Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Mäßig bewölkt
11.3 °C Luftfeuchtigkeit: 75%

Montag
7 °C | 21.5 °C

Dienstag
8.8 °C | 18.3 °C

Die Delegierten der Fricktaler Gemeinden verfolgten interessiert die Ausführungen zum Hauptthema der diesjährigen Fricktalkonferenz, dem Leitfaden «Standortförderung in Gemeinden». Foto: Jörg Wägli

Leitfaden «Standortförderung», «Fahrplan 2026» und «Hausärzte» an der Fricktalkonferenz 2024

Das Fricktal ist heute eine wichtige Wirtschaftsregion im Kanton Aargau. Und dies soll auch so bleiben. Deshalb wurde zusammen mit der Kantonalen Wirtschaftsförderung der Leitfaden «Standortförderung in Gemeinden» erarbeitet. An der Fricktalkonferenz wurde er am Freitagnachmittag in Möhlin den Gemeindevertretern präsentiert. Weitere Themen waren – nebst den ordentlichen Traktanden der Abgeordnetenversammlung (siehe sep. Artikel) – der Fahrplan 2026 mit Angebotsverbesserungen sowie aktuelle Zahlen zur hausärztlichen Versorgung im Fricktal.

JÖRG WÄGLI

Es waren eindrückliche Zahlen, die Franco Mazzi, Vizepräsident des Planungsverbandes Fricktal Regio und Stadtammann von Rheinfelden, den Gemeindedelegationen an der Fricktalkonferenz präsentieren konnte. Die Zahl der Beschäftigten im Fricktal (Vollzeitäquivalent) stieg in zehn Jahren um 4400 auf 34 600 im 2023 (+14.4%). Das Bruttoinlandprodukt BIP nähert sich im Fricktal der Grenze von 10 Milliarden Franken pro Jahr (2023: 9,7 Mia). Damit ist das Fricktal die zweitstärkste Wirtschaftsregion im Aargau.
«Ist das automatisch in Zukunft auch so oder müssen wir dazu Sorge tragen und unser Bestes geben, damit dies auch in Zukunft so ist?», fragte Franco Mazzi. Kurz: Braucht es im Fricktal eine Standortförderung? Die Antwort war ein klares Ja!
Doch wie können auch kleinere Gemeinden dazu beitragen. Immerhin liegen 80 Prozent der Arbeitsflächen sowie über 90 Prozent der unbebauten Arbeitsflächen in Gemeinden mit wirtschaftlichem Entwicklungsschwerpunkt (ESP). Es sind dies Rheinfelden, Möhlin, Kaiseraugst, Sisseln, Münchwilen, Stein, Eiken, Frick, Kaisten, Laufenburg. Und die anderen Gemeinden, in welchen eher der Schwerpunkt Wohnen dominiert?

Was kann jede Gemeinde tun?
Hier setzte das Hauptthema der diesjährigen Fricktalkonferenz an. Franco Mazzi: «Heute geht es nicht um die Frage, wie man einen Weltkonzern auf einer Fläche von mehreren Hektaren ansiedelt. Heute geht es darum, was jede Gemeinde tun kann, damit es den ansässigen Unternehmen gut geht und sie sich gut entwickeln können.»
Im Bewusstsein, dass innerhalb des Fricktals grosse Unterschiede zwischen den Gemeinden besteht, war Judith Arpagaus, Leiterin Geschäftsstelle Fricktal Regio an die Kantonale Standortförderung gelangt. Das Resultat ist der Leitfaden «Standortförderung in Gemeinden», der als Pilotprojekt im Aargau entstanden ist. Vorstellt wurde der Leitfaden den Anwesenden von Carina Steiner und Raphael Graser von der kantonalen Standortförderung.
Sie liessen keinen Zweifel daran, dass in jeder Gemeinde die Wirtschaft wertvoll und wichtig ist. Sei dies beispielsweise für Dienstleistungen verschiedenster Art, als Arbeitgeber, Lehrstellenanbieter oder auch Steuerzahler. Doch was kann die Gemeinde tun, dass sich die Betriebe, meist KMUs, wohlfühlen, günstig entwickeln?

Von links: Die Referenten Carina Steiner, Bruno Hofer, Raphael Graser sowie die Fricktal-Regio-Vertreterinnen Judith Arpagaus (Leiterin Geschäftsstelle), und Françoise Moser (Präsidentin Planungsverband). Foto: Jörg WägliStrauss einfacher Massnahmen
Die Gemeinden können den Steuerfuss für juristische Personen nicht senken, die Anbindung ans Nationalstrassennetz nicht verbessern, die Teuerung nicht beeinflussen, den Fachkräftemangel nicht beseitigen... «Aber Ihre Gemeinde kann trotzdem in manchen wichtigen Bereichen zu günstigen Voraussetzungen beitragen», so die beiden Referenten. Und: «Mit einem Strauss von einfachen Wirtschaftsfördermassnahmen können Gemeinden zur Verbesserung des Wohn- und Wirtschaftsstandortes Aargau beitragen.» Wie das geht, welche Vorarbeiten geleistet werden müssen und mit welchen Massnahmen das Umfeld unternehmensfreundlich gestaltet werden kann, zeigt der Leitfaden auf.
Zu den Vorarbeiten gehört beispielsweise nicht nur eine Analyse des Ist-Zustands, sondern auch die Frage «In welche Richtung will/soll sich meine Gemeinde entwickeln?» Zu den Massnahmen gehören dann beispielsweise die Schaffung einer wirtschaftsfreundlichen Atmos­phäre mit einer wirtschaftsfreundlichen Grundhaltung der Gemeinde, konkreter Ansprechperson in der Gemeindeverwaltung, der Durchführung von Unternehmeranlässen, Kontaktpflege mit Verbänden in der Gemeinde sowie etwa auch positiven Reaktionen auf Anfragen von auswärtigen Betrieben. Wichtig auch, dass in der Nutzungsplanung gewisse Flächen für wirtschaftliche Nutzungen vorgesehen bleiben/werden, denn diese sind nicht nur für Neuansiedlungen, sondern auch für ansässige Betriebe als günstige Voraussetzungen für bauliche Veränderungen oder Erweiterungen wichtig. Schliesslich muss auch auf Verkehr und weitere Versorgungs-Infrastruktur ein wirtschaftsfreundliches Augenmerk gerichtet werden. Der Leitfaden, der auf Anregung von Fricktal Regio entwickelt und im Rahmen eines Projektes der Neuen Regionalpolitik zu je einem Drittel von Bund, Kanton, und Regionalplanung finanziert wurde, ist Teil des Projekts «Stärkung Wirtschaftsstandort: Zusammenarbeit in wirtschaftlichen Potenzialräumen». Er wird im Juni/Juli den Gemeinden online und als PDF zur Verfügung gestellt und soll periodisch aktualisiert und erweitert werden. Nach Bedarf, so Carina Steiner, von der Kantonalen Standortförderung, könnte eventuell auch noch ein Vertiefungsworkshop durchgeführt werden. Ergänzt wurde die Präsentation des Leitfadens durch konkrete Praxisbeispiele von Bruno Hofer, der mit seinem Büro Kommunalmanagement Gemeinden in diesen Fragen berät.

Fahrplan 2026
Nebst dem Hauptthema Standortförderung war auch der öffentliche Verkehr bzw. ein Ausblick auf die Fahrplananpassungen im Dezember 2025 Thema an der Fricktalkonferenz. Schliesslich sei auch die Erreichbarkeit ein wichtiges Thema in Zusammenhang mit der Standortförderung, meinte Gunthard Niederbäumer, welcher im Vorstand von Fricktal Regio das Ressort Mobilität betreut. Es freute ihn besonders, dass für den Fahrplan 2026, nicht zuletzt in Zusammenhang mit der neuen Kantonsschule Fricktal und der Entwicklung Sisslerfeld, ein Ausbau des Öffentlichen Verkehrs bevorsteht.
Die konkreten Pläne präsentierten Conrad Naef, Projektleiter Öffentlicher Verkehr BVU und sein Kollege Jonas Lukas. Hauptpunkt: Neu werden beide stündlich verkehrenden Interregio-Züge in Möhlin und Stein halten, was für Stein neu den Halt des IR Flugzug bedeutet. Angebotsverbesserungen resultieren aber auch im Busnetz (teils Verbesserung Takt, Angebotserweiterungen für Freizeitverkehr in der Nacht oder an Wochenenden). Leider müssen aber auch marginale Verschlechterungen in Kauf genommen werden.
Da es sich um einen grösseren Fahrplanwechsel handelt, wird für diesen bereits nach diesen Sommerferien (evtl. Herbst) eine Vorvernehmlassung durchgeführt, in welcher sich jedermann wird äussern können.

Die Zahl der Grundversorger im Fricktal im Mai 2024. Foto: zVgHausärzte im Fricktal
Schliesslich widmete sich die Fricktalkonferenz abschliessend noch der Hausärzte-Situation im Fricktal. Wie Franco Mazzi erklärte, seien aus aktuellem Anlass die bereits vorhandenen Zahlen aktualisiert worden. Und sie zeigen auf den ersten Blick ein etwas überraschendes Bild.
Insgesamt liegt die Hausarztdichte im Aargau mit 0,65 Hausärzten pro 1000 Einwohner deutlich unter dem OECD-Standard von einem Hausarzt pro 1000 Einwohner. In ländlichen Gebieten sind es gar nur zirka 0,4 bis 0,55 Hausärzte pro 1000 Einwohner. Und es wird davon ausgegangen, dass sich die Situation in den nächsten Jahren noch verschärft.
Im Fricktal lagen die Zahlen der Hausarztdichte 2019 im Bezirk Rheinfelden bei 0,99 und im Bezirk Laufenburg bei 0,59. Die neueste Erhebung zeigt, dass die Zahl der Ärzte (personenbezogen) im Fricktal seit 2019 von 64 auf 77 gestiegen ist. Diese positive Entwicklung ist zu einem guten Teil auf das Engagement des GZF zurückzuführen (Aufbau neuer Praxen). Das Durchschnittsalter liegt 2019 wie auch 2024 bei 53 Jahren. Das ist etwas tiefer als im gesamten Aargau – was vor allem daran liegt, dass viele Neueintritte sehr jung sind. Der Zuwachs konzentriert sich auf die Region Rheinfelden. Im oberen Fricktal ist die Versorgung gleichgeblieben und die ÄrztInnen werden zunehmend älter. Ein Viertel der Ärzt­Innen ist bereits 60 Jahre oder älter. Um diese zu ersetzen, braucht es in den nächsten Jahren zirka 30 jüngere ÄrztInnen.
Weiter gilt es zu beachten, dass zwei Drittel der in den letzten fünf Jahren eingetretenen Ärzte weiblich sind – und diese vor allem in jüngeren Jahren meist Teilzeit arbeiten (Familie). «Die verfügbaren Ressourcen für die Versorgung der Patienten im Fricktal hat daher nicht substanziell zugenommen», so Mazzi in seinen Ausführungen.
Was können Gemeinden zu einer Verbesserung der Situation beitragen? «Ihre Unterstützungsmöglichkeiten hängen stark von der Situation und den Zielen der bestehenden Ärzte ab – holen Sie ihre Bedürfnisse ab», sagte Mazzi an die Anwesenden gerichtet. Dabei sei wichtig, Ärzte untereinander und mit möglichen Investoren zu vernetzen. Evtl. könnte Anschubhilfe geleistet oder es könnten eigene Flächen zu günstigen Konditionen angeboten werden. Schliesslich machte Franco Mazzi die Anwesenden auf den Leitfaden «Medizinische Grundversorgung in Gemeinden» des Kantons Aargau aufmerksam.

Bilder
Erstes Bild: Die Delegierten der Fricktaler Gemeinden verfolgten interessiert die Ausführungen zum Hauptthema der diesjährigen Fricktalkonferenz, dem Leitfaden «Standortförderung in Gemeinden». Foto: Jörg Wägli
Zweites Bild: Von links: Die Referenten Carina Steiner, Bruno Hofer, Raphael Graser sowie die Fricktal-Regio-Vertreterinnen Judith Arpagaus (Leiterin Geschäftsstelle), und Françoise Moser (Präsidentin Planungsverband). Foto: Jörg Wägli
Drittes Bild: Die Zahl der Grundversorger im Fricktal im Mai 2024. Foto: zVg