(mt) Eine ganze Heerschar Interessierter folgte am letzten Samstag der Einladung der Naturschutzvereine Rheinfelden und Magden zur dritten und letzten Begehung der Baustelle am Magdenerbach.
Und die Erwartungen der gegen 100 Teilnehmer wurden nicht enttäuscht: Wie schon die letzten beiden Male gelang es Rolf Gall, Projektleiter und Wasserbau-Ingenieur, mit seinen Erläuterungen über die Zusammenhänge zwischen Ausbau des Bachbetts, schwankenden Wassermengen und verschiedensten Aspekten des Naturschutzes die Zuschauer zu fesseln.
Gleich beim neuen, in geistiger Anlehnung an die Panzersperre mehrheitlich in Metall ausgeführten Fussgängerbrücklein kam die Wassermenge zur Sprache. Hier ist das Bachbett sehr breit angelegt und die Brücke so hoch gelegen, dass auch ein theoretisch nur alle 100 Jahre auftretendes Hochwasser hindurchfliessen kann, ohne die Brücke mitzunehmen. Beim gleich anschliessenden Bogen, wo der Bach nicht mehr wie bisher geradeaus, sondern in eine neue Richtung fliesst, musste wegen der grossen Kraft solcher Wassermassen das aussenseitige Ufer so «hart verbaut» werden, dass auch ein Hochwasser nicht in das angrenzende Feld ausreissen kann. Diese massiven Verstärkungen wurden so gut kaschiert, dass man sie gar nicht wahrnimmt. Weiter unten sieht das dann ganz anders aus: Hier soll sich in Zukunft eine Auenlandschaft ausbilden, das heisst ein recht grosses Feuchtgebiet, welches durch mehr oder weniger regelmässige Überschwemmungen mit Wasser versorgt wird. Dazu wurde jetzt der Querschnitt des Bachbetts bewusst so knapp gewählt, dass (theoretisch, das heisst in normalen Jahren) der Bach zwei- bis dreimal jährlich überläuft, die dafür vorgesehenen Flächen für einige Stunden bis Tage überschwemmt und ausgetrocknete Tümpel wieder auffüllt.
Überraschungen
Im Laufe der Bauarbeiten kam es auch zu Überraschungen: Nach dem Abhängen des alten Bachbettes sollte dieses eigentlich austrocknen, was aber nicht überall der Fall war. Grund dafür sind unerwartet aufgetauchte Quellen. In einem dieser Abschnitte tritt Grundwasser zu Tage, ein anderer, der eine Verbindung mit dem neuen Bachbett aufweist, wird zu einem sogenannten «Giessen», das ist ein Gewässer, meist ein Altarm, der (fast) ausschliesslich von klarem Grundwasser gespeist wird.
Nicht nur für Fische, auch für Krebse zum Beispiel wurde gesorgt, eine Eisvogelwand wurde gebaut und für Amphibien ist ein Eldorado entstanden: Neben den zwei künstlich angelegten Teichen entstanden mehrere kleinere Nassstellen, die eventuell zeitweise austrocknen, was gewissen Arten (Amphibien leben ja nur zeitweise im Wasser) sogar sehr recht sein kann. Mit den vielen neuen Feuchtstellen werden sich auch vermehrt Insekten einstellen, was wiederum den Vögeln und via grössere Biodiversität letztlich uns allen zu Gute kommt.
Ein tolles Naturschutzprojekt für unsere Region geht seinem erfolgreichen Ende entgegen. Mehrheitlich vom Bund finanziert, wurde das Projekt vom Kanton durchgeführt mit einer weisen Projektleitung, die nicht nur ihre eigenen Fachkenntnisse, sondern auch das spezifische Wissen der lokalen Naturschutzvereine genutzt und deren Anregungen miteinbezogen hat.
Mit viel Lehm an den Schuhen traf man sich zum Abschluss des hochinteressanten Anlasses beim Bunkerverein Magden, der die Teilnehmer für viele anregende Gespräche mit Speis und Trank versorgte.
www.nv-rheinfelden.ch
www.naturschutz-magden.ch