor der Arbeitszufriedenheit dar. Um dieser Rolle gerecht zu werden wünschen sich auch Schulleitungen mehr Unterstützung im Sinne von mehr personellen Ressourcen in der Administration (64 Prozent) und im Bereich der Qualitätssicherung und -entwicklung (53 Prozent). Das den Schulleitungen zur Verfügung stehende Pensum wird häufig als zu klein betrachtet. Die aus ungenügender Unterstützung resultierende Arbeitsbelastung hemmt tendenziell die Attraktivität des Berufs. Die interviewten Schulleitungen erachten es deshalb als sehr wichtig, dass die kommunale Schulführung, bestehend aus Schulleitung und den zuständigen Mitgliedern des Gemeinderats, in ihrer Führungsaufgabe unterstützt wird und ihr Zugang zu geeigneten Weiterbildungs- und Beratungsangeboten ermöglicht wird.
Stossrichtungen zur Stärkung der Berufspersonen an der Volksschule
Die Ergebnisse der Befragung entsprechen weitgehend den Rückmeldungen, welche dem BKS aus der Zusammenarbeit mit den Schulen bekannt sind. Zudem zeigen sie grosse Übereinstimmung mit Ergebnissen vergleichbarer Studien im In- und Ausland. Die Empfehlungen von Interface nehmen Bezug auf unterschiedliche Handlungsfelder. Die Abteilung Volksschule des Departements BKS bearbeitet diese unter Einbezug der Verbände bereits heute in diversen Projekten respektive Entwicklungsvorhaben. Diese verfolgen folgende Stossrichtungen:
- Stärkung der Funktionen in der Volksschule: Die Lehrpersonen sind für den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler der bedeutendste Faktor. Sie müssen sich auf das Unterrichten und die Beziehungsarbeit mit den Kindern fokussieren können. Dazu braucht es Entlastung im Schulalltag, beispielsweise durch spezialisierte Förderlehrpersonen, welche die enge Begleitung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen übernehmen.
- Aus- und Weiterbildung: Eine praxisnahe Ausbildung und ein bedarfsgerechtes Weiterbildungsangebot bilden die Grundlage für kompetente Fachpersonen. Dazu wird der Kanton Aargau künftig unter anderem das berufsbegleitete Studium etablieren, die Berufseinführung stärken und das Weiterbildungsangebot der Pädagogischen Hochschule (PH FHNW) aktiver und systematischer steuern.
- Beratungs-, Begleitungs- und Unterstützungsangebote: Mit einem bedürfnisorientierten Beratungs-, Begleitungs- und Unterstützungsangebot sollen Schulen bei der Nutzung ihres Gestaltungsraums sowie in anspruchsvollen Situationen unterstützt werden. Davon soll das gesamte Schulpersonal profitieren.
- Kommunikation und Information: Durch eine aktive und adressatengerechte Kommunikation sowie Information soll gewährleistet werden, dass die kommunalen Schulen besser informiert sind und der Austausch zwischen ihnen und dem Kanton gestärkt wird.
Der Schlussbericht "Evaluation zur Qualitäts- und Professionalitätsentwicklung von Schulleitungen der Aargauer Volksschule" sowie der "Auswertungsbericht Befragung Berufspersonen an den Volksschulen im Kanton Aargau" sind auf der Webseite des Kantons Aargau publiziert.