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Aargau: Regierungsrat will erfolgreiches Naturschutzprogramm Wald nahtlos weiterführen

(pd) Das 1996 gestartete Naturschutzprogramm Wald war bisher sehr erfolgreich, auch in der Ende 2025 auslaufenden fünften Etappe werden die Ziele erreicht oder übertroffen. Der Regierungsrat will das Programm nahtlos weiterführen und schickt die sechste Etappe (2026 – 2031) des Programms mit dem entsprechenden Verpflichtungskredit über brutto 8,75 Millionen Franken in die öffentliche Anhörung. Diese dauert von heute Donnerstag, 5. September, bis am 5. Dezember.

Wie an der heutigen Medieninformation im Aargauer Wald weiter ausgeführt wurde, steht die Vorlage auch im Zusammenhang mit der hängigen kantonalen Gewässer-Initiative und mit dem indirekten Gegenvorschlag des Regierungsrats, die demnächst im Grossen Rat behandelt werden.
Der im Jahr 2019 vom Grossen Rat bewilligte Kredit für die fünfte Etappe des 1996 gestarteten Naturschutzprogramms Wald läuft per Ende 2025 aus. Das Programm definiert messbare Ziele in den vier Kategorien "Nutzungsverzicht (Naturwaldreservate und Altholzinseln, siehe unterster Abschnitt)", "Spezialreservate", "Waldränder" und Eichenwaldreservate". Der nun vorliegende Zwischenbericht 2024 wurde heute Donnerstag, 5. September 2024, an einer Medienorientierung im Aarauer Wald präsentiert. Er zeigt: "Das Programm war auch in der fünften Etappe erfolgreich. Die formulierten Leistungsziele wurden erreicht. Die positiven Wirkungen des Programms auf die Artenvielfalt lassen sich belegen", erklärte Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).
Marcel Murri, Leiter der Sektion Walderhaltung in der Abteilung Wald des BVU, erklärte: "Auch die Bilanz über die gesamten bisherigen fünf Programmetappen sieht positiv aus, die angestrebten Ziele wurden erreicht." Die ursprünglich gesetzten Ziele für Naturwaldreservate und Altholzinseln können per Ende der fünften Etappe erreicht werden. Dies insbesondere dank der Bereitschaft der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer, diese Prozessschutzflächen langfristig zu sichern. "Auch bei den Spezialreservaten können die Ziele per Ende 2025 erreicht werden. Das Etappenziel bei den Waldrändern wird übertroffen. Das Fernziel von 400 Kilometern aufgewerteten, ökologisch wertvollen Waldrändern erfordert aber von allen Seiten weiterhin grosse Anstrengungen. Bei den Eichenwaldreservaten sind die Ziele seit längerem erreicht. Das Naturschutzprogramm Wald ist auch nach beinahe 30 Jahren 'modern' aufgestellt. Die heute topaktuellen Themen Wiedervernässung von Wäldern, Waldweide und Waldrandaufwertungen stehen bereits seit Jahren im Focus", so Marcel Murri.

Anhörung zu sechster Programmetappe und Verpflichtungskredit startet heute
Der Regierungsrat will das Naturschutzprogramm Wald nahtlos weiterführen und schickt die sechste Etappe des Programms mit dem entsprechenden Verpflichtungskredit von heute Donnerstag, 5. September, bis am 5. Dezember 2024 in die öffentliche Anhörung. Der beantragte Kreditbeschluss für die sechste Etappe dient auch als Grundlage für den Abschluss einer neuen Programmvereinbarung ab 2025 mit dem Bund (NFA) über die Förderung der Biodiversität im Wald. Der Mittelbedarf für die Programmetappe 2026–2031 beträgt gesamthaft brutto rund 8,75 Millionen Franken (abzüglich NFAGelder des Bundes: netto rund 7,85 Millionen Franken).
"In den bisherigen Programmetappen hat sich die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern bei der Sicherung und Pflege der Naturwerte als einer der Erfolgsfaktoren erwiesen. Darauf soll auch zukünftig gebaut werden", sagte Fabian Dietiker, Leiter der Abteilung Wald. In der sechsten Etappe sollen Lücken im Netz der Biodiversitätsvorrangflächen geschlossen und eine bessere Vernetzung der Lebensräume erreicht werden. "Diese Massnahmen tragen massgeblich zu einer funktionierenden Ökologischen Infrastruktur im Aargauer Wald bei. Die Zielwerte im Bereich der Prozessschutzflächen und der Spezialreservate wurden erhöht. Als neues Umsetzungsinstrument kommen Habitatbaumreservate hinzu. Die Ziele zur Sicherung der Ökologischen Infrastruktur sollen bis 2055 erreicht werden", so Fabian Dietiker.

Zusammenhang mit Gegenvorschlag zu Gewässer-Initiative
In einem Postulat der Grossrats-Fachkommission Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung (UBV) wurde der Regierungsrat eingeladen, für die sechste Etappe des Naturschutzprogramms Wald die Festsetzung der Zielsetzungen, Massnahmen und der nötigen finanziellen Mittel zu prüfen, sodass im Kanton Aargau eine Aufwertung der Waldränder entlang landwirtschaftlicher Nutzflächen, die Schaffung von Feuchtgebieten im Wald sowie die Beweidung von Wald (Pflegeweide) ermöglicht werden können. Im Rahmen von zwei Runden Tischen wurden mit Vertretungen der politischen Parteien und der Verbände die Forderungen des Postulats diskutiert. Die Resultate der Runden Tische sind in die vorliegende Vorlage aufgenommen worden.
"Über die Schaffung von Feuchtgebieten im Wald wird im Rahmen der hängigen kantonalen Gewässer-Initiative respektive dem indirekten Gegenvorschlag des Regierungsrats entschieden", wie Regierungsrat Stephan Attiger ausführte. Letzterer sieht vor, dass die in der Initiative geforderte Umsetzung der Wiedervernässung parallel in den drei Landschaftsräumen Wald, Landwirtschaft und Siedlung erfolgt. Ziel ist, bis 2060 auf freiwilliger Basis 1'000 Hektar Feuchtgebiete zu schaffen. Als Zwischenziel werden 300 Hektaren Feuchtgebiete im Wald bis 2040 angestrebt. Die Beratung über den indirekten Gegenvorschlag im Grossen Rat ist für die Session vom Dienstag, 10. September 2025, traktandiert. Wird dem Gegenvorschlag zugestimmt und die Gewässerinitiative zurückgezogen, werden das Flächenziel von 120 Hektar neu zu schaffenden Feuchtgebieten im Wald sowie der dafür notwendige Finanzbedarf von 2,9 Millionen Franken definitiv in die Botschaft zur sechsten Etappe des Naturschutzprogramms Wald übernommen. Damit kann in den kommenden sechs Jahren eine erste Umsetzungsetappe für die zu schaffenden Feuchtgebiete im Wald in Angriff genommen werden.
• Anhörungsunterlagen: Naturschutzprogramm Wald; Zwischenbericht 2024; Antrag für den Verpflichtungskredit sechste Etappe (2026–2031)
• Webseite Naturschutzprogramm Wald

Naturwaldreservate: Neue Studie bestätigt Wirksamkeit des Nutzungsverzichts und des Naturprogramms Wald
Im Rahmen des Naturschutzprogramms Wald werden im Kanton Aargau seit 1996 Naturwaldreservate vertraglich gesichert. Dabei handelt es sich um Flächen ab einer Grösse von 20 Hektaren, in denen auf die Holznutzung verzichtet wird und vom Menschen unbeeinflusst natürliche Prozesse ablaufen können. Um den Alterungsprozess und die damit einhergehenden Veränderungen der Artenvielfalt zu dokumentieren, hat die Abteilung Wald des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) erstmals eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben. Die entsprechenden Daten wurden zwischen 2018 und 2023 erhoben: In der Studie wurden je 18 Naturwaldreservate und benachbarte bewirtschaftete Waldflächen (Referenzflächen) auf das Vorkommen von Pilzen (Bestimmung von Auge, molekulare Untersuchungen), Totholzkäfern (Flugfallen, direkte Beobachtungen im Gelände) und Fledermäusen (bioakustische Aufnahmen) untersucht.
Erste Resultate der Studie wurden heute an der Medieninformation zur sechsten Etappe des Naturschutzprogramms Wald präsentiert. "Das Fazit ist positiv: Bereits nach kurzer Zeit beherbergen Reservate rund 20 Prozent mehr naturschutzfachlich bedeutsame Pilz-, Totholzkäfer- und Fledermausarten als Wirtschaftswälder; für Pilze und Fledermäuse ist auch die totale Artenzahl in
Naturwaldreservaten grösser", erklärte Antonia Ulmann, Fachspezialistin Walderhaltung in der Abteilung Wald des BVU. Die ersten Ergebnisse der Erfolgskontrolle bestätigten demnach die Wirksamkeit von Nutzungsverzicht und die Bedeutung des Naturschutzprogrammes Wald. Im Hinblick darauf, dass Wirtschaftswälder im Kanton Aargau die weit grössere Fläche einnehmen als Naturwaldreservate, würden auch sie neben Nutzungsverzichtsflächen eine Verantwortung in Bezug auf den Naturschutz tragen. "Das Potential dazu besteht, vorausgesetzt, es ist eine ausreichende Menge und Vielfalt an vernetzten Totholzstrukturen und alten Bäumen vorhanden", so Antonia Ulmann.