(pd) Seit 2022 arbeitet die Jurapark-Gemeinde Mandach gemeinsam mit lokalen Landwirtschaftsbetrieben, Ortsbürgern, privaten Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern sowie der Projektträgerschaft Jurapark Aargau am Grossprojekt «Biodiversität und Landschaft Mandach». Dabei wertet das Umweltbüro apiaster GmbH das Kulturland und ausgewählte Waldstandorte mit landschaftsprägenden Elementen und ökologischen Strukturen zu Biodiversitätshotspots auf. Vieles ist bereits sichtbar – und noch mehr Aufwertungen werden folgen.
Ein weiteres Jahr der Projektlaufzeit von «Biodiversität und Landschaft Mandach» ist vorbei – Zeit für eine Bilanz. Seit 2022 konnten über 1.5 Kilometer Hecken gepflanzt, rund 40 Weiher gebaut und mehrere Trockenmauern saniert werden.
Bäume kehren zurück ins Dorfbild
Historische Luftbilder zeigen deutlich: Der Siedlungskern von Mandach war einst von weitläufigen Baumgärten umgeben. Heute erinnern nur noch vergleichsweise wenige intakte Obstbaubestände an diese ursprüngliche Vielfalt. Damit hat sich nicht nur das Landschaftsbild verändert – auch der Lebensraum von höhlenbrütenden und strukturliebenden Vögeln wie dem Gartenrotschwanz und dem Steinkauz sind verschwunden.
Während in den Vorgängerjahren die Förderung des Neuntöters durch artenreiche Hecken im Fokus stand, sind 2025 und 2026 Bäume das zentrale Element. Neu gepflanzte Feld- und Hochstammobstbäume knüpfen an die Tradition früherer Obstgärten an und schaffen strukturreiche Lebensräume. Ergänzende Baumreihen, verbunden mit vielfältigen Kleinstrukturen, schaffen Korridore zwischen den noch bestehenden Obstgärten und den neu geschaffenen Strukturen. Bei diesen Baumpflanzungen haben auch die Mandacher Schulkinder im vergangenen März aktiv mitgewirkt. Unter Anleitung von Projektleiterinnen des Umweltbüros pflanzten die Kinder der Schule Mandach unter anderem Hochstammbäume, bauten grosse Wieselburgen und schlossen so Lücken in den bestehenden Baumgärten. Diese Massnahme verbessert den Lebensraum der in Mandach heimischen, vom Aussterben bedrohten Fledermausart «Graues Langohr». Ihr Schutz steht stellvertretend für die Förderung der zahlreichen Arten, die Mandach bereits heute so vielfältig machen. Bis Ende 2026 können über 100 neue Hochstamm-Feldobstbäume gepflanzt werden.
Bis die frisch gepflanzten Bäume auch für Höhlenbrüter interessant werden, wird es noch einige Jahre dauern. Bereits heute sind Nistmöglichkeiten jedoch wichtig, besonders für Zukunftsarten wie den stark gefährdeten Steinkauz. Nistkästen in den etablierten Baumgärten erhöhen das Angebot von künstlichen Höhlen und damit die Möglichkeit, dass sich der Wiedehopf, der Gartenrotschwanz oder eventuell auch der Steinkauz im strukturreichen Mandach ansiedeln. Der Wiedehopf wurde bereits wieder beobachtet, Brutnachweise lassen jedoch noch auf sich warten.
Wasser, nicht nur für die Gelbbauchunke!
Mit sechs weiteren Weihern, die im vergangenen Jahr im Siedlungsrand realisiert wurden, entsteht rund um die Parkgemeinde eine regelrechte «Perlenkette» aus Wasserstellen – ein Netzwerk, das die Landschaft ökologisch aufwertet und Tiere in Hitzeperioden entlastet. Die 2025 durchgeführte Wirkungskontrolle zeigt eindrücklich, dass nicht nur Amphibien wie die Gelbbauchunke die neu angelegten Wasserstellen am Siedlungsrand und im Mülital besiedeln. Wildtierkameras dokumentierten, wie Mäusebussarde, Neuntöter, der Waldkauz und sogar Dachse die kleinen Oasen zur Abkühlung im heissen Sommermonat rege nutzen. Dies zeigt die Relevanz von vielfältigen und verteilt angelegten Wasserstellen.
Auch im kommenden Jahr bleibt Wasser ein zentrales Element des Projekts. Durch den gezielten Einsatz von Keyline-Design in Verbindung mit den neu angelegten Weihern soll die Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Extremereignissen wie Starkregen oder langen Hitzeperioden werden. Keylines sind ein bewährtes Konzept, welches das natürliche Gefälle des Geländes nutzt, um Wasser gleichmässig zu verteilen und den Boden optimal zu durchfeuchten. Das Vorhaben hat damit Modellcharakter für die gesamte Region und wird im Rahmen vom Reallabor Jurapark Aargau wissenschaftlich durch die Eidg. Forschungsanstalt WSL begleitet.
Kleinstrukturen mit grosser Wirkung
Während die gepflanzten Hecken und Bäume noch Zeit brauchen, bis sie ihre Wirkung entfalten, bieten Kleinstrukturen wie Asthaufen, Steinlinsen und offene Bodenflächen von Beginn an potenziellen Lebensraum. Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) untersucht aktuell, wie sich diese neu angelegten Strukturen auf Arten wie das Hermelin auswirken. Wildtierkameras zeigen bereits: Das Hermelin ist sowohl im braunen Sommerkleid als auch in der weissen Wintergestalt immer wieder an den Steinlinsen und Asthaufen zu beobachten. Auch Vogelarten wie der Wendehals und der Neuntöter profitieren bereits jetzt schon von den offenen Bodenflächen, in denen sie erfolgreich auf Insektenjagd gehen.
Die nächsten Etappen umfassen weitere Pflanzungen, die Vernetzung bestehender Kleinstrukturen und eine Verstärkung der Lebensräume für Zielarten wie Steinkauz, Wiedehopf und Gartenrotschwanz. Insbesondere der Biotopverbund bleibt ein zentrales Element.
Handwerkskunst für stabile Mauern – und neue Lebensräume
Nach der erfolgreichen Sanierung der Trockensteinmauern in der Hinter Hirzigen begann Ende Oktober 2025 das grosse Aufwertungsprojekt am Besseberg. Gemeinsam mit der Gemeinde Mettauertal werden die alten, teils einsturzgefährdeten Betonmauern am Besseberg ab- und als Trockenmauern neu aufgebaut. Nach alter Handwerkskunst und mit viel Feingefühl lässt Markus Müller von «Stein im Garten» mit seinem Team die Mauern entstehen. Die neuen Trockenmauern bieten dank integrierten Nisthilfen und Rückzugsmöglichkeiten für Kleinsäuger wertvollen Lebensraum.
Finanzierung
Das gross angelegte Biodiversitätsprojekt wird finanziell unterstützt vom Kanton Aargau (Abteilung Landschaft & Gewässer und Abteilung Wald), vom Fonds Landschaft Schweiz, vom Alpiq Ökofonds, vom naturemade star-Fonds der ewz sowie von der Paul-Schiller-Stiftung und der Binding-Stiftung.