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Rapsernte in Zeihen Mitte Juli. Foto: Sonja Fasler

«Raps ist herausfordernd»: Die Ernte läuft zurzeit auf Hochtouren, aber der Ertrag kann die Nachfrage nicht decken

Zurzeit läuft die Rapsernte auch im Fricktal auf Hochtouren. Die Ölfrucht ist gefragter denn je, kann aber die Nachfrage nicht decken, wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst kürzlich gemeldet hat. Die Branchenorganisation swiss granum rechnet mit einer Erntemenge von rund 88 000 Tonnen. Die Zielmenge liegt bei 106 000 Tonnen. fricktal.info hat bei Colette Basler aus Zeihen, Vizepräsidentin des Bauernverbands Aargau, nachgefragt, warum das so ist, und ob eventuell die Sonnenblume demnächst dem Raps den Rang ablaufen könnte.

SONJA FASLER HÜBNER

Wie hat sich der Rapsanbau in den letzten Jahren entwickelt?Colette Basler, Vizepräsidentin des Bauernverbands Aargau, aus Zeihen im Interview. Foto: Bauernverband Aargau

Colette Basler: Seit 2017 wächst die Rapsanbaufläche in der Schweiz wieder. 2020 erreichte sie mit 24 534 Hektaren einen neuen Höchststand. Der Flächenausbau führte aber nicht zur mehr Erträgen. Die Bedingungen für den Rapsanbau sind herausfordernd.

In welchen Gegenden der Schweiz wird besonders viel Rapsanbau betrieben? Eignen sich die Böden im Fricktal gar besonders dafür?

Colette Basler: Raps wird im gesamten Mittelland und an guten Lagen im Jura angebaut. In der Westschweiz wird tendenziell etwas mehr Raps produziert als im Rest der Schweiz. Auch im Fricktal wird Raps angebaut, aber es ist kein typisches Rapsanbaugebiet, da hier die Frühsommertrockenheit meist ausgeprägter auftritt als in den anderen Landesteilen. Sonnenblumen sind darum auf dem Vormarsch. Sie dürften in Zukunft eher besser an die klimatischen Bedingungen im Fricktal angepasst sein.

Wie fällt die Rapsernte dieses Jahr aus (qualitativ und quantitativ)?

Colette Basler: Dieses Jahr wird es wohl eher eine durchschnittliche Rapsernte geben. Das nasskalte Wetter im Frühling hat die Bienen am Fliegen gehindert. Deshalb konnten nicht alle Rapsblüten rechtzeitig bestäubt werden. Das hat auch dem Rapsglanzkäfer in die Karten gespielt. Wegen des zögerlichen Blühverhaltens der Rapspflanzen konnte er über Wochen die zarten Rapsknospen anknabbern. Dort fehlen jetzt die vollen Rapsschoten.

Wofür verwendet man Rapsöl und was zeichnet es besonders aus?

Colette Basler: Rapsöl ist ernährungsphysiologisch äusserst wertvoll und kann universell eingesetzt werden. Es ist darum auch in der Verarbeitungsindustrie sehr beliebt. Es hat eine optimale Kombination an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und kann deshalb helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Das sorgt langfristig dafür, dass das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, sinkt.

Leuchtend gelbes Rapsfeld in Zeihen Ende April. Foto: Sonja FaslerKönnte Rapsöl Palmöl einmal gänzlich ersetzen?

Colette Basler: Nein, da ganz einfach nicht genügend Rapsöl produziert werden kann. Die Nachfrage ist grösser als der Anbau resp. das Angebot. Beim Palmöl kann zwar auf viel grösseren Flächen zu viel tieferen Preisen viel mehr produziert werden. Der Anbau von Palmöl erfolgt jedoch in riesigen Monokulturen, welche für die Menschen und die Umwelt vor Ort ein grosses Problem darstellen. Darum ist es wichtig, dass die Schweiz einen wesentlichen Teil ihres pflanzlichen Ölbedarfs selber erzeugt und da spielt Raps eine zentrale Rolle.

Wieso reicht die Menge offenbar je länger, je weniger aus?

Colette Basler: Vermehrt wurde in den letzten Jahren wegen der bekannten Probleme auf einheimisches Rapsöl statt Palmöl gesetzt. Der Anbau von Raps wird auch gefördert. Auch bei den Futtermitteln setzen diverse Akteure inzwischen auf Rapskuchen. Das führt dazu, dass die Nachfrage stetig steigt. Gleichzeitig ist Raps heikel anzubauen. Er reagiert besonders sensibel auf nasses und kaltes Wetter. Mit neuen Auflagen wurde zudem der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eingeschränkt, d.h. diverse Mittel sind nicht mehr zugelassen und es fehlen wirksame Alternativen.

Offenbar soll der Anbau von Sonnenblumen wieder angekurbelt werden, weil dieser problemloser im Anbau sein soll.

Colette Basler: Ja, das stimmt. Sonnenblumen sind robuster und problemloser in der Bewirtschaftung. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann auf ein Minimum reduziert werden. Die Schweizer Anbaufläche für 2023 ist um 19,2% gestiegen gegenüber dem Vorjahr. Insbesondere im Fricktal eigenen sich die Böden gut für die Sonnenblumenproduktion. Der Sonnenblumenbau ist aber auch nicht gänzlich unproblematisch. Vor allem Krähen können ganze Sonnenblumenfelder zerstören und ein nasser Herbst die Ernte komplett verfaulen lassen.

Erntereife Rapsschoten Mitte Juli. Foto: Sonja FaslerKann Sonnenblumenöl Rapsöl ersetzen? Was unterscheidet die Öle voneinander?

Colette Basler: Sonnenblumenöl kann Rapsöl theoretisch ersetzen. Die Frage ist, ob wir diesen Verlust an verschiedenen Ölen wollen. Gemäss Ernährungspyramide der Schweiz nicht. Rapsöl ist mit bis zu 70% besonders reich an Ölsäure, davon enthält das Sonnenblumenöl nur 27%. Das Sonnenblumenöl hat fast doppelt so viel gesättigte Fettsäuren wie das Rapsöl und ist ein bisschen intensiver im Geschmack (leicht nussig). Gemäss https://www.medikamente-per-klick.de/apotheke/ernaehrungslexikon/pflanzenoel/ ist Rapsöl gesünder als Sonnenblumenöl und wird auch von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfohlen. Die SGE schreibt, gesund seien täglich zwei bis drei Esslöffel Öl, mindestens die Hälfte davon sollte Rapsöl sein.

Gibt es für die Landwirte Vorgaben, wie und was sie eher anbauen sollen?

Colette Basler: Nein, die gibt es nicht. Aber Landwirtinnen und Landwirte bauen das an, was gefragt ist. Erzielt man mit Raps einen besseren Preis als bei den Sonnenblumen und ist der Anbau von den topographischen und klimatischen Gegebenheiten her möglich, wird mehr Raps angebaut. Ein Landwirtschaftsbetrieb ist ein Unternehmen. Produzentinnen und Produzenten für Raps, Sonnenblumen und Soja werden gesucht.

Bilder:
Rapsernte in Zeihen Mitte Juli.
Colette Basler, Vizepräsidentin des Bauernverbands Aargau, aus Zeihen im Interview. Foto: Bauernverband Aargau
Leuchtend gelbes Rapsfeld in Zeihen Ende April.
Erntereife Rapsschoten Mitte Juli.
Fotos: Sonja Fasler