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Bis heute wird der Brauch des Bachfischet mit einem Lampion-Umzug der Schulkinder gefeiert. Foto: zVg

Aarauer Bachfischet – ein Bilderbuch zum 500-Jahr-Jubiläum

(pd) Seit Jahrhunderten ist der Stadtbach die Lebensader der Stadt Aarau, als künstlich angelegter Kanal hat er ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit Trink-, Brauch- und Löschwasser versorgt. Ebenfalls über Jahrhunderte ist der Stadtbach einmal im Jahr für die Reinigung trockengelegt worden, für den «Bachfischet». 500 Jahre ist es nun diesen September her, dass dieser Brauch erstmals schriftlich erwähnt wurde. Gefeiert wird dies nicht nur mit einem speziellen Umzug, sondern auch mit einem Bilderbuch: «Ida und der Bachfischet» feiert auf den Tag genau 500 Jahre nach der Erstnennung Vernissage.

«Item uf hütt hat man den Bach abgeschlagen» – so kurz diese Notiz, so gewichtig ihre Bedeutung: Am 3. September 1526 wird die Trockenlegung des Aarauer Stadtbachs zum allerersten Mal schriftlich erwähnt. Entwässert werden musste der Kanal, um ihn zu reinigen und schadhafte Stellen auszubessern. Denn die Stadt Aarau ist ein Spezialfall: Gebaut auf einem Felssporn und ohne ergiebige Quellen auf Stadtgebiet, musste das Wasser in einem künstlich angelegten Kanal über rund fünf Kilometer in die Stadt geführt werden. Das offen geführte Wasser diente sowohl als einzige Trinkwasserzufuhr, als Brauchwasser und nicht zuletzt als Löschwasser. Wie alt dieser Kanal ist, ist nicht belegt, doch ist davon auszugehen, dass er bereits bei der Stadtgründung bestand. Die Erstnennung Aaraus fällt auf das Jahr 1248.
Die jährliche Reinigung des Bachbetts war über Jahrhunderte hinweg ein Grossereignis für Aarau: Die Reinigung war Bürgerpflicht und das Abfischen der verbliebenen Fische – deshalb auch der Name «Bachfischet» – ein Gaudi, war es doch das ganze Jahr über verboten, im Stadtbach zu fischen. Die wasserlose Zeit barg aber auch grosse Gefahr: Bei einem Brand war die Stadt nahezu ungeschützt. Wie sehr, mussten die Aarauer im Jahr 1784 erleben, als während des Bachfischets ein Brandstifter sein Unwesen trieb. Haarscharf schrammte Aarau damals an der Katastrophe vorbei.
Kehrte das Wasser nach der rund viertägigen Reinigung wieder in die Stadt zurück, war das ein Grund zu feiern. Liessen es sich die Arbeiter auf Kosten der Stadt bei Speis und Trank gutgehen, so feierten die Kinder die Rückkehr des Stadtbachs auf ihre eigene Art: Mit geschnitzten Kürbissen und Reben, mit Gesang und Trommelschlägen holten sie die erste Welle ab und begleiteten das Wasser in einem Umzug in die Stadt.

Das Bilderbuch zum Bachfischet feiert auf den Tag genau 500 Jahre nach Erstnennung des Bachfischets Vernissage. Foto: zVgTraditionen nicht nur feiern, sondern auch verstehen
Noch heute ziehen die Aarauer Schulkinder Jahr für Jahr mit selbstgebastelten Lampions durch die verdunkelte Stadt und feiern die Rückkehr des Stadtbachs. Mit der Erstnennung vor 500 Jahren gilt der Aarauer Bachfischet als einer der ältesten, noch gelebten Bräuche der Schweiz und steht auf der von der Unesco initiierten Liste der lebendigen Traditionen.
Doch auch wenn in Aarau jedes Kind den Bachfischet kennt – die Entstehungsgeschichte des Brauchs ist komplex, das kindgerechte Erklären schwierig. Ein Umstand, den Agnes Henz, die als Verantwortliche Stadtführungen beim Tourismusbüro Aarau Info jährlich Dutzende Schulklassen durch die Stadt führt, seit Jahren kennt. Ihre Idee war es, das Jubiläum zu nutzen, und die Geschichte des Bachfischets in die Form eines Bilderbuchs zu giessen. Unterstützung fand Agnes Henz in der Heinerich Wirri-Zunft. Die damals frisch gegründete Zunft hatte den nach dem Ersten Weltkrieg serbelnden Brauch vor dem Verschwinden gerettet und organisiert diesen seit 1923 erfolgreich, seit 2023 unter dem amtierenden Bachfischet-Obmann Andreas Gersbach, der zusammen mit Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker auch dem OK zum Jubiläumsanlass vorsteht. Und mit der Journalistin Katja Schlegel und der Illustratorin Corinne Brunner konnte Henz zwei Aarauerinnen für die eigentliche Arbeit, das Texten und Bebildern des Buches, gewinnen.
Nach mehr als einem Jahr Arbeit liegt das Ergebnis nun druckfrisch auf dem Tisch, rechtzeitig zum Jubiläum: «Ida und der Bachfischet», ein farbenfrohes Werk, das Kinder und Erwachsene auf eine Reise durch die Jahrhunderte mitnimmt. Gut verständlich für die Jüngsten, ergänzt mit einem Erklärstück für Erwachsene für zusätzliches Hintergrundwissen, und illustriert nach historischem Bildmaterial. «Ich bin begeistert, was mit diesem Kinderbuch entstanden ist», sagt Agnes Henz. Dieses Buch schaffe es, den Brauch in seiner ganzen umfassenden Entstehungsgeschichte zu erklären. «Traditionen sollte man nicht nur feiern, man sollte sie auch verstehen. Erst das schafft die Verbundenheit; zum Bachfischet, aber vor allem auch zu Aarau und seiner Geschichte.»

Auf den Tag genau 500 Jahre später
Auf den Tag genau 500 Jahre nach der Erstnennung feiert «Ida und der Bachfischet» Vernissage: am 3. September um 18.30 Uhr im Stadtmuseum Aarau. Ab dem 4. September ist «Ida und der Bachfischet» bei Aarau Info und ausgewählten Verkaufsstellen erhältlich. Ebenfalls ab 4. September zeigt das Forum Schlossplatz in der Remise im Rahmen der Ausstellung «Es läuft. Vom Instandhalten der Dinge» eine audiovisuelle Inszenierung des Kinderbuchs.
Der Jubiläums-Bachfischet findet am Freitag, 18. September, 20.15 Uhr, statt. Anlässlich des Jubiläums werden verschiedene Vereine am Umzug teilnehmen, weiter sind Gäste aus den beiden Aarauer Partnerstädte Reutlingen und Neuchâtel sowie Vertreter anderer Schweizer Bräuche wie der Basler Fasnacht oder des Chalandamarz aus dem Engadin eingeladen. Abgerundet wird der Anlass durch einen Festakt mit musikalischer Überraschung. Erwartet werden rund 2400 Umzugs-Teilnehmende und über 20000 Zuschauende.
Vernissage «Ida und der Bachfischet»: Donnerstag, 3. September, 18.30 Uhr, im Stadtmuseum Aarau.
Bachfischet zum 500-Jahr-Jubiläum: Freitag, 18. September, Umzugsstart 20.15 Uhr

Bilder
Erstes Bild: Bis heute wird der Brauch des Bachfischet mit einem Lampion-Umzug der Schulkinder gefeiert. Foto: zVg
Zweites Bild: Das Bilderbuch zum Bachfischet feiert auf den Tag genau 500 Jahre nach Erstnennung des Bachfischets Vernissage. Foto: zVg